Schießerei in Berlin-Friedrichshain

Angriff auf Polizisten war Raubversuch

Der 19-Jährige, der am Wochenende in Berlin-Friedrichshain von einem Polizisten angeschossenwurde, hatte den Zivilbeamten ausrauben wollen. Das sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch im Innenausschuss. Die insgesamt fünf mutmaßlichen Täter hätten nicht gewusst, dass sie einen Polizisten überfielen. Der Angriff war so brutal, dass der Beamte "sich nicht mehr anders zu helfen wusste", so Glietsch.

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Am Forckenbeckplatz an der Eldenaer Sraße in Friedrichshain haben in der Nacht zu Sonntag mehrere Jugendliche einen Zivilbeamten überfallen. Einer der Täter ist durch einen Schuss am Bein verletzt worden. Vier Personen wurden festgenommen.

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Der Auseinandersetzung zwischen einem Polizisten und mehreren Jugendlichen am Wochenende in Friedrichshain ist offenbar ein versuchter Raubüberfall vorausgegangen. Bei dem Vorfall hatte ein Zivilpolizist einem 19-Jährigen ins Bein geschossen. Die Ermittlungen deuteten eindeutig darauf hin, dass es sich um einen versuchten Raubüberfall gehandelt habe, sagte Polizeipräsident Dieter Glietsch vor dem parlamentarischen Innenausschuss. Gegen zwei 18 und 19-jährige Angreifer wird jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, gegen einen von ihnen zusätzlich wegen versuchten Raubes. Die Staatsanwaltschaft habe es allerdings abgelehnt, die mutmaßlichen Täter einem Haftrichter vorzuführen, sagte Glietsch.

Für die fünf mutmaßlichen Täter sei vor der Auseinandersetzung nicht ersichtlich gewesen, wen sie überfielen, allerdings habe sich der Beamte umgehend als Polizist zu erkennen geben. Nach derzeitigem Kenntnisstand wurde der 33-jährige Beamte, der in der Tatnacht im Rahmen eines Einsatzes allein in der Parkanlage am Forckenbeckplatz unterwegs war, unvermutet von zwei Männern aus der fünfköpfigen Gruppe angegriffen, die sofort massiv auf ihn einschlugen und traten. Da die Täter weder auf die Rufe des 33-Jährigen, er sei Polizist, noch auf einen abgegebenen Warnschuss reagierten, schoss der Polizeihauptmeister schließlich dem 19-jährigen Yassin G. gezielt in den Oberschenkel. Erst danach ließen die Angreifer von ihrem Opfer ab, schlugen ihm allerdings noch die Waffe aus der Hand, bevor sie flüchteten.

Der Zwischenfall zog einen Großeinsatz der Polizei nach sich. Noch im näheren Umfeld wurden vier der mutmaßlichen Täter festgenommen, den fünften holte die Polizei später aus seiner Wohnung. Bei dem Polizisten handelt es sich nach Behördenangaben vom Wochenende um ein Mitglied der sogenannten Brandstreife, die wegen häufiger Brandstiftungen an Autos in der Stadt unterwegs ist.

Gegen den Polizisten ermittelt routinemäßig die Mordkommission. Dies erfolgt immer dann, wenn von der Dienstwaffe Gebrauch gemacht wird. Im Rahmen dieses Verfahrens entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob eine Notwehrsituation für den Schützen vorlag. Bei der Polizei geht man allerdings davon aus, dass der Beamte tatsächlich in Notwehr gehandelt hat. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) verteidigte den Schusswaffeneinsatz des Beamten. Wer Polizisten angreife, der müsse auch damit rechnen, dass die Beamten von der Schusswaffe Gebrauch machten, sagte DPolG-Landeschef Bodo Pfalzgraf Radiosender 104.6 RTL. Der Kollege habe gar keine andere Wahl gehabt.

Die Innenminister hatte erst Anfang Dezember bei ihrer Herbsttagung in Bremen ein verstärktes Vorgehen bei Gewalt gegen die Polizei beschlossen. Die Bundesregierung solle sobald wie möglich einen Gesetzentwurf vorlegen, um der wachsenden Zahl von Übergriffen zu begegnen, teilten die Minister mit. Geklärt werden müsse außerdem, ob Ausbildung und Ausrüstung der Polizisten überhaupt noch angemessen seien. "Wir wollen ein klares Signal gegen diese Gewalt", sagte Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU).