Bahnsanierung

Meterhohe Schutzwand soll Nikolassee zertrennen

Rund um den Berliner S-Bahnhof Nikolassee sind die Gleise marode. Nun will die Bahn sanieren und die Anwohner vor Lärm schützen – mit einer rund sechs Meter hohen Wand. Doch die Zehlendorfer wollen das Bollwerk gar nicht haben. Sie fürchten um das denkmalgeschützte Ortsbild.

Foto: Marion Hunger / Hunger

Die Deutsche Bahn plant im Zehlendorfer Ortsteil Nikolassee umfangreiche Sanierungsarbeiten an Gleisen und Brücken. Dabei sollen das marode Kreuzungsbauwerk von S1 und S7 erneuert und Kurven begradigt werden. Diese Änderung des Schienenweges, die eine Erhöhung der Gleise um bis zu 60 Zentimeter zur Folge hat, wird den Geräuschpegel der Züge ansteigen lassen. Die Bahn hat daher vor, auf einer Länge von 500 Meter vom S-Bahnhof Nikolassee parallel zur Alemannenstraße eine sechs Meter hohe Schallschutzwand zu bauen.

Dagegen regt sich vehementer Widerstand vor Ort. Etwa 300 Anwohner haben wegen „ernster städtebaulicher Bedenken“ einen Protestbrief gegen die geplante Lärmschutzwand unterschrieben. „Mit dieser hohen Wand wird das denkmalgeschützte Ortsbild von Nikolassee irreparabel beschädigt“, sagt Initiator Frank-Patrick Steckel. Sichtachsen würden zerstört, Wohn- und Lebensqualitäten gemindert. Die Anwohner fordern die Bahn auf, Alternativen zur Eindämmung des Lärms zu prüfen, so zum Beispiel eine neu entwickelte Minilärmschutzwand von nur einem Meter Höhe.

Unterstützt wird diese Idee von der CDU-Fraktion in Steglitz-Zehlendorf. Sie fordert das Bezirksamt in einem Antrag auf, sich mit allen Mitteln gegen die sechs Meter hohe Mauer einzusetzen. Anzustreben sei eine Synthese von Umweltverträglichkeit und wirksamer Lärmdämmung, um das einzigartige Ensemble um den S-Bahnhof Nikolassee zu erhalten, heißt es darin. SPD und FDP haben sich dem Antrag angeschlossen. Die Fraktion der Grünen wägt noch zwischen Optik und Lärmschutz ab, tendiert aber auch zur Optik.

Uwe Stäglin (SPD), Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf, bestreitet generell die Notwendigkeit einer solch hohen Lärmschutzwand. Die Frage sei, ob die Brückenkonstruktionen und die Trasse nicht erhalten bleiben könnten, so Stäglin. Seiner Ansicht nach sollte der Eingriff ins Ortsbild so gering wie möglich sein. Daher halte er die Minilärmschutzwand für eine gute Variante, die geprüft werden müsse.

Die öffentliche Auslegung der Pläne für die Gleis- und Brückenarbeiten ist bereits beendet. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat die Einwände der Anwohner entgegengenommen und wird sie nun an die Deutschen Bahn mit der Bitte um Stellungnahme weiterleiten. Strittige Positionen, wie in diesem Fall, können in einem anschließenden Erörterungstermin diskutiert werden.