Mit und ohne Darm

"Curry 36" feiert 30 Jahre Wurst

Eine Berliner Institution, das "Curry 36" in Kreuzberg, feiert ihren 30. Geburtstag. Der Inhaber will mit seiner bekannten Imbissbude nun erstmals expandieren. Modernisiert wurde bereits: Die Fritteusen sind allesamt computergesteuert.

Eine Zeitungsannonce brachte Lutz Michael Stenschke auf den Geschmack. Die Imbissbude am Berliner Mehringdamm 36 stand im Frühjahr 1981 zum Verkauf. Autohändler Stenschke schmiss seinen Job und legte 15.000 Mark auf die Theke. Heute – 30 Jahre später – steht sein Kreuzberger Imbiss "Curry 36" in nahezu jedem Reiseführer, die Currywurst mit oder ohne Darm hat ihn reich gemacht.

In der Räumen über "Curry 36" lässt sich Stenschke in eine schwarze Ledercouch fallen. An der Wand hängen Kunstgemälde, auf den Schreibtischen stehen Flachbildschirme. Es sieht aus wie in einer Kanzlei. „Im Büro muss man sich wohlfühlen“, sagt Stenschke, ein 55-jähriger zurückhaltender Mann mit weißem Hemd, Jeans und Lederschuhen. Der Geruch von Bratwurst und Fritteusenfett ist hier oben weit weg.

Vom Klein- zum Großbetrieb

"Ich hatte nicht vor, den Rest meines Lebens hinter der Theke zu stehen", sagt Stenschke. Zubereitung und Verkauf der Currywurst trat er schon 1988 an seine inzwischen 25 Angestellten ab. Den 2,40 mal 1,50 Meter großen Standgrill hat er unlängst abgegeben. Jetzt dehnt sich sein Geschäft über das gesamte Erdgeschoss des Hauses aus, die Öffnungszeiten wurden deutlich verlängert und das Currywurst-Equipment modernisiert.

"Acht Pfannen für Würste, acht vollautomatische computergesteuerte Fritteusen", listet Stenschke auf. Noch in diesem Jahr sollen zwei weitere Filialen öffnen. T-Shirts, Kugelschreiber und Kappen mit Emblem gibt's im Internet. "Das große Sansibar"-Buch über das erfolgreiche Sylter Restaurant liegt passenderweise vor ihm auf dem wuchtigen Mamortisch.

Wenn Thüringen ein Mekka für Bratwurst-Liebhaber ist, dann ist die deutsche Hauptstadt ein Mekka der Currywurst-Liebhaber. "Curry 36", "Konnopke's Imbiss", "Krasselt's" oder "Bier's Kudamm 195": Die Imbissbuden der Hauptstadt buhlen um ihre Kundschaft. "Früher kamen mehr Stammkunden, heute sind es vor allem Touristen", sagt Stenschke. Zur Konkurrenz hat er keinen Kontakt, Details über Umsatz oder verkaufte Currywürste behält er lieber für sich. Es ist ein hartes Geschäft. Gegen einen missliebigen Konkurrenten, der sich "Curry 66" nennt, zog er kürzlich vor Gericht.

Currywurst für die Prominenz

Unten vor der Imbissbude reiht sich inzwischen eine meterlange Menschenschlange. Männer im Anzug, Schulklassen und rüstige Senioren lehnen sich an Stehtische und essen ihre Currywurst aus der Pappschale. Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), Fußballtrainer Lothar Matthäus, Kabarettist Mario Barth und Die Ärzte waren auch schon hier. Wirklich nachvollziehen kann Stenschke diesen Erfolg nicht. "Es ist ein Phänomen, das man nicht erklären kann", sagt er.

Das Fleisch für die Wurst habe eine hohe Qualität, der Ketchup einen hohen Tomatenanteil. Wahrscheinlich sei aber auch der "gute Draht“ zum Kunden entscheidend. Wer mehr Currysoße wolle, bekomme diese auch. "Jeder soll glücklich sein", sagt Stenschke.