Harald Ehlert

Treberhilfe will Berliner Senat verklagen

Berlin will der Treberhilfe nach der Maserati-Affäre 700.000 Euro für die Straßensozialarbeit streichen. Nun - neun Monate nach dem Skandal - meldet sich der umstrittene Ex-Chef Harald Ehlert zurück - und droht dem Senat.

Foto: Joachim Schulz

Die Auseinandersetzung um die Zukunft der Treberhilfe Berlin spitzt sich zu. Der Gesellschafter und ehemalige Geschäftsführer Harald Ehlert kündigte nun juristische Schritte an für den Fall, dass der Senat die Straßensozialarbeit an andere freie Träger vergibt. „Wir werden vor dem Verwaltungsgericht unsere Position durchsetzen“, sagte Ehlert. Anlass ist die Ankündigung von Sozialsenatorin Carola Bluhm (Linke), der Treberhilfe 700.000 Euro für die Straßensozialarbeit mit Obdachlosen zu entziehen. Ab Januar sollen zwei andere freie Träger diese Arbeit übernehmen. Am heutigen Mittwoch beschäftigt sich der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses mit der Treberhilfe.

Es war Ehlerts erster Auftritt in der Öffentlichkeit seit neun Monaten. „Das ist kein Comeback. Mir geht es um die Zukunft der Straßensozialarbeit“, begründete der umstrittene Sozialunternehmer die kurzfristig einberufene Pressekonferenz in den Räumen der Treberhilfe in Wedding. Ehlert hatte seinen Geschäftsführerposten nach heftiger Kritik an seinem Geschäftsgebaren aufgegeben. Kritiker hatten moniert, dass der Chef der Treberhilfe einen Maserati als Dienstwagen fuhr, in einer Wohnung einer Dienstvilla am See in Caputh lebte und angeblich ein Jahresgehalt von etwa 300.000 Euro bezogen haben soll. Es gehe mit der Straßensozialarbeit um „historische Schritte“, die die Treberhilfe bei der Arbeit für 1000 Obdachlose gegangen sei. Diese Aufgabe solle unter allen Umständen fortgesetzt werden. „Es geht um die Stabilität für die Menschen, die Hilfe brauchen“, so Ehlert. Jetzt im Winter solle der Senat keinen Trägerwechsel vornehmen. Ähnlich hatte zuvor auch schon die Sozialexpertin der SPD, die Abgeordnete Ülker Radziwill, im Gespräch mit dieser Zeitung argumentiert. Die Auseinandersetzung des Senats mit ihm solle nicht auf dem Rücken der Betroffenen stattfinden, so Ehlert.

Überraschendes Angebot

Dann unterbreitete er ein überraschendes Angebot. Sollte der Senat die 700.000 Euro nicht zur Verfügung stellen, wolle die Treberhilfe selbst diesen Betrag aufwenden, um die Straßensozialarbeit fortsetzen zu können. Er sei wieder öffentlich aufgetreten, weil er als Gesellschafter, der für 3,4 Millionen Euro bürge, bei solchen grundlegenden Entscheidungen einbezogen werde, begründete Ehlert sein Erscheinen. Denn eigentlich hatte die Treberhilfe angekündigt, dass sich der Mann, der das Sozialunternehmen über 20 Jahre aufgebaut und geführt hatte, aus dem operativen Geschäft zurückziehen wolle. Seine Gesellschafteranteile übernimmt zurzeit ein Treuhänder, bis die Vorwürfe der Sozialsenatorin geklärt seien, so Ehlert. Zurzeit läuft eine Prüfung durch die Senatssozialverwaltung. Wie die Treberhilfe aber die Summe von 700.000 Euro aufbringen will, will Ehlert erst im nächsten Frühjahr sagen. Er sprach von einem Drei-Säulen-Modell für die zukünftige Finanzierung, ohne allerdings konkreter zu werden. Ehlert widersprach Meldungen, dass die Treberhilfe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sei. Auch gebe es keinen personellen Aderlass. Von ehemals 280 Mitarbeitern seien noch 220 an Bord. Nach der Dienstwagenaffäre hatte es auch in der Belegschaft erhebliche Unruhe gegeben.

Bei der gestrigen Pressekonferenz gab es auch Merkwürdigkeiten. So war der Geschäftsführer Frank Biskup „im Urlaub“, so Ehlert – trotz der wichtigen Entscheidung, 700.000 Euro selbst in die Straßensozialarbeit zu investieren. Er wurde vertreten von einem Prokuristen, der selbst angab, seit September für die Treberhilfe zu arbeiten. Vor Biskup hatten mehrere unabhängige Geschäftsführer versucht, mehr Transparenz in die Geschäfte der Treberhilfe zu bringen, waren aber gescheitert. Biskup werde aus seinem Urlaub zurückkehren, sagte Ehlert.

Vermittlung gescheitert

Nach seinen Angaben versucht die frühere Staatsekretärin und CDU-Politikerin Verena Butalikakis bei der Prüfung der Vorgänge in der Treberhilfe – „ehrenamtlich“ wie Ehlert es ausdrückte – zu vermitteln. Wegen der rechtlichen Konstruktion des Entgeltbereichs kann der Senat nur in Zusammenarbeit mit der Treberhilfe in die Bücher schauen. Doch bei der Treberhilfe gibt es laut Senatssozialverwaltung nur geringe Bemühungen um Transparenz.

In Sachen Straßensozialarbeit gibt es kaum noch etwas zu vermitteln. „Die Entscheidung ist gefallen“, sagte Bluhms Sprecherin Anja Wollny. Da es sich um Zuwendungen handele, sei es für die Senatsverwaltung jährlich möglich, andere freie Träger mit den Aufgaben zu betrauen. Deswegen fürchte man auch nicht eine juristische Auseinandersetzung mit Ehlert.

„Für die Betroffenen wird die Hilfe nahtlos weitergehen“, sagte Wollny. Nach ihren Angaben wechseln fünf von sechs Sozialarbeitern von der Treberhilfe zu den freien Trägern, die sich zukünftig um die Obdachlosen kümmern. Dazu zählt nach Informationen dieser Zeitung unter anderem die Organisation Gangway. „Es geht darum, dass man vertrauensvoll mit den freien Trägern, die Zuwendungen für ihre Arbeit erhalten, zusammenarbeitet“, so Wollny.