Karfreitagsprozession

Hunderte Berliner folgen dem Kreuz

Am Karfreitag haben 700 Christen mit einer Prozession an das Leiden Christi erinnert. Schweigend zogen sie vom Berliner Dom zu sechs Erinnerungsorten - allen voran ein großes grünes Kreuz.

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Etwa 700 Menschen haben am Freitag an einer ökumenischen Prozession teilgenommen, zu der der Evangelische Kirchenkreis Berlin Stadtmitte eingeladen hatte. Schweigend und in sich gekehrt zogen die Gläubigen durch die Straßen und erinnerten an das Leiden Christi, aber auch an Krieg und Zerstörung. Vom Berliner Dom aus führte der Zug zu sechs Erinnerungsorten, darunter zur St.-Nikolai-Kirche und zur St.-Hedwigs-Kathedrale. Mit dabei war auch Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Er erinnerte nicht nur an die Kreuzigung Jesu vor den Toren Jerusalems, sondern auch an die Leiden in aller Welt in Vergangenheit und Gegenwart. „Wir folgen den Spuren der Verzweiflung und Gewalt“, sagte der Landesbischof. „Lasst uns schweigend Christus folgen auf seinem Weg zum Kreuz.“

An der Spitze des Zuges trugen Gemeindemitglieder ein großes grünes Kreuz. Grün war im Mittelalter die Farbe der Liebe und der Hoffnung. Während der Prozession schwiegen die Teilnehmer – als Zeichen der Solidarität mit dem Leiden Christi. Einige fassten sich an den Händen. Sanft angeschlagene Klanghölzer sollten dem vorgefallenen Schrecken Ausdruck geben. An der Prozession nahmen nicht nur Berliner, sondern auch viele Touristen teil. Einige Passanten schlossen sich dem Zug spontan an. „Ich bin hier, um gemeinsam mit anderen an die Probleme unserer Welt zu denken“, sagte etwa Ursula Glatzel aus Schöneweide nach der Prozession. Zudem wolle die 79-Jährige mit ihrer Teilnahme an der Prozession den Versuch ausdrücken, als guter Mensch zu leben. Das Ehepaar Antina (37) und Jochen (35) Ziegelmann aus Prenzlauer Berg nahm ebenfalls an der Karfreitagsprozession teil. „In diesem Schweigezug schauen wir in uns selbst hinein“, sagten sie.