Winterchaos

Senat schimpft - "Die S-Bahn schafft es nicht"

Die Berliner S-Bahn hat den Winter nicht im Griff. Jeder vierte Zug fällt aus. Schuld an dem aktuellen Chaos ist wohl aber nicht allein die S-Bahn, sondern auch eine andere Bahn-Tochter.

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Das Winterchaos bei der Berliner S-Bahn droht zum Dauerzustand zu werden. Geschäftsführer Peter Buchner wollte am Montag nicht ausschließen, dass es ab Mittwoch erneut zu Ausfällen kommen könnte, falls es wieder schneien sollte. Dabei kämpft das Unternehmen schon jetzt mit massiven Fahrplankürzungen. Rund ein Viertel der Zugflotte ist ausgefallen. Buchner entschuldigte sich bei den Fahrgästen. Dennoch gab es erneut scharfe Kritik am Management der S-Bahn und dem Mutterkonzern Deutsche Bahn.

Zum Wochenbeginn waren statt der eingeplanten 416 Doppelwagen nur 311 einsatzfähig. Deshalb fuhr die Ringbahn nur alle zehn Minuten, zwischen Charlottenburg und Potsdam sowie zwischen Wartenberg und Warschauer Straße galt sogar nur ein 20-Minuten-Takt. Auf nahezu allen Linien wurden die Züge verkürzt. Verschärft wurde die Situation noch durch eine Signalstörung. Fahrgäste beklagten zudem die mangelhafte Information auf vielen Bahnhöfen. Und bereits für Mittwoch rechnen die Meteorologen mit neuen Schneefällen und Minustemperaturen.

Der S-Bahn-Chef reagierte zerknirscht auf das neuerliche Chaos. „Ich möchte mich entschuldigen für die Situation, die entstanden ist“, sagte er. „Wir haben uns wirklich gut auf den Winter vorbereitet gefühlt. Dass wir so einbrechen, habe ich mir nicht vorstellen können.“ Buchner gab zu: „Wir mussten feststellen, dass unser System so labil ist, dass es bei externen Schocks kollabiert.“ Er hoffe, dass in der kommenden Woche wieder ein halbwegs normaler Fahrplan gelte.

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sprach unterdessen von einem „unhaltbaren und nicht zu entschuldigenden Zustand“. In scharfen Worten kritisierte sie das Unternehmen: „Die S-Bahn schafft es nicht, sie kann es nicht.“

Ursache für das Chaos waren vor allem eingefrorene und zugeschneite Weichen. Dafür trifft die S-Bahn allerdings in diesem Winter offenbar nicht die alleinige Schuld. In der Kritik steht mit DB Netz auch eine andere Bahntochter, die für die Strecke zuständig ist. 69 Weichen waren allein am Donnerstag gestört, 29 Weichen streikten am Freitag – trotz Heizungen. Die Folge: Zahlreiche Züge konnten nicht zu ihren turnusmäßigen Wartungsarbeiten in die Werkstätten fahren. Jetzt muss der entstandene Wartungsstau Stück für Stück abgebaut werden. Täglich sollen nun 20 zusätzliche Viertelzüge für Entlastung sorgen.

Auf die Frage, ob sein Unternehmen von DB Netz im Stich gelassen worden sei, blieb Buchner eine Antwort schuldig. Allerdings sei die „Häufung der Störungen schon heftig“ gewesen, sagte er.

Ein Bahn-Sprecher betonte, die Weichenheizungen hätten weitgehend funktioniert, auch seien 118 Räumkräfte im Einsatz gewesen. Die Anlagen seien aber durch den starken Wind immer wieder mit Schnee zugeweht worden. „Keine Weichenheizung wird mit solchen Schneemengen fertig“, sagte der Sprecher.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb sieht deshalb die Bahn in der Pflicht. Sprecher Jens Wieseke sagte: „Es liegt ein Versagen des DB-Konzerns vor.“ Vor allem fehlten Aufsichtskräfte an den S-Bahnhöfen. „Früher schippte die Aufsicht noch die nächstgelegene Weiche frei.“ Das sei heute gar nicht mehr möglich, weil es sich bei dem Personal, selbst wenn es vorhanden sei, nicht mehr um entsprechend ausgebildete Eisenbahner handele, so Wieseke weiter.