Wannsee

Berlins ältester Bademeister mit den Argusaugen

Hoch oben auf seinem weißen Turm beobachtet Axel Ott seine Badegäste. Das Gesicht sonnengegerbt, das Fernglas fest im Griff. Zum Anbaden am Wannsee tritt der älteste Schwimmmeister Berlins den ersten Arbeitstag der Saison an.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER / Jörg Krauthöfer

Während die Besucher den ersten Freibadtag genießen, hat der Schwimmmeister Axel Ott seinen ersten Arbeitstag in dieser Saison. Der 60-Jährige sieht nicht unzufrieden darüber aus. Keine Wolke am Himmel, genug Wind, damit die Segelboote über das blaue Wasser schippern können. „Ich fühle mich hier immer ein bisschen wie an der Ostsee“, sagt Ott, der sich selbst als Ältester seiner Profession in Berlin sieht. 1970 heuerte er im Wannseebad an, inzwischen ist dieses Umfeld sein Leben. „Ich bin hier der Supermann“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Er sei gefragt als Psychologe, Müllmann, Richter oder Rettungsschwimmer – je nachdem, was so passiert. Doch der erste Badetag scheint ruhig zu verlaufen. Ott findet, dass es ruhig ein paar mehr Gäste sein könnten, damit Stimmung aufkommt.

Am Karfreitag hat das Wannseebad als eines der ersten Freibäder in Berlin eröffnet. Die blau-weißen Bezüge der Strandkörbe leuchten in der Sonne, es riecht nach Pommes und Kaffee. Immerhin sind es schon in der ersten Stunde einige Hundert Berliner, die gekommen sind. Einige haben dicke Kühlboxen mitgebracht und ihr erstes Sonnenquartier mit Handtüchern und Schirmen abgesteckt. Trotz der noch etwas kühlen 13 Grad sind auch ein paar Schwimmer ins Wasser gesprungen – Sauna-Freikarten boten einen gewissen Anreiz.

Zu den Anbadern gehörte Klaus Sheih. Seine Mutter hatte den Charlottenburger in den 60ern das erste Mal mit in das beliebte Strandbad genommen, zu einer Zeit also, als Uschi Glas oder Didi Hallervorden sich hier in der Sonne räkelten. Mitte der 70er-Jahre verdiente er sich im Wannseebad ein paar Mark. Mit dem Verkauf von Gurken. „Zwei große Eimer habe ich den ganzen Tag über rauf und runter geschleppt“, sagte er. Ein einträgliches Geschäft, wurden doch bis zu 30000 Besucher am Tag gezählt. Spaß habe dieser Job gemacht, hätten doch damals dort die schönsten Mädchen aus West-Berlin ihre neue Bademode vorgeführt.