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Erste Firma zieht auf das Tempelhofer Flugfeld

Für das Tempelhofer Feld gibt es konkrete Pläne für die erste große Ansiedlung eines Industriebetriebes. Der Maschinenbauer Jonas & Redmann verlegt seine Zentrale auf das frühere Flughafengelände.

Beim Ziel, das Tempelhofer Feld zu einem neuen Wirtschafts- und Wohnstandort zu machen, ist ein Durchbruch gelungen. Die erste Ansiedlung eines expandierenden Berliner Industriebetriebes für das im Südteil des Geländes entlang der Autobahn geplante Gewerbeareal ist beschlossene Sache. Das Maschinenbau-Unternehmen Jonas & Redmann wird seine Zentrale mit derzeit 650 Mitarbeitern vom Moabiter Spreeufer nach Tempelhof verlegen. „Wir wollen Flächen kaufen und dorthin umziehen“, sagt Geschäftsführer Stefan Jonas. Der bisherige Standort an der Kaiserin-Augusta-Allee werde allmählich zu klein.

In Moabit entwickelt und baut die Firma vor allem Fertigungsanlagen für die Solarzellenproduktion. Auch Adlershof war als neuer Standort im Gespräch; der Berliner Südosten erschien vielen Mitarbeitern jedoch zu weit entfernt von ihren Wohnorten.

Für die landeseigene Entwicklungsgesellschaft Tempelhof Projekt GmbH, deren Gründung gerade vergangene Woche vom Abgeordnetenhaus grünes Licht erhalten hatte, sind die Umzugspläne von einem der Vorzeigeunternehmen der Berliner Wirtschaft die erste positive Nachricht nach einer Menge Kritik und Häme. „Jonas & Redmann wären für uns ein Leuchtturm“, sagt Gerhard Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof-Gesellschaft, der bisher als Chef der Adlershof Projekt GmbH für die städtebauliche Entwicklung des Technologieparks Adlershof zuständig war. Nun hat er mithilfe der Technologieparkmanager der Wista GmbH die neue Aufgabe übernommen, weil die Infrastruktur in Adlershof weitgehend fertig geplant und gebaut ist.

Noch müssen jedoch zahlreiche Vorarbeiten geleistet werden, ehe die Moabiter Maschinenbauer als erste Großansiedlung das Gesicht des nun unter dem Slogan „Tempelhofer Freiheit“ vermarkteten ehemaligen Flughafens prägen kann. Steindorf und seine Leute müssen Baurecht für das Gewerbegebiet vorbereiten und die Erschließung planen. Neben Jonas & Redmann gebe es noch ein weiteres Unternehmen, das nach Tempelhof wolle, sagt Steindorf.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) preist die Qualitäten des neuen Gewerbegebietes, das vorn am Park und hinten an der Stadtautobahn liegen wird. Sie sei überzeugt, dass dieses nicht zu große Gebiet gut geeignet sei für Gewerbe, vor allem für Unternehmen der Elektromobilität und mit „nicht emittierender Fertigung“. Auf jeden Fall werde es einen direkten Autobahnanschluss geben, ob als Brücke oder als Tunnel über die S-Bahn sei noch nicht entschieden. Auch ein neuer S-Bahn-Halt Tempelhofer Feld sei geplant, so Junge-Reyer. Insgesamt sollen hier gemäß den Planungen bis zu 4500 Jobs entstehen.

Tempelhof-Entwickler Steindorf erwartet, dass der Umzug frühestens 2014 erfolgen kann. Auch bei Jonas & Redmann geht man davon aus, dass ein Umzug frühestens in vier Jahren möglich ist. Noch befinden sich auf einem Teil des Geländes Kleingärten. Trotzdem: Das ehemalige Flughafengelände ist erste Wahl für die Firma. „Wir brauchen ungefähr dieselbe Fläche wie jetzt in Moabit – natürlich mit Erweiterungsmöglichkeiten“, sagt Geschäftsführer und Gründer Stefan Jonas.

Gemeinsam mit Lutz Redmann hat er 1989 die Firma gegründet und sich auf Sondermaschinenbau konzentriert. Seit 1999 engagieren sich die Ingenieure in der Photovoltaik. Das Unternehmen gilt als Berliner Erfolgsgeschichte. Die Firma hat in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Für dieses Jahr erwartet Jonas einen Umsatz von 86 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren es 73 Millionen. Derzeit arbeiten in Berlin 650 Menschen für Jonas & Redmann – Tendenz steigend. Die Firma sucht eigentlich permanent Personal für Produktion, Entwicklung und Vertrieb.

Das Unternehmen ist vor allem international ausgerichtet. Derzeit gehen rund 90 Prozent der Anlagen nach Taiwan und China. In Taiwan existiert bereits eine Niederlassung, ebenso in Südkorea. Derzeit wird eine chinesische Vertriebstochter gegründet. Produziert wird ausschließlich in Berlin. Daran solle sich auch nichts ändern, sagt Geschäftsführer Jonas.

Vor allem mit einem neuen Geschäftsfeld würde Jonas & Redmann perfekt zum Wunschprofil für Tempelhof passen. Neben der Solartechnik steht die Firma bei einer weiteren Zukunftstechnologie in den Startlöchern. Sie will Anlagen für die Batterieproduktion anbieten. Speichertechnologien spielen eine entscheidende Rolle, beispielsweise bei der Entwicklung von Elektroautos. Die Fertigung der Batterien ist hoch anspruchsvoll – die Maschinen dafür kann Jonas & Redmann liefern.

Wenn sich nun also nebenan die Batterieproduzenten und weitere Zulieferer ansiedeln und auf den ehemaligen Startbahnen E-Mobile ihre Schau-Runden drehen, wäre der Plan der Tempelhof-Entwickler für ein Schaufenster und einen Produktionsstandort für Elektromobilität mehr als ein Wunschtraum.

Bisher krankt die Entwicklung des Tempelhofer Feldes daran, dass bis auf mehr oder weniger obskure Klein-Projekte und Nachbarschaftsgärten noch wenig Konkretes vorliegt. Noch ist weitgehend unklar, was auf jenem Teil der 386 Hektar geschehen soll, die nicht dauerhaft als Parklandschaft vorgesehen sind. Die Verwaltung der Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer hat die operative Verantwortung für das Areal gerade an die von Steindorf geführte GmbH abgetreten. Über zehn Jahre soll die Gesellschaft für die Entwicklungsarbeit und die Vermarktung des riesigen Flughafengebäudes 42 Millionen Euro erhalten.

Die Opposition von CDU, Grünen und FDP hatte die Konzeptlosigkeit der Koalition kritisiert und gewarnt, Tempelhof könne zu einem teuren neuen „Entwicklungsgebiet“ werden, wenn sich die Entwickler, wie vielfach in den 90er-Jahren geschehen, verselbstständigen und Millionen ausgeben. Aus Sicht der Senatorin Junge-Reyer besteht dieses Risiko nicht: Die Politik steuere die Tempelhof-Entwickler über den Aufsichtsrat.

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