Gesundheit

Berlin bekommt mehr Krankenhausbetten

Der Bettenabbau der vergangenen Jahre hat ein Ende. In Berlins Krankenhäuser sollen bald 300 Krankenbetten mehr stehen. Der Grund: Die Berliner werden immer älter, der Bedarf für stationäre Krankenhausaufenthalte immer größer.

Erstmals seit 20 Jahren werden in Berliner Kliniken keine Betten mehr abgebaut, sondern neue eingeplant. Nach Angaben des Gesundheitsstaatssekretärs Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) wird der Bettenbestand im künftigen Krankenhausplan von 20.800 auf 21.100 Betten angehoben. Mehr Betten werden vor allem in fünf Fachbereichen eingeplant: Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie, Neurochirurgie sowie Neurologie.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit erarbeitet derzeit den neuen Krankenhausplan, der den Bedarf für die medizinische stationäre Versorgung der Berliner festlegt. Der neue Plan soll bis 2015 gelten und wird voraussichtlich am 1. Januar 2011 in Kraft treten.

In den vergangenen Jahrzehnten war die Berliner Krankenhausplanung eher von einem drastischen Bettenabbau gekennzeichnet: Seit 1991 ist der Bestand von 43.000 auf derzeit 20.600 Klinikbetten reduziert worden.

Doch nicht nur die Anzahl der Betten ist jahrelang gesunken, auch die Zahl der Kliniken. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg gab es in der Stadt 1991 noch 104 Krankenhäuser, im Jahr 2008 seien es nur noch 74 (darunter 69 Plankrankenhäuser), wobei Klinikkonzerne wie die Charité und Vivantes über mehrere Standorte verfügen, aber oft nur als eine Klinik in den Statistiken geführt werden. Die Zahl der Beschäftigten wurde ebenfalls reduziert: Arbeiteten 1991 noch fast 70.000 Ärzte, Schwestern, Helfer, Verwaltungskräfte und andere in den Krankenhäusern, sind es 2008 nur noch 45.045 gewesen.

Die Behandlungskosten je Patient konnten in Berlin ebenfalls gesenkt werden. Kostete ein Klinikpatient in Berlin Mitte der neunziger Jahre knapp 5000 Euro, so liegen die Behandlungskosten nach Senatsangaben jetzt bei unter 4000 Euro. Lag ein Patient 1991 noch im Durchschnitt fast 20 Tage im Klinikbett, waren es 2008 nur noch 8,1 Tage. Zudem habe sich, sagte Staatssekretär Hoff, die Trägerstruktur gravierend verändert. Inzwischen seien 43 Prozent der Kliniken in öffentlicher Hand, davon gehören 15 Prozent zur Charité und 28 Prozent zu Vivantes. Ebenso viel, nämlich 43 Prozent, seien in freigemeinnütziger Trägerschaft. 14 Prozent der Klinikkapazitäten führten private Klinikbetreiber.

Mit der neuen Bettenplanung 2010 bis 2015 will der Senat auch dem demografischen Trend Rechnung tragen, wonach immer mehr Menschen immer älter werden und somit auch der Bedarf an stationärer Versorgung steigt. Ziele des Plans seien zudem die bedarfsgerechte Versorgung von Unfall- und Notfallpatienten rund um die Uhr, die Sicherstellung der wohnortnahen Grundversorgung, die Sicherstellung der Versorgung im Bereich Psychiatrie.

Offen ist, wie die Krankenhausplanung im Südwesten der Stadt aussehen wird. Der Senat hat eine Strategiegruppe eingerichtet, die in der Region Südwest für die Charité und Vivantes ein Strukturkonzept entwickeln soll. Eine Senatsentscheidung wird für Ende Dezember 2009 erwartet. Die Ergebnisse sollen im neuen Krankenhausplan berücksichtigt werden.

Im Bereich Investitionen sind für das Jahr 2010 rund 118 Millionen Euro für die Berliner Kliniken vorgesehen. 2011 sollen 92 Millionen in die Berliner Kliniken investiert werden und in den beiden darauffolgenden Jahren jeweils 94 Millionen Euro, so die Investitionsplanungsansätze bis 2013. Bei den Investitionen will der Senat Neuland beschreiten: Statt separat einzelnen Kliniken Fördermittel zu gewähren, ist künftig eine leistungsorientierter Zuschuss für alle Investitionskosten geplant.

Von Seiten der Opposition wird kritisiert, dass unter Führung des rot-roten Senats die Trägerlandschaft zugunsten der öffentlichen Häuser verändert worden sei - von 41,4 auf 43 Prozent, sagte Mario Czaja, gesundheitspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion.