Sozial-Skandal

Treberhilfe Berlin besitzt den Maserati immer noch

Der ehemalige Chef der Berliner Treberhilfe, Harald Ehlert, hat sich für seinen pompösen Dienstwagen öffentlich entschuldigt - nicht aber für seine luxuriöse Villa.

Foto: dpa

Der ehemalige Geschäftsführer der Treberhilfe Berlin, Harald Ehlert, hat sich für den Maserati als Dienstwagen entschuldigt. „Das war eine zu starke und völlig überflüssige Provokation“, sagte Ehlert am Freitag. Die Villa in Caputh und sein Gehalt verteidigte er allerdings. Zudem kam auf der am Freitag einberufenen Pressekonferenz heraus, dass der Maserati entgegen anders lautenden Meldungen bisher nicht verkauft ist und immer noch der Treberhilfe gehört.

Der angebotene Preis habe nicht dem Wert des Wagens entsprochen, sagte Ehlert. Jetzt soll der italienische Sportwagen, der in einem Potsdamer Autohaus steht, bis Ende des Jahres verkauft werden. Der heutige Gesellschafter, dem also die Treberhilfe zur Hälfte gehört, war durch die Maserati-Affäre heftig in die Kritik geraten. Gegen ihn gibt es aufgrund einer Anzeige von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke) ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft. Bluhm kündigte zudem an, das Geld für die Straßensozialarbeit mit obdachlosen Jugendlichen nicht mehr der Treberhilfe, sondern anderen freien Trägern geben zu wollen. Zudem läuft eine Überprüfung der Verwendung öffentlicher Mittel durch die Senatssozialverwaltung.

Ehlert bekannte sich am Freitag aber erneut zu seinen Entscheidungen. Er verteidigte auch den Fuhrpark der Treberhilfe, in dem sich mehrere BMW befinden. Der X5 beispielsweise biete mit sieben Sitzen so viel Platz wie ein VW-Bus. „Nur er ist schöner“, sagte Ehlert. Die BMW seien nicht teurer gewesen als andere Marken. Das habe eine Preisabfrage ergeben. Privat fährt der bekennende Autofan einen Jaguar – „das ist kein Geheimnis“.

Er stellte auch klar: „Wir sind keine Spendenorganisation. Wir leisten Dienstleistungen gegen Entgelt.“ Etwa 13 Millionen Euro Umsatz wird die Treberhilfe, die sich mit insgesamt 220 Mitarbeitern um Obdachlose in Berlin kümmert, in diesem Jahr machen. Aufgrund der Rendite und der Entwicklung des Unternehmens sei sein Gehalt in den vergangenen Jahren auch gerechtfertigt, sagte Ehlert, ohne allerdings „wegen der laufenden Verfahren“ einen konkreten Betrag zu nennen. Bisher hatte es geheißen, dass er zuletzt ein Jahresgehalt von etwa 300.000 Euro bekommen habe. Ehlert sagte am Freitag, dass sein Durchschnittsgehalt in den letzten 22 Jahren bei der Treberhilfe bei 50.000 Euro gelegen haben.

Neues Gutachten vorgelegt

Es gibt Informationen, dass es aber gerade in den letzten Jahren deutliche Steigerungen gegeben haben soll. Zur Frage der Bewertung der Höhe präsentierte Ehlert am Freitag ein Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Dort findet sich der Satz: „Auf der Basis der uns zur Verfügung gestellten Unterlagen und Auskünfte sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die Geschäftsvergütungen angemessen waren und keine Auswirkungen auf den Gemeinnützigkeitsstatus der Treberhilfe ergeben.“ Das Finanzamt überprüft zurzeit die Gemeinnützigkeit der Treberhilfe.

Ehlert verteidigte auch die Villa der Treberhilfe am See in Caputh. Dort befinde sich eine Weiterbildungseinrichtung für die Mitarbeiter, die dort allein im vergangenen Jahr in mehr als 2900 Fällen geschult worden seien. „Menschen, die den ganzen Tag nicht über den roten Teppich gehen, denen darf man auch mal ein nach Wohlstand riechendes Haus anbieten“, sagte Ehlert. Er habe dort in einer 90-Quadratmeter-Wohnung nur einen Zweitwohnsitz, für den er jetzt die ortsübliche Miete von zehn Euro zahle. In den vergangenen Jahren war die Wohnung der Treberhilfe für ihren Chef aber offenbar günstiger. Ehlert sprach davon, dass es mehrere Mieterhöhungen gegeben habe. Auf die Frage, ob ein neues Bootshaus auf dem Grundstück auch zum Angebot der Fortbildungsstätte gehöre, sagte der ehemalige Geschäftsführer, dass damit die Substanz des Vermögens weiterentwickelt worden sei. Er wehrte sich aber dagegen, dass es sich bei der Villa um eine Luxus-Liegenschaft handelt. Gleichzeitig verteidigte er sein Geschäftsmodell samt lukrativer Entlohnung.

„Von einem Verwaltungsdirektor einer Klinik erwartet man ja auch nicht, dass er Golf fährt.“ Es sei Zeit umzudenken. Es sei eine üble Unterstellung, er verdiene sein Geld mit der Armut. „Man unterstellt Lehrern ja auch nicht, dass sie ihr Geld mit der Dummheit anderer verdienen“, sagte Ehlert und ergänzte, „Wir verdienen unser Geld mit dem Beenden der Armut.“

Beendet wird möglicherweise der Geschäftsführervertrag mit dem bisherigen Treberhilfen-Chef Frank Biskup. Sein Vertrag läuft zum Jahresende aus. Ob er verlängert wird, ließ Ehlert offen. Biskup ist schon der vierte Geschäftsführer, den die Treberhilfe seit der Dienstwagenaffäre und Ehlerts Rücktritt von diesem Posten eingestellt hat. Biskup weilt zurzeit im Urlaub. Ob Ehlert seinen alten Posten demnächst wieder einnehmen wird, ließ er am Freitag offen.