BerlinTrend

Minarettstreit spaltet auch Berlin

Eine Mehrheit der Berliner lehnt ein Minarettverbot wie in der Schweiz ab - aber nur eine knappe Mehrheit. Das ergab eine neue Umfrage des BerlinTrends. Nach Wohnort, Alter und Wahlverhalten lassen sich die Befürworter und Gegner eines Minarettverbotes recht klar aufteilen. Fast jeder Berliner interessiert sich für das Thema.

Groß war die Empörung unter Berlins Politikern, als die Schweizer vor gut zwei Wochen in einer Volksabstimmung in einer überraschenden Mehrheit gegen den Bau von Minaretten in ihrem Land votierten. Aber die neue Umfrage des Berlin Trends zeigt, dass diese Position auch in Berlin nicht sehr weit entfernt von einer Mehrheit ist und in bestimmten Milieus der Stadt durchaus der Haltung der meisten Bürger entspricht.

53 Prozent der Berliner insgesamt sind dagegen, Muslimen generell zu untersagen, ihre Gotteshäuser mit Turmbauten zu schmücken. 40 Prozent teilen hingegen die Meinung der Mehrheit der Schweizer und wären für ein Verbot. Wie im Nachbarland ist die Ablehnung solcher Bauten der Muslime dort am größten, wo wenige Menschen muslimischen Glaubens leben. Waren das in der Schweiz die ländlichen Kantone, sind es in Berlin die östlichen Bezirke. Hier sind mit 47 Prozent fast so viele Wähler für ein Verbot wie dagegen (48 Prozent). Im Westen, wo Kontakte zu Anhängern des islamischen Glaubens viel normaler sind, spricht sich nur jeder Dritte für ein Verbot aus, 57 Prozent sind dagegen.

Infratest dimap befragte für den BerlinTrend zwischen dem 4. und 7. Dezember 1000 wahlberechtigte Berliner. Die Umfrage ist repräsentativ für alle Wahlberechtigten.

Es sind die Alten, die dem Islam und seiner Präsenz im Stadtbild besonders kritisch gegenüber stehen. Bei den über 60-Jährigen ist eine Mehrheit von 47 zu 45 Prozent generell gegen Minarette. In der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen sind 52 Prozent gegen ein Verbot, 42 Prozent dafür. In allen jüngeren Altersgruppen sind zwei Drittel der Meinung, dass es falsch wäre, Muslimen den Bau von Minaretten zu verbieten.

Die Umfrage belegt aber auch, dass es die ohnehin von der Politik enttäuschten Nichtwähler und die Anhänger der sonstigen Parteien sind, die keine öffentliche Sichtbarkeit muslimischer Gotteshäuser wünschen. Zwei Drittel der Befragten, die zu diesen Gruppen gehören, plädieren für ein Minarett-Bauverbot.

Im Lager der großen Parteien zeigen die Anhänger der CDU und der FDP ein besonders gespaltenes Meinungsbild. Die Wähler der CDU sprechen sich nur mit hauchdünner Mehrheit von einem Punkt (45 zu 44 Prozent) dagegen aus, Türme an Moscheen unmöglich zu machen. Auch im Lager der Liberalen fällt der Vorsprung der Verbotsgegner mit drei Punkten (51 zu 48 Prozent) nur gering aus.

Deutlich toleranter gegenüber einem sichtbaren Islam in Berlin zeigen sich die Anhänger der Grünen und der SPD. Zwei Drittel sind hier gegen ein Verbot. Aber auch diese Parteien müssen konstatieren, dass ein Viertel ihrer Wähler Minarette lieber verbieten würde, wenn sie denn wie in der Schweiz per Volksabstimmung die Möglichkeit dazu hätten. Unter den Wählern der Linken ist der Anteil der Verbots-Befürworter mit 35 Prozent sogar noch deutlich größer.

Wie stark das Thema die Gemüter auch der Berlinert erregt, zeigt die spontane Antwort auf eine andere Frage der Interviewer. Nur ein Prozent der Befragten sagten spontan, das Thema Minarette interessiere sie nicht.

In Berlin leben derzeit etwa 210.000 Muslime. Sie beten in 80 Moscheen, von denen die meisten in umfunktionierten Gewerberäumen untergebracht sind. Es gibt fünf sogenannte repräsentative Moscheebauten, die von Minaretten geschmückt sind. Das größte muslimische Gotteshaus ist die Sehitlik Moschee am Columbiadamm in Neukölln. Im Ostteil der Stadt gibt es nur eine Moschee in Heinersdorf.