Siegerentwurf

Flughafen Tempelhof wird Park mit steilem Berg

Der Siegerentwurf für die Landschaftsgestaltung auf dem ehemaligen Flugfeld in Tempelhof setzt auf Weite, Wasser und einen ungewöhnlichen Berg. Der Architekt selbst nennt seine Idee einen „zeitgenössischen Park für Großstadtcowboys".

Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung / Senat

Die Bürger haben den Landschaftsarchitekten überzeugt. Er habe zunächst daran gedacht, auf dem Tempelhofer Feld auch so etwas wie Baumschulen anzulegen, sagte Eelco Hooftman, schließlich könnte man damit sogar etwas Geld verdienen. Aber die Wünsche der Berliner in der Bürgerbeteiligung seien eindeutig andere gewesen: "Die Leute haben Offenheit gefordert", sagt der Holländer.

Und weil er mit seinem Büro Gross.max diesen Vorstellungen der derzeitigen und künftigen Nutzer am besten Rechnung trug, ist Hooftman der Sieger des Wettbewerbs um die Gestaltung der Parklandschaft in Tempelhof. Gemeinsam mit ihrem britischen Partner Sutherland Hussey Architects setzte sich der Holländer unter 77 weiteren Bewerbern durch.

Jetzt werden die Pläne im Detail weiter bearbeitet. 2013 sollen die Arbeiten für den neuen Landschaftspark beginnen, schrittweise bis nach 2017 soll die Tempelhofer Freiheit ihr Gesicht verändern, mit der Grünfläche als zentralem Kraftfeld, wie es hieß: "Die Bebauung spielt eine Rolle, aber sie dominiert den Park nicht", hob Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hervor

Einstimmiges Votum der Jury

Einstimmig sei das Votum der Jury ausgefallen, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. "Mit sicherer Hand" habe man den herausragenden Entwurf gewählt. Der Chef der landeseigenen Grün Berlin GmbH, die den Park betreibt, war sehr zufrieden. Der Entwurf halte den Kostenrahmen von 61 Millionen Euro ebenso ein wie die Vorgabe, später in der Unterhaltung günstig zu sein. Mehr als 400 000 Euro im Jahr soll die Pflege nicht kosten.

Die Sieger lassen weite Flächen des früheren Flugfeldes unverändert, wollen allenfalls die Artenvielfalt auf den weiten Wiesen auf der Südhälfte vermehren. Menschen können auf Aussichtspunkten Vögel und Natur beobachten. Weil man insgesamt wenig verändert, bleibt Geld übrig, um einzelne Akzente zu setzen.

Dem gesamten Gelände verleihen sie durch elipsenförmige Wege, die die Rundung des Terminalgebäudes und des Vorfeldes aufnehmen, eine neue Struktur. Die neuen Linien durchziehen das grüne Gelände, so wie kreisende Flugzeuge am Himmel Kondensstreifen hinterlassen.

Einen "zeitgenössischen Park für Großstadtcowboys" wollte er schaffen, sagte der international viel beschäftigte Landschaftsarchitekt am Freitag bei der Präsentation des Wettbewerbsergebnisses im ehemaligen Flughafenrestaurant mit Panoramablick auf die "Tempelhofer Freiheit". Und er geriet ins Schwärmen über das "in Europa einzigartige" Gelände. "Hier kann man den Himmel sehen, den Wind fühlen und mit den Augen am Horizont entlang streifen."

Den Kreis rund um den zentralen Bereich des Parks, der 2017 für die 170 Tage der Internationalen Gartenausstellung noch einmal gesondert gestaltet und abgesperrt werden soll, markiert ein Damm. Dieser beginnt im Norden auf Geländehöhe. Wegen des natürlichen Gefälles nach Westen ragt er weiter südwestlich wie ein Deich dann rund dreieinhalb Meter aus den Wiesen heraus. Nahe dem Terminal ist ein weiterer, kleinerer Kreis geplant, wo im Winter eine natürliche Eisfläche zum Schlittschuhlaufen entstehen soll.

Wassergraben statt Zaun

Neben dem betonierten Vorfeld gibt es Wasserbassins, ein Wassergraben statt des Zauns trennt künftig den Raum vor dem Flughafengebäude vom eigentlichen Park. Im Osten des Areals setzt der Entwurf das optische Ausrufezeichen. Ein steiler Berg soll hier als Felsenmonument wie das nahe gelegene Denkmal auf dem Kreuzberg 60 Meter hoch aufragen. Innen könnte eine Kletterhalle entstehen. Der Landschaftsarchitekt räumte ein, dass für diese Vision noch weitere Studien nötig seien.

Gebaut werden soll auch ein von den britischen Architekten Sutherland Hussey entworfener Pavillon, der fast in der Mitte des Areals steht. 800000 Euro dafür seien im Budget vorhanden, hieß es. Möglichst bald soll das Bauwerk entstehen, um dort über die weiteren Bauarbeiten und Pläne informieren zu können. Denn auch die Senatorin Junge-Reyer weiß, dass es Unverständnis geben könnte, wenn demnächst Bagger die Wiesen aufreißen um den Entwurf der Landschaftsgärtner umzusetzen. Der Park soll acht Eingänge haben, der Außenzaun bleibt dauerhaft stehen.

Debattieren muss die Politik auch noch über den Park in Beziehung zu den am Rande geplanten Neubauten. Denn der Siegerentwurf nimmt an der Ostseite rund 20 Hektar Fläche in Anspruch, die die Tempelhof Projekt GmbH, die die Gesamtentwicklung koordiniert, bislang als Baufläche vorgesehen hat. Auch an der Westseite des Gländes, wo die neue Zentral- und Landesbibliothek Kern eines "Bildungsquartiers mit Sprachschulen, Akademien und Weiterbildungsinstituten bilden könnte, überlagert der geplante Park ein Eckchen der zu verkaufenden Grundstücke.

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