Berliner Handy-Game

Mister X gelingt am Gendarmenmarkt die Flucht

Es ist ein Handy-Spiel - und es ist körperlich anstrengend: Die Deutsche Telekom hat gemeinsam mit der Uni Bonn den Spiele-Klassiker "Scotland Yard" ins richtige Leben geholt. Mit Berlin als reales Spielbrett haben Nutzer von Morgenpost Online ihren Mister X durch die Stadt gejagt. Wie das Spiel ablief, können Sie hier auf unserer interaktiven Karte sehen.

Sie konnten es kaum erwarten. Schon während das Spiel vorgestellt und erklärt wurde, hörte man es ständig piepsen, kreischen und klingeln. "Ups, sorry, wollte nur mal eben ein paar Tools ausprobieren", hieß es dann mit einem breiten Grinsen.

Das Handy-Spiel "Jagd nach Mister X" kommt erst noch auf den Markt – doch eine Gruppe Nutzern von Morgenpost Online hat es am Sonnabend bereits gespielt. Und so geht es:

Jeder Spieler hat ein Mobiltelefon, das mit GPS-Ortung und Internetverbindung ausgerüstet ist. Die Telefone werden während des Spiels ständig von Satelliten geortet; so kann Mister X sehen, wo sich seine Verfolger befinden - wenn die sich bewegen, bewegen sich auch die Spielfiguren auf der Landkarte auf dem Display.

Die Detektive dagegen haben es etwas schwerer, Mister X ist nur alle zwei Minuten sehen. Dazwischen müssen sie antizipieren, wo der Gejagte hinlaufen könnte. Wer sich geschickt anstellt, kann während der Jagd noch virtuelle Ausrüstung und Powerups einsammeln - Nebelkerzen, zum Beispiel, die den eigenen Standort verbergen.

Am Sonnabend ging es am Gendarmenmarkt los: 30 Minuten. 5 Spieler, jeder mit einer farbigen Kappe auf, damit sich die Spieler in der Menschenmasse des Adventstrubels auch von Weitem erkennen konnten. Unsere Protagonisten: Der rote Detektiv war Andreas Steinhoff, 29 Jahre alt, Hobby-Geocacher. Oliver Wobick (Finanzbuchhalter, 30, aus Mahlow) hatte die blaue Kappe auf. Die 34-jährige Nadine Böttger (grün) ist Erzieherin in Reinickendorf. Und der Neuköllner Ulf Tiedemann (Student, 21), der als der weiße Detektiv unterwegs war.

Gejagt haben sie gemeinsam einen Mann: Julian Radermacher, 21-jähriger Charlottenburger und Informatikstudent an der TU – unser Mister X. "Ich bin dann mal weg", sagt er beim Start, den wir auf die Ecke Marktgrafenstraße/Mohrenstraße gelegt hatten, und sprintete los. Im Laufen rief er noch "Und viel Glück" seinen Verfolgern zu.

Davon hätten sie tatsächlich wohl mehr gebrauchen können. Denn Julian war ein gerissener Mister X – und wahnsinnig schnell. Die Jäger sahen Julian noch in die Jerusalemer Straße abbiegen. Aber das war auch das letzte Mal, wie sich später herausstellen sollte. "Als er dann endlich auf unserem Display erschien, war Julian schon am Spreekanal", sagte Ulf nach dem Spiel. "Wir haben vier Jäger haben uns direkt aufgeteilt. Einer hinterher, einer nach Norden und zwei, die sich den Süden teilten."

Vom Spreekanal rannte Mister X in Richtung Schlossplatz. Dann wieder nach Westen, immer weiter, die Verfolger im Genick. "Ich dachte, ich könnte ihn am Bebelplatz abfangen", sagte Andreas, "aber dann war sein nächster Standpunkt plötzlich in der Friedrichstraße."

So erging es auch Ulf, der am Checkpoint Charlie die Vermutung hatte, Mister X ganz in der Nähe zu haben. Darum brachte er eins der Hilfsmittel des Handygames ins Spiel: Den Kreischer, der das Handy des Gesuchten einen entsetzlich tönenden Laut von sich geben lässt, damit fällt man auf jeden Fall in der Menschenmasse auf. "Aber ich habe nichts gehört, und beim nächsten Blick auf die Karte war Julian schon einen Block weiter. Da bin ich hinterher."

Julian war um die Ecke in die Besselstraße verschwunden und dann lief auch schon die Zeit ab: Nach genau 30 Minuten hatte er das Spiel für sich entschieden – niemand hatte in fassen können. Oliver nahm es mit Humor: "Wir hätten unserem Mister X die Blei an die Füße packen sollen. Wer sportlich ist, ist echt im Vorteil." Gefordert hat das Spiel Julian, der in seiner Freizeit immer viel Sport getrieben hat, aber dennoch: "Ich bin fertig, ich muss jetzt erstmal duschen gehen."

Am meisten Pech bei der Verfolgung hatte der grüne Detektiv, Nadine. Sie war stets am weitesten Weg von Mister X. Ein paar Mal falsch geraten und schon wurde sie angehängt. Es sei aber nicht schlimm gewesen: "Ich bin ja auch die ganze Zeit auf der Jagd gewesen, war also auch unter Strom. Und es war total spannend zu sehen, wie die anderen dem Julian immer näher kamen. Ein Riesenspaß, dieses Spiel." Wie das Spiel nun ablief, können Sie hier auf unserer interaktiven Karte sehen. Auf der interaktiven GPS-Karte können Sie sehen, wer zum Schluss wo war. Klicken Sie da oberste Spiel in der Liste an, dann öffnet sich eine Karte. Mister X ist die schwarze Spielfigur, die anderen Farben stehen für die Detektive.

Die Telekom plant, das Spiel als iPhone-Application zum Jahresende in den Store zu bringen. Ein Kaufpreis ist noch nicht festgelegt. Auch für die Android-Plattform ist eine Version geplant.

Wenn Sie das Programm "Google Earth" ( Download hier ) installiert haben, können Sie auch auf diesen Link oder unten unterhalb des ersten Spiele-Eintrags auf den Link "KML in Google Earth öffnen" klicken. Google Earthn zeigt Ihnen dann genau, wie sich Detektive und Mister X durch die Stadt bewegt haben - und wie nah die Detektive teilweise an Mister X herangekommen sind.

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