Hauptstadtzoo

Diepgen soll den Berliner Tierpark retten

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen will Spenden für die Berliner Zoos sammeln. Die Anlage in Friedrichsfelde braucht dringend Geld.

Foto: picture-alliance / picture-alliance/Eventpress Herrmann

Die neue Stiftung für Zoo und Tierpark soll noch in diesem Dezember gegründet werden. Die Vorbereitungen sind fast abgeschlossen. Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) wird den Vorsitz übernehmen. Er kennt die große Herausforderung: „Wir brauchen besondere Maßnahmen, um die Attraktivität des Tierparks zu erhöhen.“ Dafür braucht man das Geld der neuen Stiftung „Freunde der Hauptstadtzoos“.

Sie wird als gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet, damit die Spenden beim Finanzamt absetzbar sind. Wie es in einer Werbebroschüre heißt, wird die Institution „die Arbeit der Hauptstadtzoos – Tierpark Berlin, Zoo Berlin und Zoo-Aquarium – dauerhaft und nachhaltig fördern.“ Die finanzielle Unterstützung der zoologischen Einrichtungen erfolgt durch Spenden und Erbschaften. Sie sind der Grundstock der Stiftung. Das vom Spender eingebrachte Vermögen wird unbegrenzt auf Dauer verwahrt. „Es werden ausschließlich die Zinsen für die Arbeit der Stiftung eingesetzt“, heißt es weiter. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen könne mit einer Zuwendung an die Stiftung in privater Initiative ein Zeichen für die Zukunft von Zoo und Tierpark gesetzt werden – auch über den Tod hinaus, wirbt die Stiftungsbroschüre. Schon jetzt gibt es viele Spenden und Erbschaften – insbesondere für den Zoo. Doch diese Mittel werden für aktuelle Projekte genutzt. Die Stiftung will eine jahrelange Unterstützung sicherstellen. Deswegen unterstützen die Verantwortlichen von Zoo und Tierpark das Vorhaben.

Tierpark mit Problemen

Aktuelle finanzielle Probleme hat der Tierpark, trotz jährlicher Zuschüsse von mehr als sieben Millionen Euro. Denn während den Zoo im Jahr mehr als drei Millionen Menschen besuchen, kommen zu der Anlage in Friedrichsfelde im Bezirk Lichtenberg lediglich eine knappe Million Besucher. Das hat Folgen für die Finanzen. Der Tierpark wird laut Wirtschaftsplan in diesem Jahr ein Minus von 1,6 Millionen Euro machen. Im nächsten Jahr wird das Jahresdefizit bei 1,5 Millionen Euro liegen. Noch reichen die Rücklagen. Doch die werden bald aufgezehrt sein. Aus rechtlichen Gründen müsste dann der Zuschuss des Senats erhöht werden. Der Tierpark kann nicht pleitegehen. Allerdings könnte der Senat ein Sparkonzept verlangen, das die Entwicklungsmöglichkeiten einschränkt.

Gabriele Thöne, Geschäftsführerin der Tierpark Friedrichsfelde GmbH, setzt dagegen auf höhere Einnahmen. Sie will im kommenden Jahr Eckpunkte für ein Konzept vorlegen, wie mehr Besucher nach Lichtenberg gelockt werden können. „Für den Tierpark muss es Attraktionen auch im zoologischen Bereich geben“, sagte Diepgen. Er verwies darauf, wie der Zoo das Eisbärenbaby Knut vermarktet hat. „Knut war das Ergebnis von Glück, Zufall und Professionalität“, sagte der ehemalige Regierende Bürgermeister. Man dürfe aber keine falsche Konkurrenz zwischen Zoo und Tierpark aufbauen. Auch hier soll ein neues Konzept mit einer anderen Ausrichtung des Tierparks helfen.

Diepgen schlug auch vor, auf lange Sicht die Rechtskonstruktion beider Institutionen zu verändern. Denn der wirtschaftlich gut dastehende Zoo kann aufgrund seiner Konstruktion als Aktiengesellschaft (AG) den Tierpark, der als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) fungiert, nicht direkt finanziell unterstützen. Bisher gibt es eine enge Verzahnung beim Personal und der Verwaltung der Einrichtungen. „Dieser Prozess muss vorangetrieben werden“, sagte Diepgen, der sich wie alle Mitglieder des Stiftungsrats ehrenamtlich für die Stiftung einsetzen wird.

Prominente Unterstützer

Neben Diepgen wird sich auch der Chef der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM), Jörg Woltmann, für die Stiftung engagieren. Der ehemalige Regierende Bürgermeister begründete sein Engagement mit dem Satz: „Mein Herz hängt am Zoo wie am Tierpark.“ Damit steht er nicht allein. Als Senatschef hatte Diepgen häufig die Tierliebe der Berliner kennenlernen dürfen. Deswegen hofft er, dass die neue Stiftung von den Menschen durch Spenden rege unterstützt wird. Die Stiftung versteht sich auch ausdrücklich nicht als Konkurrenz zum Zoo, für den bisher schon viel gespendet wird. Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz unterstützt das Stiftungsvorhaben und wird selbst im Aufsichtsrat einen Posten haben. „Wenn ich den Eindruck gehabt hätte, dass der Zoo-Chef die Stiftung mit Misstrauen sehen würde, hätte ich den Job nicht übernommen“, sagte Diepgen.

Der Zoo Berlin und der Tierpark haben es sich als „Hauptstadtzoo“ an verschiedenen Standorten zur Aufgabe gemacht, Tierzucht, Tier- und Artenschutz sowie Forschung und Bildung zur Erhaltung der Artenvielfalt zu betreiben und zu fördern. Der Zoo in der City West ist die älteste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Gegründet wurde er 1844. Heute leben dort 14000 Tiere in 1400 Arten. Damit ist er eigenen Angaben zufolge der artenreichste Zoo der Welt. Der Tierpark wurde 1955 im Park des Schlosses Friedrichsfelde angelegt. Er war zu DDR-Zeiten das Ost-Pendant zum West-Zoo. Aber während der Zoo einen urbanen Charakter hat und eine gewisse Enge aufweist, ist der Tierpark viel weitläufiger. Die Gehege der 8000 Tiere sind auf 160 Hektar verteilt. Damit ist der Tierpark der größte Landschaftszoo Europas. Seit dem Mauerfall arbeiten Zoo und Tierpark eng zusammen. Es gibt eine gemeinsame Verwaltung. Gabriele Thöne, die auch kaufmännischer Vorstand ist, stellte erst kürzlich erste Ideen für ein neues Konzept vor. Danach soll der Tierpark vor allem als Naherholungsziel für Familien aufgebaut werden. „Es wäre doch auch schön, wenn die Freunde des Zoos aus Charlottenburg mal nach Friedrichsfelde fahren“, sagte Diepgen.