Waldorf Astoria

Wie der Kudamm zur Park Avenue werden soll

Am Zoofenster wächst das Waldorf Astoria in die Höhe. Manager Friedrich Niemann sprach mit Morgenpost Online über die Pläne der Edelhotelmarke in Berlin.

Das Berliner Waldorf Astoria hat große Ziele. Über die Zukunft des Edelhotels an der Hardenbergstraße sprach Dirk Westphal mit Manager Friedrich Niemann.

Morgenpost Online: Herr Niemann, im Internet wurden Sie mit der Aussage zitiert, das Berliner Waldorf Astoria wolle noch besser als das Stammhaus in New York sein. Geht das überhaupt?

Friedrich Niemann: (lacht) Wo haben Sie das denn gelesen?

Morgenpost Online: Auf einem Berliner Gourmetkennerportal im Internet.

Friedrich Niemann: Klar ist, wir wollen in Berlin den gewohnten Standard der Marke Waldorf Astoria halten und der ist, Sie wissen es, hoch.

Morgenpost Online: Die Worte, mit denen Sie zitiert wurden, waren zugespitzter. Da hieß es, man werde das New Yorker Stammhaus an der Park Avenue überflügeln.

Friedrich Niemann: Hier geht es nicht ums „Schlagen“ oder „In-den-Schatten-Stellen“. Unser Ziel ist, etwas von dem „Park Avenue Flair“ an die Hardenbergstraße zu bringen. Und das mit dem besten Service und der besten Qualität, die wir liefern können.

Morgenpost Online: Der Bahnhof Zoo war lange Zeit das Synonym für das kaputte West-Berlin, ein Ort für Junkies, Obdachlose. Sie aber fühlen sich an dem Standort gut, wie passt das?

Friedrich Niemann: Der Markt und die Perspektive haben sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Berlin hat sich in den letzten fünf bis sechs Jahren enorm entwickelt und präsentiert sich jetzt noch stärker als Weltstadt. Bis zu zehn Jahre dauert es, bis sich Stadtviertel verändern, wenn wir Entwicklungen in vergleichbaren Großstädten betrachten. Das Zentrum der City West rund um die Gedächtniskirche wird sich verändern – das Projekt Zoofenster mit Waldorf Astoria ist ein Teilprojekt im Rahmen der gesamten Entwicklung des Viertels. Denken Sie nur an das benachbarte Bikinihaus, das jetzt mit Millionenaufwand umgebaut wird. Ähnliche Pläne gibt es für den Hardenbergplatz. Allein unser Bauherr investiert mehr als 200 Millionen, und es kommen weitere Neubauten. Das alles wertet die City West und den Mikrostandort am Zoo enorm auf.

Morgenpost Online: Sie müssen ja Optimist sein bei einer derart „fetten“ Hotelmarke!

Friedrich Niemann: Danke für das „fett“. Sie müssten mal sehen, wie viele Bewerbungen ich bereits ein Jahr vor dem Start unseres Hauses auf den Tisch bekommen habe. Ähnlich viele gute Nachrichten erreichen mich von außerhalb Deutschlands. Die Resonanz ist einfach gut.

Morgenpost Online: Es gibt in Berlin zurzeit 23 Fünf-Sterne-Häuser. Kein Problem mit einem derart mörderischen Marktumfeld?

Friedrich Niemann: Die Zahl stimmt. Aber das „competitor set“, die Gruppe der direkten Mitbewerber, macht nur eine Handvoll aus.

Morgenpost Online: Wozu das Adlon, Hotel de Rome oder das Kempinski gehören…

Friedrich Niemann: Das Waldorf Astoria wird sich im obersten Segment etablieren, wo die Qualität des Erlebens im Vordergrund steht. Wie erwähnt, sehen wir in der unmittelbaren Umgebung nur wenige erfolgreiche Mitbewerber. Hier wollen wir jedoch keine Namen nennen. Diesen Vergleich überlassen wir später gern unseren Gästen.

Morgenpost Online: Dann reden wir über große Zahlen. Haben Sie kein Problem damit, dass Berlin mit um die 115000 Hotelbetten mehr als New York bietet?

Friedrich Niemann: Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber: Auf vergleichbarem Niveau gibt es in Berlin – im Gegensatz zu manch anderer Metropole Europas – noch nicht viele Hotels. Wir sind daher davon überzeugt, dass wir mit dem Waldorf Astoria in Berlin enorme Chancen haben, ganz vorne auf dem Markt präsent zu sein.

Morgenpost Online: Dünn sind hier im internationalen Vergleich auch die erzielbaren Zimmerpreise. Hat die Hilton-Gruppe damit ebenfalls kein Problem?

Friedrich Niemann: Es stimmt, dass die Preise niedriger sind. Aber man darf die hier erzielbaren Preise nicht einfach mit denen in Paris oder London vergleichen. Dort haben wir ein anderes Einkommens- und Preisgefüge. Das ist nicht übertragbar. Berlin ist unter den meistbesuchten Städten Europas mittlerweile bis auf Platz drei vorgerückt – vor Rom, nur noch hinter London und Paris. Die Stadt hat im Ausland einen hervorragenden Ruf.

Morgenpost Online: Im Waldorf-Astoria in New York nächtigten berühmte Musiker und selbst US-Präsidenten. Hätten Sie auch eine Suite für Barack Obama?

Friedrich Niemann: Es entspricht nicht der Philosophie vom Waldorf Astoria über die Gäste des Hauses zu sprechen, wir werden aber sicher die entsprechenden Kontakte zum Weißen Haus pflegen, um den Präsidenten im Rahmen einer seiner nächsten Besuche möglichst als Gast im Waldorf Astoria begrüßen zu dürfen. Die Präsidentensuite in der 31. Etage des Hauses wird eine Grundfläche von rund 300 Quadratmeter haben und sehr luxuriös ausgestattet sein, mit Whirlpool, Flügel und Loggia.

Morgenpost Online: Nahe Breitscheidplatz lag einst das „Romanische Café, der Treff der Künstler, Wissenschaftler und großen Schreiber. Das Café soll in Ihrem Haus wiederbelebt werden. Ein ambitioniertes Unterfangen!

Friedrich Niemann: Erich Kästner, einer der Stammgäste, nannte es den „Wartesaal der Talente“. Hilton möchte an die alte Tradition anknüpfen und im Waldorf Astoria ein Künstler-Café eröffnen – unter dem Namen „Romanisches Café“. Wir werden das Café, das Eingänge an der Kant- und Hardenbergstraße bekommt, für alle Berliner zugänglich zu machen.

Morgenpost Online: Das Waldorf Berlin wird rund 200 Menschen beschäftigen, bietet Berlin dafür genug gutes Personal?

Friedrich Niemann: Insgesamt werden im Waldorf Astoria sogar 210 Mitarbeiter tätig sein. Mit der aktiven Personalsuche wird im Frühjahr begonnen, allerdings gehen seit Monaten Initiativbewerbungen bei uns ein. Wir werden bevorzugt Mitarbeiter aus der Region einstellen.