Kindesmissbrauch

Lehrer verhaftet - Schule "zutiefst schockiert"

Ein Berliner Lehrer soll Kinder verschleppt und sexuell missbraucht haben. Die Schule des Beschuldigten hat eine Hotline für potenzielle Opfer eingerichtet, die Polizei sucht nun nach weiteren Tätern. Ermittler vermuten, es habe „in Berlin eine Menge Abnehmer" für Kindersex-Angebote gegeben.

Foto: Steffen Pletl

Ein Lehrer der der Waldorfschule im Märkischen Viertel soll Kinder sexuell missbraucht haben – nun hat die Schulleitung eine Hotline für potenzielle Opfer des Pädagogen eingerichtet. Dem 67 Jahren alten Lehrer Johan E. wird vorgeworfen, seit 2002 in mehr als 20 Fällen in Berlin und Haiti Kinder sexuell missbraucht zu haben. E. ist wie ein weiterer Verdächtiger, der 57-jährige John B., Vorstandsmitglied eines Berliner Vereins, der sich Hilfsprojekte für Kinder in Haiti organisiert. John B. war Mitte Februar zusammen mit einem in Berlin lebenden 26-jährigen Brasilianer beim Einschleusen eines elfjährigen Jungen aus Haiti in München verhaftet worden. Nach Angaben eines Ermittlers mehrt sich in Polizeikreisen der Verdacht, dass seit Gründung der Hilfsorganisation im Jahr 2001 Dutzende Kinder aus dem Dritte-Welt-Land nach Berlin geschleust wurden, um an Pädophile vermittelt zu werden.

Die Schulleitung teilte am Sonnabend mit, am 13. April von der Polizei über das Verfahren gegen ihren Lehrer informiert worden zu sein. „Die Schulgemeinschaft ist über die vermutete Beteiligung des Lehrers an diesen furchtbaren Verbrechen zutiefst schockiert. Bisher haben wir keine Erkenntnisse darüber, dass auch Schülerinnen und Schüler unserer Schule davon betroffen sind, haben aber vorsorglich eine Kontaktnummer eingerichtet, an der sich gegebenenfalls Betroffene wenden können“, hieß es in einer Stellungnahme. Der Lehrer ist mit sofortiger Wirkung von seiner Unterrichtstätigkeit freigestellt, ein Hausverbot wurde ausgesprochen. Der Tatvorwurf werde „sehr ernst genommen“ und die Suspendierung aufrechterhalten, bis die Sachlage eindeutig geklärt sei.

Im Zuge der Ermittlungen der Kriminalpolizei hat sich herausgestellt, dass der von den Verdächtigen betriebene Hilfsverein ein Kinderheim für Waisen aus dem vom Erdbeben verwüsteten Haiti in Punta Cana in der Dominikanischen Republik unterhält. Nach Informationen von Morgenpost Online befinden sich dort derzeit zwölf Kinder. „Wir gehen davon aus, dass die beiden Vorstandsmitglieder seit mindestens 2008 regelmäßig in diesem Heim waren und sich dort an den elternlosen Kindern vergangen haben. Der verhaftete Brasilianer war offenbar sexuell nicht aktiv, sondern hat sich dem Anschein nach um das Schleusen der Kinder gekümmert. Es muss in Berlin eine Menge Abnehmer geben“, so ein ranghoher Beamter.

Von der Auswertung einer bei dem 57-Jährigen sichergestellten Fotokarte erhoffen sich die Behörden genau dazu Erkenntnisse. „Es sind Nacktfotos von dem Beschuldigten, anderen Erwachsenen und Kindern. Es muss sich dabei um Persönlichkeiten mit ausreichend Geld handeln, denn allein die Schleusung kostet die Organisation eine Menge Geld.“ Von den Flugtickets abgesehen soll der Brasilianer allein 5000 Euro dafür versprochen bekommen haben, den Elfjährigen im Februar nach Deutschland zu bringen – zur Tarnung hatte er sich als sein leiblicher Vater ausgegeben, den bayerischen Bundespolizisten waren die gefälschten Dokumente aufgefallen.

Dass das Kind für die sexuelle Ausbeutung vorgesehen war und dass es bereits wartende pädophile Kunden gegeben haben muss, geht nach Informationen von Morgenpost Online aus einer Äußerung des beschuldigten 57-jährigen John B. hervor. Dem verschleppten Elfjährigen soll er vor der Abreise nach Deutschland gesagt haben: „Ich habe jetzt genug Geld für dich ausgegeben, jetzt musst du diese Schulden in Berlin abarbeiten.“