Wissenschaft

Berliner Region führt europäische Forschung an

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Joachim Fahrun

Die Wissenschaft in der Hauptstadtregion bekommt einen wichtigen Schub aus Brüssel. Die Technische Universität und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung setzten sich in einem EU-Wettbewerb durch und werden nun zu Zentren der europäischen Entwicklungsleistungen.

Das European Institute of Technology (EIT) hat am Mittwochabend in Budapest Berlin und Potsdam zum Standort für zwei wichtige Forschungszentren zu Zukunftsthemen bestimmt. Die TU Berlin wurde mit ihren Partnern zur „Knowledge and Innovation Community“ (Wissens- und Innovationsgesellschaft), einem sogenannten KIC, für das Thema Informations- und Kommunikationstechnik (IT) ausgewählt. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erhielt mit seinem Konsortium, zu dem ebenfalls die TU Berlin gehört, den Zuschlag für die angewandte Forschungsarbeit zum Thema Klimawandel. „Das ist ein stolzer Tag für die TU und ein wichtiges Ergebnis für Berlin“, sagte TU-Präsident Kurt Kutzler.

Das heißt: Am Thema Klimawandel wird nun für Europa federführend in Potsdam geforscht, bei der Informations- und Kommunikationstechnologie an der TU Berlin. Die KICs sind die operativen Einheiten des EIT. Das neue, als Netzwerk konzipiert, ist das wichtigste forschungspolitische Projekt der Europäischen Union. Ziel ist es, internationale Partner zusammen zu führen und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in Produkte umzusetzen.

„Als wir die KICs ausgesucht haben, waren die wichtigsten Kriterien Führerschaft und Exzellenz“, sagte der Vorsitzende des EIT-Aufsichtsrates, der niederländische Ex-Manager Martin Schuurmanns. Die KICs sollen wie Unternehmen von einem Vorstandschef geführt und streng nach ihren Ergebnissen bewertet werden.

Für die TU bedeutet vor allem die Auswahl für die Informations- und Kommunikationstechnologie einen Ritterschlag. Die Pläne für einen „Campus Charlottenburg“ könnten durch solch einen international anerkannten „Leuchtturm“ an Dynamik gewinnen.

Mit Berlin und der TU sind Eindhoven, Helsinki, Paris und Stockholm als Standorte für das KIC mit im Boot. In Deutschland wurden die TU München, die TU Darmstadt, die Unis Karlsruhe und Saarbrücken ausgewählt. Sie verbünden sich mit dem vor drei Jahren gegründeten European Center vor Information- and Communication Technologies (EICT), das vor drei Jahren in Berlin von der TU, Daimler, der Telekom, des Fraunhofer Institut zur Förderung der angewandten Forschung sowie dem norwegischen Browser-Hersteller Opera gegründet wurde. Nun kommt auch noch der Software-Riese SAP hinzu. Diese Vorarbeit in der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft war für TU-Präsident Kutzler entscheidend für die Auswahl des EIT. Das Innovationszentrum setze schon heute Projekte mit einem Volumen von 215 Millionen Euro um. „Wir müssen in Berlin die Wirtschaft stärker durch die Wissenschaft fördern“, sagte Kutzler.

Der Präsident erwartet, dass die Wissenschaftler aus anderen Orten künftig mit ihren Aktivitäten nach Berlin kommen, um auf dem „Campus Charlottenburg“ zu arbeiten.

Am Thema Klimawandel, das nun für Europa federführend aus Potsdam erforscht wird, ist die TU mit ihrer Fakultät für Bauen, ihren Umweltwissenschaftler, aber auch Ökonomen und Mathematikern beteiligt. Neben Berlin-Brandenburg sind es London, Zürich, die Region Paris und die Region Amsterdam-Rotterdam. „Die Auswahl zeigt, dass in der Region besonders intensiv über Nachhaltigkeit und Klima nachgedacht wird“, sagte Kutzler.

Das dritte Feld, das die EU mit einem KIC stärken will, ist die Energie. Hier ist aus Deutschland Karlsruhe als Knoten im Netzwerk ausgewählt worden.

308 Millionen Euro beträgt das Budget des EIT bis 2013. Für jeden Standort wird es also nicht so eine große Summe geben. „Das Geld aus den KICs ist nicht entscheidend“; sagte Kutzler. Aber der Status als offizielles europäisches Forschungszentrum bedeute zusätzliche Aufträge und zusätzliches Geld aus anderen Quellen. „Das EIT ist ein Appetizer“; sagte Kutzler. Und für die TU eine gute Basis, um diesmal auch im bundesweiten Exzellenzwettbewerb erfolgreich zu sein.