Call a Bike

Bahn verkleinert Fahrradverleih in Berlin deutlich

Die Bahn verpasst ihrem Fahrradverleih Call a Bike ein neues System - und verkleinert das Angebot in Berlin erheblich. Vorher konnten Räder innerhalb des S-Bahn-Rings ausgeliehen werden, nun nur noch in zweieinhalb Ortsteilen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Berlin fährt Rad: Laut Senatsverwaltung legen Berlinerinnen und Berliner durchschnittlich vier von zehn Wegen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Zumal bei gutem Wetter - auch Ostern soll es in Berlin schön werden - und mit Unterstützung der Fahrradverleihe der Stadt. Dazu gehörte bislang auch Call a Bike, ein Unternehmen der deutschen Bahn. Doch derzeit kann man in Berlin bei Call a Bike kein Fahrrad ausleihen. Denn das Leihsystem wird umgebaut, das Angebot deutlich verkleinert. Der Neustart ist für den Mai geplant.

Bisher sah das Konzept so aus: Zunächst mussten Ausflügler erst einmal online, an einem Terminal oder über eine Telefonhotline ein Kundenkonto bei der Deutschen Bahn eröffnen. Anschließend konnte von jedem Punkt der Stadt aus ein Fahrrad gemietet werden. Vor Ort forderten die registrierten Nutzer einfach per Telefon einen Code für das Fahrradschloss an, der das Rad freischaltete und bei Bedarf auch wieder verschloss. Der Clue: Das Fahrrad konnte an jedem beliebigen Ort in Berlin zurückgegeben werden. Das funktionierte auch mit einem speziellen (App) für das iPhone.

Nun sollen Kunden ihr Rad jedoch nicht mehr an jeder beliebigen Kreuzung innerhalb des S-Bahn-Rings stehen lassen können, sondern müssen sich ab dem 20. Mai – und nicht wie bisher angekündigt Ende April – eine der vorerst 50 Stationen im Stadtgebiet suchen. Wobei diese Stationen zunächst nur im Bezirk Mitte zu finden sind. Weitere 30 Stationen sollen im Sommer in Prenzlauer Berg und Kreuzberg eröffnet werden. Insgesamt können Nutzer auf 1650 Räder zugreifen – mit einigen Nachteilen. Unter anderem werden Leihräder künftig nur noch in einem recht überschaubaren Gebiet angeboten.

Das bisherige Ausleihgebiet von Call a Bike in Berlin

Das künftige Ausleihgebiet von Call a Bike in Berlin

Der Vorteil des bisherigen Systems: Ausflügler konnten spontan fast immer in der Nähe ihres jeweiligen Standorts ein Rad ausleihen und nach der Fahrradtour dort abstellen, wo diese gerade endete. Mit der Umstellung verliert der Fahrradverleih einen Anreiz, nämlich die Flexibilität. Nun müssen Nutzer von vorneherein erst einmal zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln zu den Ausleihstationen gelangen. Das System wird so weniger attraktiv für Berliner, die bislang mit den Bahn-Leihrädern kürze Wege innerhalb Berlins gefahren sind. Mit der bisherigen iPhone-App können Fährräder künftig nur noch geortet werden; der Nutzer erfährt, wie viele Fahrräder an einer station vorhanden sind. Die direkte Ausleihe per iPhone, wie sie bislang funktionierte, gibt es dann nicht mehr.

Außerdem könnten feste Stationen je nach Tageszeit und Nutzungsgrad entweder leer oder überfüllt sein – von derartigen Erfahrungen berichten Nutzer aus Hamburg, wo das neue System bereits im Sommer 2010 eingeführt wurde. Die Deutsche Bahn argumentiert dagegen. Der Vorteil der festen Stationen sei, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn, dass die Kunden einen verlässlichen Ort hätten, an dem immer ein Fahrrad steht, wenn es gebraucht werde.

Deutsche Bahn sieht Vorteile für Nutzer

Außerdem fielen die Öffnungs- und Quittungscodes weg und Räder seien auch ohne Telefon direkt über ein Terminal zu mieten. Auch zeigten die Nutzerzahlen in Hamburg, seit der Einführung des Stationensystems werde Call a Bike besser angenommen. Doch gerade für ortsfremde Touristen ist die Nutzerfreundlichkeit gesunken – wer sich im Stadtgebiet nicht auskennt, braucht mitunter eine kleine Ewigkeit um die nächste Bikestation zu finden. Die Standorte jedoch sind mittlerweile auf der Internetseite der Deutschen Bahn einsehbar.

Im Internet wird allerdings schon über konkrete Stellplätze diskutiert. Auf Facebook hat sich eine Anzahl von Radfahrern formiert, die das alte System für Berlin zurückfordern. "Wir sind gegen die alleinige Umrüstung auf feste Entleih- und Rückgabe-Stationen und für die Beibehaltungen des bewährten, viel flexibleren System", heißt es auf der Seite der Facebook-Gruppe "Wir wollen ‚Call a Bike’ zurück" . Dort ist auch eine Karte zu finden, in der 70 Standorte der Leihstationen eingetragen sind. 27 Stationen seien bereits fertiggestellt, die restlichen befinden sich noch im Bau.

Protest im Netz - "Rettet Call a Bike"

Die Gründer der Facebook-Gruppe kritisieren vor allem die Funktionalität des neuen Leihsystems. Ein solches sei nur dann sinnvoll, wenn eine ausreichend große Zahl von Stationen das Stadtgebiet tatsächlich abdecken würde. Im Gegensatz zu anderen Fahrradleihsystemen in Europa ist die Berliner Stationsdichte nur gering. Das Pariser Verleihsystem Vélib’ startet 2007 mit 750 Stationen und baute sein Netz in den folgenden Jahren auf 1200 aus.

Im Vergleich ist die Zahl der geplanten Stationen in nur drei Berliner Bezirken gering - zumal: Lediglich die Ortsteile Mitte, Kreuzberg und - teilweise - Prenzlauer Berg werden in der ersten und zweiten Ausbaustufe Fahrradstationen mit dem neuen System erhalten. Das ist vor allem eine ökonomische Entscheidung: Wie es bei der Bahn heißt, sind in diesen Ortsteilen in den vergangenen Jahren am ehesten Fahrräder ausgeliehen worden. Die Standortwahl lässt sich auch so interpretieren, dass man als künftige Kunden des Ausleihsystems weniger die Berliner als Touristen im Auge hat.