Flugfeld Tempelhof

Berliner Architekten entwerfen Elektrozentrum

Im Mai entscheidet sich, ob Berlin Deutschlands Zentrum für Elektromobilität wird und Förderungen des Bundes in Millionenhöhe erhält. Der Entwurf für ein "nationales Schaufenster" auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof steht bereits.

Tausende Berliner informieren sich am Rande des alten Flughafengeländes über die neuesten Elektrofahrzeuge und die Energiewende mit ihren neuen Techniken. Sie drehen Proberunden mit dem E-Bike auf dem früheren Rollfeld. Mieten sich ein Elektroauto für das Wochenende. Hersteller zeigen ihre neueste Batterietechnik. Vor dem Gebäude hängen E-Mobile an den Stromzapfsäulen.

Noch warten sie in Tempelhof darauf, diese Vision umsetzen zu können. Sie warten auf das Signal der Bundesregierung, dass Berlin als Schaufenster die Fortschritte der deutschen Industrie und der deutschen Forscher für die elektromobile Zukunft gewählt wird. Im Mai soll es so weit sein. Die nationale Plattform Elektromobilität trifft ihre Entscheidung, wohin die Fördermillionen des Bundes für den Umstieg in ein neues Zeitalter des Verkehrs fließen werden.

Bis dahin sind die Entwickler des Flughafengeländes zur Zurückhaltung gezwungen. Dabei haben die Mitarbeiter der vom Land beauftragten Tempelhof Projekt GmbH unter ihrem von Adlershof gewechselten Chef Gerhard Steindorf schon ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie so ein nationales Schaufenster für Elektrofahrzeuge aussehen soll.

Das wegen seiner avantgardistischen Entwürfe bekannte Berliner Architekturbüro Graft hat eine erste Designstudie für eine „Erlebniswelt Elektromobilität e-THF“ gezeichnet. THF steht als Reminiszenz an den Code des früheren Flughafens.

Der Entwurf zeigt ein transparentes Gebäude mit einem geschwungenen Dach. Ein Mobilbau soll es sein, der komplett abgebaut werden kann, wenn das Grundstück an der südöstlichen Ecke des Flughafengeländes anderweitig genutzt werden soll. 1600 Quadratmeter groß soll der Pavillon sein, mit Werkstätten, Showlabors, Fahrzeugverleih und Ausstellungsflächen. Der ADAC könnte dort ein Fahrsicherheitszentrum für Elektrofahrzeuge betreiben. Mit integrierter Fotovoltaikanlage im Dach soll das Graft-Objekt auch ein Beispiel für 100 Prozent kohlendioxidfreies Bauen sein.

Partner gesucht

Das Vorhaben würde einen einstelligen Millionenbetrag kosten. „Wir brauchen für dieses Projekt Partner aus der Industrie“, sagt Roland Püttmann-Holgado, Leiter Strategie & Akquisition der Tempelhof-Gesellschaft. Die Agentur für Elektromobilität des Berliner Senats würde als Staatsfirma die öffentliche Seite einer Partnerschaft stellen. Private Unternehmen müssten dazustoßen. Nur wenn viele mögliche Hersteller von Wagen und Komponenten mitmachen, könne man dem Publikum einen breiten Eindruck vermitteln, wie Elektromobilität 2020 aussehen könne.

Wenn man nur einen Partner habe, entstehe womöglich ein falscher Eindruck. „Das soll auf jeden Fall mehr werden als ein einfaches Autohaus für Elektromobile“, sagt der Planer. Man führe aussichtsreiche Gespräche, sagt Püttman-Holgado. Aber kein Hersteller werde aus der Deckung kommen und sich zu einem Engagement in Berlin bekennen, solange nicht klar sei, welchen Standort die Bundesregierung als nationales Schaufenster adelt.

Dass die Bundesregierung an der Hauptstadt nicht vorbeikommt, wenn es darum geht, sich als internationaler Vorreiter für Elektromobilität zu präsentieren, davon gehen eigentlich alle aus. In Berlin wäre es dann das Tempelhofer Gelände, das hohe Aufmerksamkeit garantiert. Das ist wichtig. Schließlich will man ja auch die Massen für die neue Art der Fortbewegung begeistern und einen Markt schaffen.

Die Berliner sollen durch den kühnen Neubau angelockt werden. Schließlich strömen heute schon Zigtausende zu den Messen und Veranstaltungen im benachbarten Terminalgebäude. 56.000 Autos fahren täglich vor der Tür am Tempelhofer Damm vorbei. 150.000 Autofahrer und mindestens ebenso viele S-Bahnnutzer werden den Neubau von der Stadtautobahn und der Ringbahn aus sehen können. Und bis zu 2,5 Millionen Menschen besuchen ohnehin pro Jahr den Tempelhofer Park.

Ein Argument, mit dem die Tempelhof-Planer Unternehmen für ein Engagement im temporär angelegten „E-THF“-Projekt zu gewinnen suchen, ist der Verweis auf dauerhafte Entfaltungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe. 30 Hektar Baufläche stehen ab 2014 am südlichen Rand des Tempelhofer Feldes für Unternehmen zur Verfügung, genug Platz also, um Labors oder Musterproduktionen aufzubauen.

Zeitplan muss geklärt werden

Auf Dauer soll das E-Mobility-Zentrum jedoch der neuen Zentral- und Landesbibliothek und dem sie umgebenden neuen Stadtviertel für Akademien, Sprachschulen und Weiterbildungsinstitute weichen. Denn langfristig muss die Tempelhof-Projekt GmbH die Kosten für die Entwicklung des Geländes selbst durch den Verkauf von Grundstücken erwirtschaften. Tempelhof-Chef Gerhard Steindorf schätzt das mögliche Volumen seiner Erlöse auf 130 Millionen Euro in den kommenden Jahren. Eine entsprechende Kosten- und Erlösprognose hat er dem Senat zugeleitet. Noch allerdings muss die Politik einige Fragen klären. Es geht zum Beispiel darum, wie schnell bestimmte Grundstücke baureif und damit vermarktbar sind. Dauert das länger als geplant, müsste die Gesellschaft die frühen Investitionen, wie etwa in die Brücke als Zufahrt zum Gelände von Süden her, lange vorstrecken müssen.

Zu klären ist außerdem, wie viele Quadratmeter Steindorf und seine Verkäufer tatsächlich zu Geld machen dürfen. Denn an der Ostseite des Geländes haben sie ihre künftigen Baufelder auf 20 Hektar Fläche eingezeichnet, die der siegreiche Entwurf des holländischen Landschaftsarchitekten Eelco Hooftmann für den Park vorsieht. Da müsse man jetzt diskutieren, heißt es von der Tempelhof GmbH. Immerhin sind Steindorf und seine Leute froh, dass nun endlich der lange streng geheim gehaltene Wettbewerb für den Landschaftspark abgeschlossen ist. Sie haben lange darauf gewartet, mit den konkreten Planungen für die Freifläche beginnen zu können.

Jetzt muss noch im Mai die Entscheidung zum E-Mobilitäts-Schaufenster folgen. Dann könnten sie noch in diesem Jahr eine konkrete Bewerbung für Berlin als Teil des nationalen Schaufensters einreichen und im nächsten Jahr mit dem Bau des futuristischen Graft-Gebäudes als deutsches Zentrum der Elektromobilität beginnen.