Unrat

Pankow will Müll-Problem im Mauerpark lösen

Sonntags wird die Grünanlage in Prenzlauer Berg zu einem Festivalplatz: 45.000 Besucher und live Karaoke. Zurück bleiben viele Tonnen Müll. Auch illegale Getränkehändler sind ein Problem.

Foto: Christian Kielmann

Spontanes Volksfest ohne Veranstalter, Open-Air-Event ohne Programm. Ein Sonntag mit rund 45.000 Besuchern ist im Mauerpark zur Regel geworden. Mit vielen Folgen: Fliegende Händler verkaufen unerlaubt Getränke im Park, Polizei und Rettungskräfte müssen sich mühsam den Weg durch die Menge bahnen, Toiletten gibt es nicht. Und im Anschluss an die Wochenenden häufen sich die Müllberge, die Wiese ist übersät mit Papiertüten und Plastikresten. Glasscherben liegen herum. Jetzt haben sich Bezirksverwaltung, Polizei und Bürgerinitiativen an einen Tisch gesetzt. Sie wollen Lösungen für die vielen Probleme im Mauerpark finden.

"Wir denken darüber nach, ein Konzept für die Versorgung und Entsorgung im Park zu entwickeln", sagte der Pankower Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Es gebe die Idee, einem oder mehreren Catering-Firmen eine Lizenz zum Verkauf von Speisen und Getränken zu geben und sie zugleich mit der Abfall-Beseitigung zu beauftragen. Anfang Mai wollen sich Vertreter von Ämtern, Initiativen und der Polizei zu einer Arbeitsgruppe treffen, um über Lösungen zu beraten.

Anwohner ärgern sich vor allem über den Müll. Der 44-jährige Jan Wanschura beobachtet seit zwei Jahren die Situation rund um den Mauerpark. Er wohnt schon seit mehr als acht Jahren in unmittelbarer Nähe des Geländes. "Es ist besonders am Wochenende kritisch", sagte er am Montag. "Ab Donnerstag geht es immer los. Dann kommen die Schulklassen und Touristen und bevölkern den Park. Was bleibt, ist dann der Müll." Er erhole sich allerdings schon lange nicht mehr im Mauerpark: "Ich gehe mittlerweile allerhöchstens noch in das nahegelegene Birkenwäldchen. Im Mauerpark selbst war ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr." Wanschura führt die Situation nicht auf fehlende Entsorgungsmöglichkeiten zurück. Schließlich gebe es "genügend Mülleimer, um den Müll zu entsorgen". Dass die oftmals nicht genutzt würden, liegt seiner Meinung nach vor allem an den vielen Touristen und Kurzzeitbesuchern. "Denen ist es offensichtlich egal, ob der Müll im Mülleimer liegt oder auf dem Rasen. Und wenn man sich dann mal beschwert, heißt es gleich, man sei engstirnig und spießig."

Müllbehälter fallen kaum auf

Erst seit zehn Tagen sind acht große, unterirdische Müllbehälter auf dem Gelände in Betrieb. Man muss eine Klappe öffnen, um die Partyreste zu entsorgen. "Die Besucher müssen sich erst daran gewöhnen", sagte Pankows Bürgermeister Matthias Köhne (SPD). "Wir werden die Behälter besser kenntlich machen." Dies soll durch BSR-Aufkleber geschehen. Größere Eingriffe im Mauerpark befürwortet Köhne aber nicht: "Vieles regelt sich von allein." Vorläufig werde es noch eine Weile weitergehen mit dem Ansturm der Menschen auf den Park. "Aber irgendwann kippt es wieder", sagte der SPD-Politiker.

Die Polizei ist in diesem Frühjahr verstärkt sonntags im Mauerpark präsent, besonders bei den illegalen Getränkehändlern. Auch Anwohner Alexander Puell vom Verein Freunde des Mauerparks beobachtet das. Einige hartnäckige Getränkehändler hätten sich auch nach Aufforderung geweigert, den Park zu verlassen, sagte er. "Die Beamten mussten die Bierkästen wegtragen." Dies sei auf Widerstand einiger Parkbesucher gestoßen. Bei jüngsten Einsätzen, so Alexander Puell, seien die Polizisten in Schutzanzügen gekommen. Stadtrat Kirchner befürchtet, dass auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Auseinandersetzungen verwickelt werden könnten. Deshalb sind seine Ordnungskräfte vorerst nicht an den Massen-Sonntagen im Mauerpark eingesetzt.

"Man darf den Charakter des Mauerparks nicht kaputt machen", sagte Alexander Puell. "Die gute Stimmung unter Tausenden Menschen ist einmalig." Einige Probleme ließen sich einfach lösen. Sprayer sollten die Wand, die zum Stadion gehört, legal besprühen dürfen, schlug Puell vor. "Dann fallen schon etliche Polizeieinsätze weg." Außerdem sollte ein Platz im Park geschaffen werden, an dem Jugendliche im Beisein eines Sozialarbeiters Feuer machen könnten.

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