Ticketpreise

BVG-Chefin Nikutta plant mit Tariferhöhungen

Die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta hat ein ehrgeiziges Ziel: ab 2015 keine Verluste mehr einfahren. Helfen sollen noch mehr Fahrgäste und steigende Ticketpreise.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Diese Nachricht wird jeden Finanzsenator begeistern: Ab 2015 wollen die landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) keine neuen Verluste mehr einfahren. „Mein Ziel ist ein schwarze Null im operativen Geschäft“, sagte BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta am Dienstagabend bei einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Erreichen will sie dieses Ziel vor allem mit einem deutlichen Zuwachs an zahlenden Fahrgästen. Gleichzeitig wünscht sich Nikutta, die seit einem halben Jahr Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen führt, aber auch mehr Einnahmen durch maßvoll, dafür aber stetig steigende Ticketpreise. Eine Debatte über das Tarifsystem wollte Nikutta nach der erst zum Jahreswechsel erfolgten Fahrpreis-Erhöhung dann aber doch lieber nicht lostreten. „Ich weiß, das Thema ist in Berlin extrem schwierig, und in einem Wahljahr geht das schon gar nicht.“

Zugleich machte die 42 Jahre alte BVG-Chefin aber deutlich, in welch schwieriger wirtschaftlicher Lage sich das landeseigene Unternehmen eigentlich befindet. Denn den Einnahmen aus Fahrscheinverkäufen und den Zuweisungen des Landes für die Verkehrsleistungen in Höhe von insgesamt 700 Millionen Euro würden jährlich Ausgaben von rund einer Milliarde Euro gegenüberstehen. Allein 600 Millionen Euro koste die Bezahlung der insgesamt fast 13.000 Mitarbeiter der BVG und ihrer Tochterunternehmen. Weitere 100 Millionen geben die Verkehrsbetriebe zudem für Diesel und Strom aus. Dazu kämen noch Abschreibungen für die Fahrzeuge in gleicher Höhe sowie 30 Millionen Euro Zinszahlungen. An diesen Kosten könne, so Nikutta, die BVG kaum etwas ändern. Auch weil sie häufig durch Vorgaben der Politik bestimmt würden. Dazu gehören etwa die Fahrleistungen, die der Senat detailliert vorschreibt. So würden nach Mitternacht Busse fahren, die höchstens noch zwei Fahrgäste transportierten. Der Busfahrer koste die BVG in dieser Zeit wegen der Nachtzuschläge sogar noch mehr als der Fahrer, der am Tag mit einem gut gefüllten Bus unterwegs sei.

Auch dies führt dazu, dass die BVG immer neue Verluste einfährt. Im Vorjahr war es laut Nikutta ein Minus von 78 Millionen Euro, für dieses Jahr sei ein Defizit von 73 Millionen Euro zu erwarten. Anders als in vielen anderen Kommunen gebe es in Berlin zum Jahresende keinen Verlustausgleich durch den Eigentümer. Die BVG muss also das Defizit durch Kredite ausgleichen. Der Schuldenberg ist inzwischen rund 780 Millionen Euro hoch.

Diese Entwicklung dauerhaft zu stoppen, daran war allerdings schon Nikuttas Vorgänger Andreas Sturmowski gescheitert. Seit 2009 wächst der Schuldenberg der BVG wieder an. Nikutta ist dennoch zuversichtlich, eine Trendwende hinzubekommen. Ihr Zauberwort heißt „Kundenzufriedenheit“. Mit der Note 2 bewerteten die Fahrgäste die BVG derzeit deutlich besser als etwa die krisengeplagte S-Bahn. „Doch das reicht nicht, um Kunden zu begeistern“, räumt Nikutta ein. Erst wenn die Berliner wirklich von der BVG begeistert seien, könnten deutlich mehr zahlende Fahrgäste gewonnen werden. Nikuttas Ziel ist, dass die BVG jährlich eine Milliarde Fahrgäste befördert – im Vorjahr waren es „erst“ 922 Millionen.