Arzt niedergestochen

Messerstecher soll Tat angekündigt haben

Ein 49-Jähriger Patient hat am Donnerstag in Kreuzberg seinen Arzt mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Die Tat geschah vor den Augen zahlreicher Kinder. Anwohner berichteten jetzt, dass der Täter sein Vorhaben angekündigt haben soll.

Gegen zwölf Uhr war der 49-Jährige in ein Ärztezentrum an der Bergmannstraße gestürmt. Dort hat der Unfallchirurg und Orthopäde seine Praxis, im Hinterhaus befindet sich zudem eine Ballettschule, in der eine seiner beiden kleinen Töchter unterrichtet wird. Als der Arzt das Mädchen dort abholen wollte, griff der 49-Jährige den Mediziner an. Zuerst schlug er ihn und soll nach Informationen von Morgenpost Online gerufen haben, von ihm süchtig gemacht worden zu sein. Anschließend zückte er ein Messer und stach auf den Arzt ein. Er erlitt einen Stich am Hals, sechs weitere am Oberkörper.

Eine zufällig anwesende Krankenschwester leistete dem stark blutenden Mann Erste Hilfe, Zeugen alarmierten die Polizei. Wenig später trafen Einsatzkräfte des Abschnitts 52 ein und konnten den Angreifer noch am Tatort überwältigen und festnehmen. Widerstand soll er nicht geleistet haben. Auch die Tatwaffe wurde sichergestellt. Es soll sich nach Informationen dieser Zeitung um ein sogenanntes Cutter- oder Paketmesser handeln. Es hat nach Angaben eines Kriminalbeamten vor Ort eine besonders gefährliche Klinge. „Sie ist extrem scharf und zudem keilförmig. Das Opfer kann von Glück reden, den Angriff überlebt zu haben.“

Notoperation im Krankenhaus

Laut Polizei befindet sich in dem Ärztehaus auch eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychologie. „Zwei der Mitarbeiter kamen den geschockten Kindern sofort zu Hilfe und betreuten sie“, so der Polizist. „In dem Tanzkurz haben sich zum Zeitpunkt des Verbrechens etwa 20 Mädchen befunden, glücklicherweise wurden nicht alle Zeugen der Messerattacke.“ Diejenigen allerdings, die den Angriff mit ansehen mussten, erlitten zum Teil einen schweren Schock.

Während erste Einheiten der Kriminalpolizei den Tatort absperrten, Spuren sicherten und auch Zeugen in dem Gebäude und auf der Straße befragten, kämpften die Ärzte eines nahe gelegenen Krankenhauses im Operationssaal um das Leben des Schwerverletzten. Nach Informationen dieser Zeitung hätte er die Nacht ohne die Notoperation nicht überstanden. Er schwebt nicht mehr in Lebensgefahr, sein Zustand ist aber nach wie vor kritisch.

„Wir können wirklich von Glück reden, dass der Täter in seinem Wutanfall nicht auch noch auf die Kinder losgegangen ist, um den Arzt doppelt dadurch treffen zu wollen, auch seinem Kind etwas angetan zu haben“, so ein Beamter. Dennoch könne zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt nicht abgesehen werden, welche seelischen Schäden die Kinder durch den Anblick des brutalen Angriffs genommen haben könnten. Eine längere begleitende Betreuung sei sicher notwendig.

Noch am Abend des Donnerstag übernahm die 1. Mordkommission des Landeskriminalamtes die Ermittlungen, denn nach wie vor sind die Hintergründe der Tat unklar. Nach Aussagen von Zeugen soll der Festgenommene wiederholt gebrüllt haben, falsch behandelt und deswegen medikamentenabhängig geworden zu sein. Einem Ermittler zufolge gebe es dafür keinen Anhaltspunkt. Alles sehe bisher nach einer Tat ohne erkennbaren Grund aus. Aber offenbar hatte der 49-Jährige seinen Angriff seit geraumer Zeit geplant – und auch angekündigt. Anwohner berichteten Morgenpost Online, dass der mutmaßliche Täter vor wenigen Tagen bereits im Bereich des späteren Tatorts unterwegs gewesen und angekündigt haben soll, den Arzt angreifen und töten zu wollen. Offenbar wurde diese Drohung nicht ernst genommen.

Mann nicht geistig verwirrt

Der 49-Jährige soll ersten Erkenntnissen nach nicht geistig verwirrt sein, allerdings befindet er sich im Methadon-Programm, einer Medikamention für ehemalige Heroinabhängige. Der Polizei ist er wegen verschiedener Drogendelikte bekannt, allerdings nicht wegen Gewaltverbrechen. Nach ersten Vernehmungen bei den Beamten der Mordkommission wurde der Mann am Freitag einem Haftrichter vorgeführt – wegen versuchten Totschlags. Bis Redaktionsschluss stand nicht fest, ob der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft für einen Haftbefehl entsprochen hat.

Das Opfer selber konnte wegen der Schwere der Verletzungen und des kritischen Gesundheitszustandes noch nicht vernommen werden. Von seinen Ausführungen erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse zu der Tat. Die Ermittlungen dauern an. Dabei soll auch geklärt werden, welche Art Behandlung der 49-Jährige von dem Mediziner verschrieben bekommen hat.