Verbrechensserie

Geldautomaten gesprengt – Geld auf der Straße

Wieder ist in Berlin ein Bankautomat gesprengt worden, dieses Mal in Pankow. Es ist bereits der sechste Fall im April. Doch bei dieser Aktion erbeuteten die Täter erstmals auch Bargeld.

Erneut ist Dienstagnacht ein Geldautomat in die Luft geflogen. Allein seit Anfang April hatten unbekannte Täter zuvor in fünf Banken versucht, mit brachialer Gewalt Automaten zu knacken, ohne jedoch ein einziges Mal an Bargeld zu gelangen. Dabei entstanden zumeist durch die Gasexplosionen erhebliche Sachschäden. Wie durch ein Wunder wurde bisher niemand verletzt.

In der Nacht zu Dienstag kam es jetzt in Pankow zu einer heftigen Explosion, bei der die Kriminellen erstmals seit Monaten einen Teilerfolg verbuchen konnten. Zumindest einen Teil der im Automaten befindlichen Banknoten einer Sparkasse in Französisch-Buchholz konnten die Täter erbeuten. Insgesamt 14 Kriminalbeamte aus Berlin und Brandenburg zählt eine Ermittlungsgruppe, die mit Hochdruck daran arbeitet, die Serie zu stoppen und die Täter zu fassen.

Gewaltige Explosion

Um 3.22 Uhr schrecken Anwohner der Hauptstraße aus dem Schlaf, als eine Detonation den Vorraum der Bank zerstört. Die Explosion ist so gewaltig, dass die Eingangstür aus der Verankerung herausgerissen und Teile der Außenfassade zerstört werden. Eine Anwohnerin alarmiert telefonisch die Polizei. Der SB-Bereich der Sparkasse ist völlig verwüstet, die Deckenverkleidung zum Teil herabgestürzt, der hintere von zwei Geldautomaten auf der rechten Seite zerstört. Nach Morgenpost-Informationen eilen kurz nach dem großen Knall mehrere Männer mit Taschen und Gasflaschen zu einem schwarzen Auto, das mit hoher Geschwindigkeit davonfährt. Als am Morgen Kriminaltechniker den längst abgesperrten Tatort auf Spuren untersuchen, liegen noch vereinzelt 20-Euro Scheine vor der Bank und am Straßenrand herum, die die Täter auf der Flucht offenbar verloren haben.

"Wir gehen nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass auf keinen Fall der gesamte Geldbestand des Automaten erbeutet wurde“, so Toralf Reinhart, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg. Die Behörde stellt den Leiter einer Gemeinsamen Ermittlungsgruppe (GEG) mit Berliner Kollegen, die von Potsdam-Babelsberg aus operiert und alle vergleichbaren Taten in beiden Ländern bearbeitet. „Derzeit wird in 18 Fällen ermittelt, die seit August 2009 verübt wurden. Wir gehen auf Grund bestimmter Vorgehensweisen von zwei bis drei Banden aus, die für diese Straftaten in Frage kommen“, so Reinhart. Der Behördensprecher sieht die Ermittler nicht nur wegen der „ungewöhnlichen Häufung“ seit Monatsbeginn unter besonderem Druck. Hinzu komme, dass gerade bei in Wohnhäusern liegenden Bankfilialen eine hohe Gefährdung unbeteiligter Dritter gegeben sei.

Die jüngste Serie begann in der Nacht zum 4. April, als morgens um 2.22 Uhr in der Straße Am Kiesteich in Spandau ein Bankautomat erfolglos attackiert wurde. Nur eine Nacht später schlugen die Kriminellen am Ludolfinger Platz in Frohnau zu. Ein Geldautomat der Volksbank wurde um 2.40 Uhr durch eine Explosion schwer beschädigt, die Schaufenster zerbarsten, Beute wurde nicht gemacht. Zeugen sahen zwei Personen zum Karmeliterweg fliehen.

In der Nacht zum 8. April war eine Bank an der Kreuznacher Straße in Steglitz Ziel der Täter, die erneut leer ausgingen. Die Gasexplosion verwüstet den Vorraum und mehrere Fenster, der Bankautomat hält dem Angriff jedoch Stand. Nach einer Woche der Ruhe weckt am 14. April die nächste Explosion in einer Postbankfiliale am Halleschen Ufer in Kreuzberg die Nachbarschaft. Erneut müssen die Kriminellen ohne Beute aus dem verwüsteten Vorraum fliehen.

Allerdings ist das kein Zufall, sondern Ergebnis neuer Sicherheitsstandards: In den Automaten der jüngsten Generation ist kein Bargeld vorhanden, es wird erst beim Geldabheben aus einem separaten Raum in den Automaten transportiert und dort freigegeben. Keine Explosion sondern ein Feuer brach am Montag vergangener Woche bei einem Raubversuch in Marienfelde aus. In diesem Fall hatten Unbekannte an der Königstraße ein Holzstück im Geldausgabeschacht angezündet. Ein dilettantischer Versuch, der den Automaten stark beschädigte, aber keine Aussicht auf Erfolg hatte.

Die jüngste aus Tätersicht halbwegs erfolgreiche Automatensprengung in Berlin gelang den Kriminellen in der Nacht zum 7. Februar bei der Postbank Otto-Suhr-Allee in Charlottenburg. Die Täter verloren jedoch einen Großteil der Beute. In der gleichen Bank hatte es bereits am 17. Januar eine Explosion gegeben.

Toralf Reinhart vom LKA Brandenburg bestätigt, dass die Explosionsmasche ein bundesweites Phänomen ist. Die GEG Berlin-Brandenburg besteht bereits seit März 2005. Eine Täterbande, die in mehreren norddeutschen Bundesländern – darunter auch Brandenburg – aktiv war, konnte 2009 ermittelt werden. Die aus Osteuropa stammenden Täter wurden zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.