Wettbewerb

Stararchitekten wollen neue Deutschlandhalle bauen

Eine seltsame Konstellation: Die Entscheidung, wie der Nachfolgebau für die Deutschlandhalle aussehen soll, scheint bereits gefallen. Wegen einer Klage darf sie aber offenbar noch nicht bekannt gegeben werden. Morgenpost Online zeigt, welche Architekturbüros sich beworben haben.

Neue Chance für Berlins Architektur? Nachdem die Hauptstadt in der internationalen Architekturszene kaum noch eine Rolle spielt, könnte jetzt eine positive Wende eintreten. Ausgerechnet der kurz vor dem Abschluss stehende Wettbewerb für den lange umstrittenen Neubau der Messehalle am Standort der Deutschlandhalle in Charlottenburg beschert Berlin ein außergewöhnliches Interesse weltweit renommierter Büros. So sollen sich neben einer der international bedeutendsten Architektinnen, der in London lebenden Irakerin Zaha Hadid, auch der französische Star-Architekt Dominique Perrault oder auch das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano mit Entwürfen für den Neubau der Halle beworben haben.

Zaha Hadid erhielt den Architektur-„Oscar“

Zaha Hadid sorgte zuletzt 2010 mit ihrem Opernhaus im chinesischen Guangzhou oder dem neuen Kunstmuseum MAXXI in Rom weltweit für Aufsehen. Die 60-jährige Planerin wurde als erste Frau 2004 mit dem „Oscar“ der Architektur, dem Pritzker-Preis, geehrt. Ihre Entwürfe zeichnen sich vor allem durch ungewohnte Formen aus, die das Diktat des rechten Winkels negieren. Hadids bislang einziges Gebäude in Berlin, ein keilförmiges Wohn- und Geschäftshaus mit Dachgarten, steht an der Kreuzberger Stresemannstraße 109. Zu den bekannteren Werken der Avantgardistin zählen unter anderem das „phaeno“ in Wolfsburg oder das BMW-Gebäude in Leipzig. In London wird nach den Plänen Hadids für die Olympischen Spiele 2012 eine schwungvolle Schwimmhalle realisiert.

Auch Dominique Perrault, der in Paris mit seinem streng formalistischen Entwurf für die französische Nationalbibliothek nicht nur positive Reaktionen hervorrief, hat in Berlin bereits gebaut: Von Perrault stammen das Velodrom und die Schwimm- und Sporthalle, die für Berlins Olympiabewerbung an der Landsberger Allee in Prenzlauer Berg errichtet wurden. Das Büro „Nieto Sobejano“ wurde vergangenes Jahr mit dem Aga Khan Preis für ihr Museum im spanischen Cordoba ausgezeichnet. Der Architekt des bekannten Ludwig-Erhart-Hauses in der Charlottenburger Fasanenstraße, der Brite Nicolas Grimshaw, der gemeinsam mit dem Berliner Büro M2R Architecture angetreten war, soll hingegen wieder abgesprungen sein. „Er war der Absicht, dass zu viele Büros beteiligt waren“ so ein Insider.

Entscheidung ab Anfang Mai

Wer von den nunmehr 17 renommierten teilnehmenden Büros letztlich das Rennen macht, wird nach Informationen von Morgenpost Online jedoch frühestens Ende der ersten Maiwoche bekanntgeben. Dabei hat das Preisgericht bereits vergangenen Donnerstag getagt und offenbar auch einen Siegerentwurf ermittelt. Von welchem Büro der Entwurf stammt, bleibt aber vorerst geheim. Selbst das Preisgericht weiß nicht, wer im Rennen ist. Der Grund: Der Einspruch eines nicht für den Wettbewerb ausgewählten Architekturbüros bei der Vergabekammer muss erst vom Tisch sein. Wann die rechtskräftige Prüfung endgültig abgeschlossen ist, war am Wochenende noch nicht absehbar. Es bleibt spannend.

Neben den 14 über ein Bewerbungsverfahren ausgewählten Architekturbüros warten auch die bereits von vornherein vom Wettbewerb-Auslober gesetzten Planer auf das Ergebnis. Wie berichtet begann der Wettbewerb bereits vor dem Start im Januar schon Mitte Dezember vergangenen Jahres mit Ärger. Denn die Messe Berlin GmbH hatte just die drei Büros im Vorfeld ausgewählt, die bereits zuvor an Gutachten und Machbarkeitsstudien der Messe für das ICC oder die Deutschlandhalle beteiligt waren und insofern bereits über detaillierte Kenntnisse verfügten. Allen voran Gerkan, Marg und Partner Architekten (GMP). Die weltweit renommierten Planer hatten nicht nur für den Abriss der Deutschlandhalle plädiert. Sie hatten schon 2005 mit dem ICC-Gutachten bereits den Entwurf für einen Messe-Neubau auf dem Areal der Deutschlandhalle vorgelegt. Auch das renommierte Berliner Büro „KSPArchitekten Jürgen Engel“ sowie das Potsdamer Büro „Dietz Joeppien Architekten AG“ standen schon vorab auf der Teilnehmerliste. Dies war bei Insidern des Wettbewerbsgeschehens sowie beim Architekten – und Ingenieurverein (AIV) auf starke Kritik gestoßen und hatte der Messe den Vorwurf eines möglicherweise unfairen Verfahrens eingebracht.

Abriss in der Kritik

In der Kritik stand auch der vom Senat genehmigte geplante Abriss der denkmalgeschützten Deutschlandhalle. Er könne erst dann erfolgen, „wenn der Bauantrag gestellt sei“, sagt Messe-Sprecher Michael T. Hofer. Den Bauantrag für das 65 Millionen-Projekt stelle der Sieger des Wettbewerbs im Namen der Messe. Auch wenn die Entscheidung des Preisgerichts für den Auftraggeber nicht bindend ist, geht Hofer davon aus, dass der Siegerentwurf auch realisiert werde.