Affäre

Ex-Treberhilfe-Chef Ehlert fährt jetzt Jaguar

Mit einem Maserati als Dienstwagen hatte Harald Ehlert die Treberhilfe-Affäre ausgelöst. Dafür entschuldigte er sich jetzt. Privat fährt der studierte Pädagoge ebenso luxuriös.

Foto: Amin Akhtar

Der ehemalige Geschäftsführer der Berliner Treberhilfe, Harald Ehlert, hat sich für die Nutzung eines Luxusautos als Dienstwagen entschuldigt. „Der Maserati war eine völlig überflüssige Provokation“, sagte der 48-Jährige am Freitag in Berlin. Er war wegen seines hohen Gehalts, der Dienstwagenaffäre und teurer Anschaffungen durch die gemeinnützigen GmbH in die Schlagzeilen geraten. Die Treberhilfe kümmert sich in der Stadt vor allem um Obdachlose.

Vor einer Woche war deshalb im Bundesrat auf Initiative des Landes Berlin die sogenannte Lex Maserati angenommen worden. Die Regelungen soll künftig eine bessere staatliche Kontrolle für steuerfinanzierte Träger im Sozialbereich ermöglichen.

Der Maserati sei schlussendlich „keine gute Idee“ gewesen, räumte Ehlert ein. Für die daraus erwachsene Affäre trage er die Verantwortung. Sein erster Dienstwagen sei ab 2005 ein Auto der Marke Lexus gewesen. Vorher habe er alle dienstlichen Fahrten per Taxi absolviert. Die Nutzung des Maserati – mit Fahrer – sei allerdings bekannt gewesen. Auch habe ihn das Finanzamt als Dienstwagen anerkannt. Das Auto steht in Brandenburg erneut zum Verkauf. Es ist weiter im Eigentum der Treberhilfe. Privat fahre er Jaguar, sagte Ehlert.

Zugleich verteidigte der ehemalige Geschäftsführer den Erwerb einer Villa für Fortbildungszwecke in Caputh am Schwielowsee (Landkreis Potsdam-Mittelmark) und die Dienstwagenflotte der Treberhilfe. „Ich kenne viele Sozialunternehmen, die eine deutlich größere Flotte haben als die Treberhilfe.“ Dass es sich bei den „14 bis 15 Autos für 220 Beschäftigte“ um Wagen der Oberklasse handelt, sei nur angemessen. Sozialarbeiter müssten nicht selbstlos sein. Darüber hinaus könnten sie mit solchen Wagen die Arbeit „schneller“ erledigen, so Ehlert.

Als angemessen bezeichnete Ehlert auch Kauf, Ausstattung und Nutzung der Villa in Caputh. Dort wohnt er zur Miete. An diesen öffentlich debattierten Beispielen wie am Beispiel seines Jahresgehalts, das zwischen 300.000 und 350.000 Euro liegen soll, werde deutlich, „dass die Funktion der Sozialwirtschaft in den vergangenen 15 Jahren überhaupt nicht diskutiert wurde“, sagte der Gründer der Treberhilfe. Dann würden die Bürger auch erfahren, dass alles legal gewesen sei. „Die Treberhilfe hat alle Spielregeln eingehalten. Alle Mittel wurden ordnungsgemäß eingesetzt. Überschüsse sind gemäß dem Gemeinnützigkeitsgesetz immer reinvestiert worden.“

Er sei nicht dafür, dass Problematiken wie Zuschüsse aus Steuergeldern und deren Verwendung ethisch diskutiert würden. Der Schlüssel liegt Ehlert zufolge in der geänderten Verantwortung im Sozialbereich: Nicht mehr der Staat, sondern Wirtschaftsunternehmen seien dort tätig. „Da werden pro Jahr in Deutschland 160 Milliarden Euro bewegt.“ Wie Sozialfirmen mit den Geldern umgingen, sei eine grundsätzliche Frage. „Ich finde es richtig, dass das erörtert wird, aber nicht immer nur am Beispiel Harald Ehlert“, sagte der Sozialpädagoge. „Wir haben uns genommen, was uns zustand.“ Dazu zählten auch Investitionen für ein Bootshaus. „Da haben wir die Substanz unseres Vermögens entwickelt.“ Anhäufung von Vermögen im Sozialbereich sei gesetzlich zulässig.

Scharfe Kritik richtete er an die Adresse von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke). Diese spreche zwar von fehlendem Vertrauen, begründe dies aber nicht. Bluhm hatte angekündigt, der Treberhilfe im Jahr 2011 keine Mittel mehr für Obdachlosenhilfe zur Verfügung zu stellen. Die dafür gedachten 700.000 Euro sollen anderweitig vergeben werden.