Landwehrkanal

Polizei vermutet bei Frauenleiche Gewaltverbrechen

Am Dienstag hat die Polizei in der Nähe des Görlitzer Parks eine Frauenleiche aus dem Landwehrkanal geborgen. Sie war in einem schwarzen Plastiksack gehüllt. Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab. Wer die Frau ist, ist noch nicht geklärt.

Foto: Steffen Pletl

Im Landwehrkanal in der Nähe des Görlitzer Parks in Kreuzberg hat ein Passant einen grausigen Fund gemacht: Am Dienstag entdeckte er die Leiche einer unbekannten Frau – der Körper trieb in Plastik verpackt an der Wasseroberfläche. Die Polizei geht daher von einem Verbrechen aus – eine Mordkommission ermittelt.

Es war etwa 10.15 Uhr am Vormittag, als der Zeuge am Görlitzer Ufer das im Wasser treibende Bündel in einem schwarzen Plastiksack bemerkte. Da dem Zeugen der Fund verdächtig vorkam – das Objekt hatte etwa die Größe eines Menschen – alarmierte er die Polizei. Einsatzkräfte der Feuerwehr rückten zusätzlich an. Sie zogen den schwarzen Sack aus dem Wasser und entdeckten die Frauenleiche.

Drohne sicherte aus der Luft Spuren

Da die Tote in einem Plastiksack gefunden wurde, gehen die Beamten von einem Gewaltverbrechen aus und riefen eine Mordkommission sowie die Spurensicherung zum Fundort am Görlitzer Ufer südlich des Görlitzer Parks. Die Polizei sperrte die Umgebung weiträumig ab. Die Spezialisten der Spurensicherung rückten mit einer Drohne an. Mit dem Minihubschrauber wurden aus etwa 25 Metern Höhe Luftaufnahmen der Umgebung gemacht, um aus der Luft mögliche Spuren besser ausmachen zu können. Die Ermittler der Mordkommission gehen bisher davon aus, dass die tote Frau in der Nähe des Leichenfundortes in den Kanal geworfen wurde.

Im Zuge der Ermittlungen entdeckten die Polizisten auf dem Gehweg der Taborstraße Ecke Görlitzer Ufer einen Einkaufswagen, der das Interesse der Ermittler weckte. Möglicherweise war die Leiche damit zum Landwehrkanal transportiert worden. Daraufhin wurden auch Teile der Taborstraße komplett gesperrt und die Ermittler der Spurensicherung wurden tätig. Selbst Anwohnern war es nicht gestattet, ihre Fahrzeuge zu bewegen, um mögliche Spuren nicht zu zerstören.

Am Nachmittag rückten zusätzlich Hundeführer mit ihren Suchhunden an. Neben der Taborstraße sperrte die Polizei nun auch Teile der angrenzenden Wrangelstraße. Die Polizisten ließen die Hunde an einem Stück Stoff schnüffeln und gingen dann mit den Tieren in mehrere Hausaufgänge in der Straße. Am frühen Abend wurden die Sperrungen wieder aufgehoben. Zu dem Ergebnis der Suche wurden aus ermittlungstaktischen Gründen am Dienstag noch keine Angaben gemacht.

Identität der Toten unklar

Wie der Sprecher des Staatsanwaltschaft Martin Steltner am Nachmittag mitteilte, ist die Identität der Frau noch vollkommen unklar. Auch zur Todesursache oder den Umständen konnten noch keine Angaben gemacht werden. Dies sollte in einer noch am Dienstag angeordneten Obduktion geklärt werden, sagte der Sprecher. Die Leiche wurde abgeholt und zur Gerichtsmedizin gebracht.

Mit einer in einem Plastiksack verschnürten Frauenleiche hatten schon einmal die Ermittlungen einer Mordkommission begonnen. Im August vergangenen Jahres war der Leichnam einer vierfachen Mutter an der Schleuse Charlottenburg in der Spree entdeckt worden . Nach der Identifizierung der 28 Jahre alten Deutsch-Türkin rückte der Ehemann schnell ins Visier der Fahnder. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, hatte der 34-jährige Fahrettin M. bereits Ende Juni in der gemeinsamen Wohnung am Dannenwalder Weg in Wittenau auf seine Frau eingestochen . Ein Gerichtsmediziner entdeckte später 15 Stichverletzungen in Rücken, Brust, Hals und Oberarm. Ein Schnitt durchtrennte die rechte Halsvene und führte noch am Tatort zum Tod durch Verbluten. Danach verschnürte der Mann die Leiche in Plastiktüten, brachte sie zum Spreeufer und warf sie dort ins Wasser.

Bereits eine Woche nach dem Verschwinden der jungen Frau schaltete sich eine Mordkommission ein, weil es ungewöhnlich erschien, dass eine als sehr fürsorglich beschriebene Mutter grundlos ihre vier Kinder im Stich lässt; zumal ihre kleinste Tochter zu dem Zeitpunkt erst acht Monate alt war. Der 34 Jahre alte Ehemann wurde von den Ermittlern befragt, die Wohnung der Eheleute und auch der Wagen durchsucht – alles ohne Ergebnis. Bis die Leiche der jungen Mutter schließlich zwei Monate später in der Spree gefunden wurde.