Nahverkehr

Bahn erhöht Abgaben für Berliner S-Bahn

Hohe Verluste plagen die krisengebeutelte Berliner S-Bahn. Kein Wunder: Sowohl Gewinne als auch weitere Abgaben der Tochter gehen an den Mutterkonzern DB. So stiegen allein die Bahnhofsgebühren seit 2003 um 22 Prozent.

Foto: Sergej Glanze

Die S-Bahn hat in den vergangenen Jahren nicht nur steigende Gewinne an den Mutterkonzern Deutsche Bahn abgeführt. Gleichzeitig musste sie auch immer höhere Abgaben an andere Konzernteile bezahlen. So ist nach Angaben der Verkehrsstaatssekretärin Maria Krautzberger etwa der sogenannte Trassenpreis von 4,14 Euro pro Zugkilometer im Jahr 2003 auf 4,54 Euro in diesem Jahr gestiegen.

Der Trassenpreis ist das Entgelt, das die Berliner S-Bahn an die Bahn-Tochter DB Netze für das Befahren des 332 Kilometer langen Gleisnetzes durch ihre Züge zahlen muss. Die Gebührensteigerung um rund zehn Prozent belastet das krisengeschüttelte Nahverkehrsunternehmen mit erheblichen Ausgabensteigerungen. Die S-Bahn legt nach eigenen Angaben pro Jahr 28,1 Millionen Zugkilometer zurück.

Gleichzeitig stieg die Abgabe, die die S-Bahn für die Nutzung ihrer 166 Bahnhöfe in Berlin und Bandenburg an eine andere Bahn-Tochter zahlt – und zwar von geschätzten 50 Millionen Euro im Jahr 2003 auf rund 61 Millionen Euro in diesem Jahr, wie Krautzberger auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling antwortete. Ein Gebührensprung von 22 Prozent innerhalb von acht Jahren. Der Senat kritisiert, dass die Preiserhöhungen ohne Nachweis der tatsächlichen Kostenentwicklung erfolgen. Die Steigerung der Trassenpreise um durchschnittlich 3,9 Prozent in den letzten Jahren liege deutlich über der Inflationsrate. „Offensichtlich nutzt die DB AG ihre Monopolstellung als Infrastrukturbetreiber aus“, so die Staatssekretärin.

Kritiker bemängeln schon seit Langem, dass die Deutsche Bahn Trassenpreise und Stationsentgelte vor allem nutzt, um zusätzliche Erträge zu erzielen. So ist die lange defizitäre Netzsparte inzwischen einer der größten Gewinnbringer innerhalb des Bahn-Konzerns. Der Bahn kommt dabei entgegen, dass sie die Gebühren weitgehend frei festlegen kann. Die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, die den S-Bahn-Betrieb jährlich mit mehr als 250 Millionen Euro bezuschussen, stehen dem machtlos gegenüber. Denn ihr Vertragspartner ist einzig die S-Bahn Berlin GmbH, nicht jedoch die anderen Bahn-Töchter. Da diese sich zudem prinzipiell untereinander bei Mängeln nicht belasten, muss die S-Bahn selbst dann Strafgeld für nicht erbrachte Fahrleistungen allein aufbringen, wenn etwa gestörte Weichen oder Signalanlagen Ursache für Zugausfälle oder Verspätungen waren. Laut dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg haben allein im Dezember 2010 Störungen an Signalen und Weichen bei 1200 betroffenen Zugfahrten für insgesamt 10.500 Minuten Verspätung gesorgt.

Wegen zahlreicher technischer Probleme, Wartungsmängeln und Managementfehlern kann die S-Bahn seit fast zwei Jahren keinen regulären Zugbetrieb mehr anbieten. Aktuell erbringt sie nur etwa 75 Prozent der von den Ländern bestellten Leistungen. Fuhr die S-Bahn 2008 noch 56 Millionen Euro Gewinn ein, machte sie zuletzt einen Jahresverlust von 93 Millionen Euro. Der Fehlbetrag wird allerdings auch vom Bahn-Konzern ausgeglichen.