Kindesmisshandlung

Mutter schildert vor Gericht ihre Überforderung

Eine junge Mutter steht in Berlin vor Gericht, nachdem sie ihre vier Monate alte Tochter misshandelt haben soll. Sie hatte das Baby so stark geschüttelt, dass es einen Hirnschaden und einen Rippenbruch erlitt. Die Angeklagte sagte zu Prozessbeginn, sie habe einfach die Nerven verloren. Das Kind wird sein Leben lang schwerst behindert bleiben, so die Staatsanwaltschaft.

Viktoria ist jetzt acht Monate alt. Vermutlich wird das Mädchen sein Leben lang schwerbehindert sein. Die Mutter des Babys hat am Mittwoch zu Beginn ihres Prozesses Misshandlungen gestanden. Der Säugling, ein Frühchen, habe ununterbrochen geschrien. „Ich war nervlich am Ende“, schilderte die 22-jährige Frau ihre Situation im August, vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter. Sie hatte das Kind gepackt und geschüttelt. Einmal hatte die aus Polen stammende Frau das Mädchen eigenen Angaben nach auch geschlagen.

Am 21. August kam Viktoria ins Krankenhaus. Ärzte stellten ein Schütteltrauma, einen Hirnschaden und einen Rippenbruch fest. Ohne Operation hätte laut Staatsanwaltschaft die Gefahr eines Atem- und Kreislaufstillstands bestanden. Als Spätfolgen der Misshandlung sind Blindheit, Sprach- und Gehörstörungen sowie Lähmung von Armen und Beinen zu befürchten, verlas der Staatsanwalt die Anklage. Das Kind könnte geistig behindert werden.

Die 22 Jahre alte Mutter hat sich inzwischen von ihrem damaligen Lebensgefährten getrennt. Der Mann habe getrunken und sie häufig geschlagen. Einmal habe er sie geschubst, als sie das Baby auf dem Arm trug, erinnerte sich die Angeklagte an Erlebnisse in der gemeinsamen Wohnung.

Die Frau sitzt seit Entdeckung der Misshandlungen in Untersuchungshaft. „Ich weiß, was ich dem Baby angetan habe, ich bereue sehr“, sagte die Mutter. Das Sorgerecht wurde ihr entzogen. Sie wolle aber darum kämpfen, das Baby zurückzubekommen, sagte die Anwältin. Die Angeklagte hofft auf Unterstützung von Verwandten in ihrer Heimat.

Eine erste Tochter, die sie mit 18 Jahren zur Welt gebracht hatte, sei zur Adoption freigegeben worden. Seit ihrem 15. Lebensjahr sei sie selbst Waise und habe sich damals als Schülerin nicht anders zu helfen gewusst, sagte die junge Mutter. In Berlin wurde die Angeklagte vom Jugendamt betreut. Aus Angst und Scham habe sie trotz Überforderung nicht um Hilfe gebeten.

Der Prozess wird am 6. Januar 2010 fortgesetzt.