Brandserie

Polizei fasst Feuerteufel von Spandau

Nach einer Serie von Brandstiftungen in Spandau hat die Polizei einen 22-Jährigen gefasst. Innerhalb von nur drei Tagen soll er drei Brände gelegt haben. Unterdessen brannte es auch wieder in Neukölln. Dort fehlt weiter jede Spur von einem Täter.

Während sich in Neukölln die Brandserie weiter fortsetzt und bislang niemand festgenommen werden konnte, wurde jetzt in Spandau ein Brandstifter gefasst. Ermittler des Landeskriminalamtes nahmen einen 22 Jahre alten Tatverdächtigen am Mittwochabend in Staaken fest. Der junge Mann ist dringend verdächtig, innerhalb von nur drei Tagen drei Brände in unterschiedlichen Wohnhäusern in Staaken gelegt zu haben. Mieter wurden bei den Feuern nicht verletzt, allerdings zog sich der Täter bei seiner letzten Brandstiftung selbst eine Rauchgasvergiftung zu. Offenbar ist der 22-Jährige nur einer von vielen Brandstiftern, denn einen Zusammenhang mit der Neuköllner Brandserie oder Bränden in anderen Bezirken schließen die Ermittler derzeit aus.

Am Mittwochmorgen wurde die Feuerwehr gegen 8.20 Uhr zu einem achtgeschossigen Wohnhaus an den Pillnitzer Weg nach Staaken gerufen. Mit insgesamt 26 Einsatzkräften rückten die Rettungskräfte am Einsatzort an. In einem Kellerverschlag hatte der mutmaßliche Brandstifter eine dort abgestellte Couch sowie einen Couchtisch in Brand gesteckt. „Die Flammen griffen auch auf die Holzverkleidung von zwei Kellerverschlägen über und beschädigten die Versorgungsleitung des Hauses“, sagt Michael Gassen, Sprecher der Polizei. Nach Angaben der Feuerwehr kam es durch den Kellerbrand nicht nur zu einer starken Verrauchung in dem betroffenen Hauseingang, der Rauch verteilte sich auch in den daneben liegenden Aufgängen. In einem benachbarten Treppenhaus blieb eine Frau mit ihrem Hund in einem Aufzug stecken und musste von Feuerwehrleuten befreit werden. Ob dieser Zwischenfall mit dem Feuer zu tun hat, ist unklar. Der Verrauchung war dermaßen stark, dass die Feuerwehrleute zwei große Ventilatoren in den Hausflur aufbauten und damit das Treppenhaus entlüfteten.

Insgesamt wurden zehn Personen von Feuerwehrmännern in Sicherheit gebracht, darunter auch der mutmaßliche Brandstifter. Bis auf den 22-Jährigen blieben die Anwohner unverletzt. Der junge Mann wurde noch vor Ort von den Rettungskräften wegen einer leichten Rauchgasvergiftung behandelt. Anschließend wurde er mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht und nach einer ambulanten Behandlung wieder entlassen.

Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamtes übernahm in der Zwischenzeit die Ermittlungen in dem Fall. Dabei fiel den Beamten auch der 22-Jährige auf, der sich in einem Haus aufgehalten hatte, in dem er weder wohnte noch gemeldet war. Offenbar konnte der Brandstifter den Ermittlern auch keine Erklärung liefern, warum er sich zu dieser Zeit dort aufhielt und er verstrickte sich immer weiter in widersprüchliche Aussagen. So dass die Beamten den 22-Jährigen am selben Abend gegen 20.20 Uhr in seiner Wohnung am Cosmarweg, nur wenige Gehminuten vom Tatort entfernt, festnahmen. Im Laufe der weiteren Vernehmung konnten die Ermittler des Brandkommissariats dem Verdächtigen zwei weitere Brandstiftungen zur Last legen, die er am Montag und Dienstag dieser Woche in zwei Wohnhäusern am Cosmarweg begangen haben soll. Also in unmittelbarer Nähe seiner Wohnadresse. Der 22-Jährige soll in beiden Fällen Hausrat und Schuhregale in den Hausfluren in Brand gesteckt haben. Anwohner bemerkten die Brände, alarmierten die Feuerwehr, die die Flammen löschten. Niemand wurde verletzt. Der Mann wurde noch am Donnerstag einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt. Ein Ergebnis stand bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch aus.

Kellerverschläge angezündet

Unterdessen brannte es auch wieder in Neukölln. In einem 16-geschossigen Mehrfamilienhaus am Theodor-Loos-Weg in Gropiusstadt legten Unbekannte innerhalb von zwei Tagen zweimal Feuer. Zunächst rückte die Feuerwehr am Dienstagmorgen gegen 1.20Uhr aus. In einem Kellerverschlag war Müll in Brand gesetzt worden. Die Feuerwehr löschte und entlüftete das Haus mit Hilfe von Ventilatoren. Am Mittwochabend gegen 22.15 Uhr wurden die Einsatzkräfte der Feuerwehr wieder zu der Adresse alarmiert. Auch in diesem Fall hatten unbekannte Täter Gerümpel und Hausrat in drei Kellerverschlägen angezündet. Nach Angaben der Feuerwehr brannten 30 Quadratmeter. Die Löscharbeiten wurden aufgrund der starken Rauchentwicklung und der verwinkelten Bauweise behindert. Erst mit Hilfe einer Wärmebildkamera konnte der Brandherd gefunden werden. Feuerwehrleute mussten sich über die Rückseite des Gebäudes gewaltsam Zugang verschaffen. Die Anwohner konnten das Haus unverletzt verlassen. Die Polizei hat bisher keine Anhaltspunkte, dass diese Brandstiftung zu der Neuköllner Brandserie zählt. Die „Ermittlungsgruppe Sonnenallee“, die nach dem verheerenden Brand mit drei Toten am 12.März an der Sonnenallee gegründet wurde, wird in diesem Fall nicht tätig. Ein Brandkommissariat des LKA ermittelt. Die Spezialisten, die sich aus 37 Spezialisten aus Brandkommissariaten und Ermittlern der Mordkommission zusammensetzt, arbeiten inzwischen an 15 Fällen, bei denen es für die Ermittler Anhaltspunkte gibt, dass sie möglicherweise vom selben Täter begangen worden sein könnten. Obwohl die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von bis zu 25000 Euro ausgelobt hat, führten die Hinweise aus der Bevölkerung bislang nicht zur Festnahme eines Tatverdächtigen.