Qualitätskontrolle

Wie es wirklich um Berlins Nahverkehr steht

Um das Image des Berliner Nahverkehrs ist es nicht sonderlich gut bestellt. Nach dem Winterchaos der S-Bahn, zahlreichen Baustellen und Ausfällen bei Bus und Bahn gibt jetzt eine Studie des Senats über die tatsächliche Qualität des Verkehrsverbundes Auskunft.

Foto: Steffen Pletl

S-Bahn-Desaster, Bus-Krise, Baustellen-Chaos, Verspätungen und Ausfälle. Negativmeldungen haben in den vergangenen Jahren das Image des ansonsten hochgelobten Berliner Nahverkehrs beschädigt. Doch wie gravierend sind die Qualitätsmängel wirklich? Seit Jahren veröffentlich der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) schon die Eckdaten für den S-Bahn- und Regionalverkehr. Wie es um die Qualität im übrigen Nahverkehr bestellt ist, können Fahrgäste jetzt ebenfalls im Internet nachlesen.

Unter dem Motto „Mehr Transparenz im ÖPNV“ veröffentlicht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung künftig im Internet ( www.stadtentwicklung.berlin.de ) regelmäßig Daten zur Qualität bei U-Bahn, Straßenbahn, Bus und Fähre. „Da die BVG ein Landesunternehmen ist und aus Landesmitteln finanziert wird, sollen die Berlinerinnen und Berliner erfahren, wofür das Land sein Geld ausgibt“, sagte Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Donnerstag zur Einführung des Angebots. „Es ist das Ziel des Senats, den ÖPNV noch attraktiver und noch leistungsfähiger zu machen.“

Ein Schritt dazu ist der neue Fahrplan der BVG. Als bundesweit erstes Verkehrsunternehmen führen die Verkehrsbetriebe am 1.Mai auch am Sonntag einen Fünf-Minuten-Takt bei der U-Bahn ein. Auf den sieben nachfragestärksten Linien fahren die Züge von 12.30 bis 19 Uhr doppelt so häufig wie bislang. Zwölf Mitarbeiter hat die BVG dafür eigens eingestellt. Der neue Takt gilt bei der U1, U6 und U7 auf der gesamten Linie, bei der U2 zwischen Pankow und Theodor-Heuss-Platz, bei der U5 zwischen Alexanderplatz und Kaulsdorf-Nord sowie bei der U8 zwischen Hermannstraße und Osloer Straße.

Auf der U9 beginnt der bereits bestehende Fünf-Minuten-Takt vom 1. Mai an ebenfalls um 12.30 Uhr. Mehr Geld vom Senat gibt es für den dichteren U-Bahn-Takt nicht. Finanziert wird dieser durch Einsparungen auf mehr als 40 Bus-Linien, wo das Angebot am Sonntagmorgen ausgedünnt wird. Die BVG sieht im Freizeitverkehr große Potenziale. 800.000 Fahrgäste sind sonntags in den gelben Zügen unterwegs, wochentags sind es zwei Millionen. Auch über eine Ausweitung des Wochenendangebots bei der Straßenbahn – speziell auf den Linien M2 und M10 – wird deshalb nachgedacht.