Berliner Wohnmarkt

Bei den Betriebskosten braut sich was zusammen

Immer höhere Nebenkosten machen den Berlinern Sorgen. Die Wasserpreise sind in Berlin ohnehin schon vergleichsweise hoch, der Gaspreis ist gerade erst gestiegen. 2011 werden nun auch Strom und Müll teurer.

Mieter und Hausbesitzer in Berlin müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Nebenkosten einstellen. Nachdem in diesem Jahr bereits der Wassergrundpreis und die Gaspreise erhöht worden sind, steigen ab dem 1. Januar auch die Müllgebühren und die Kosten für Strom. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort – die sogenannte zweite Miete wird immer teurer.

Reiner Wild, Sprecher des Berliner Mietervereins, sieht die Lage mit Sorge. „Bei den Betriebskosten braut sich zurzeit ganz schön was zusammen.“ Genaue Zahlen über die Entwicklung der Betriebskosten gibt es aber noch nicht.

Der jüngste Preisschock kam beim Strom: Der Tarif „Berlin Basis Privatstrom“ von Vattenfall kostet ab Januar 9,9 Prozent mehr. Dabei handelt es sich um den Tarif, den jeder Berliner Haushalt automatisch bezieht, wenn er keinen anderen Vertrag abschlossen hat. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Stromverbrauch von 2200 Kilowattstunden pro Jahr zahlt demnach künftig 567 statt 516 Euro. Der bisherige Grundpreis von 5,90 Euro bleibt zwar stabil. Doch der Preis für den Verbrauch steigt. Wurden 2010 noch 20,23 Cent pro Kilowattstunde berechnet, werden im nächsten Jahr 22,56 Cent fällig.

Auch für die Entsorgung ihres Mülls werden viele Berliner mehr bezahlen müssen. Die meisten Standardtarife der Berliner Stadtreinigung (BSR), gültig bis Ende 2012, ziehen ab nächstem Jahr deutlich an. Allerdings werden die sogenannten Komforttarife gleichzeitig um die Hälfte günstiger. Diese Aufschläge werden zu den Standardtarifen addiert, wenn die Mülltonnen mehr als 15 Meter vom Straßenrand entfernt stehen oder die BSR-Arbeiter sie über mehr als fünf Treppenstufen transportieren müssen. Je nach Transportweg der Müllbehälter greift eine von vier Komforttarif-Stufen.

Die Wohnsituation der Berliner entscheidet dabei, wie hoch ihre Müllgebühren sind. Grundlage dafür ist die Kombination der genutzten Müllbehälter. Modellrechnungen der BSR zeigen, wie sich die Preise für besonders häufig genutzte Müllentsorgungs-Modelle entwickeln. Zum Beispiel hat ein Haushalt in einer Wohnanlage mit 35 Parteien bislang jährlich 142,93 Euro bezahlt, wenn die Anlage über zwei 1100-Liter-Restmüllcontainer (zwei Leerungen pro Woche) und eine 240-Liter-Biogut-Tonne (eine Leerung) verfügt. Ab 2011 schlagen 145,46 Euro jährlich zu Buche. Ein Haushalt in einem Einfamilienhaus, dessen 120-Liter-Restmülltonne alle zwei Wochen geleert wird, muss statt 150,60 Euro künftig 153,88 Euro an Müllgebühren entrichten.

Gas wird vorerst nicht teurer

Zumindest bei den Gaspreisen soll sich dagegen für die etwa 600.000 Privathaushalte nichts ändern. Der Berliner Grundversorger Gasag hat bereits zum 1. Oktober seine Tarife um 0,8 Cent pro Kilowattstunde erhöht. „Bis zum Ende der Heizsaison im April und auch darüber hinaus ist kein weiterer Preisanstieg in Sicht“, sagte Gasag-Sprecherin Josette Honnef Morgenpost Online. Erdgas ist der wichtigste Energieträger beim Heizen: Für etwa 40 Prozent der Haushalte wird damit Wärme erzeugt.

Während die Gebühren für Trink- und Abwasser leicht gesunken sind, zog der Grundpreis für Wasser an. Seit 1. April 2010 beträgt dieser täglich 30 Cent für einen Referenzzähler (Modell Qn 2,5). „In diese Kategorie fallen etwa 80 Prozent der Zähler in Berlin“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Die Wasserzählerkategorie richte sich nach der Größe des Wohnhauses – gibt es weniger Abnehmer, wird es teurer. „Den Grundpreis teilen sich dabei immer alle Haushalte, die über einen Zähler abgerechnet werden“, sagt Natz. Seit 2007 seien die Wassergrundpreise zwei Mal um jeweils etwa zehn Cent angehoben worden.

Viele Häuser sind noch nicht energetisch saniert

Viele Berliner ächzen unter den hohen Wasserpreisen: In Berlin sind sie seit 2000 im Vergleich zum Bundesdurchschnitt etwa doppelt so stark gestiegen – auch wenn die Wassermengenpreise seit 2006 gesunken sind. Kostete etwa der Kubikmeter Wasser im vergangenen Jahr 2,18 Euro, sind es heute 2,17 Euro (jeweils inklusive der Umsatzsteuer von sieben Prozent). Allerdings schlägt das Niederschlagswasserentgelt, das die meisten Berliner ebenfalls bezahlen, nun teurer zu Buche. Dieses deckt die Kosten dafür, dass die BWB Regenwasser in die Kanäle einleiten. Verlässliche Aussagen darüber, wie stark die Betriebskosten im kommenden Jahr genau steigen werden, sind indes noch nicht möglich. Im Frühjahr wird der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) laut Betriebskostenexperte Siegfried Rehberg zunächst die Entwicklung der Preise im Jahr 2009 vorstellen, da die Auswertung der Daten viel Zeit in Anspruch nimmt.

So hatte der Verband erst dieses Jahr die Entwicklung der Betriebskosten 2008 vorgestellt. Die Auswertung der Zahlen für 490.000 Wohnungen von 74 Wohnungsunternehmen in Berlin und Brandenburg ergab für die Hauptstadt durchschnittliche Betriebskosten von 2,25 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat (West-Berlin: 2,60 Euro; Ost-Berlin: 2,10 Euro). Für 2009 prognostizierte der BBU damals einen Anstieg der Betriebskosten auf 2,35 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Viele Berliner könnten sich langfristig auf relativ stabile Kosten einstellen, da sich der bauliche Zustand vieler Wohnungen und Häuser verbessert habe, etwa durch energetisch sanierte Häuser, sagt Rehberg.

Große Furcht vor den teurer werdenden Nebenkosten herrscht dagegen beim Mieterverein. Dessen Sprecher Wild betont, dass die vom BBU verwalteten Häuser und Wohnungen beispielsweise kein „geeigneter Indikator für ganz Berlin“ seien. „Viele Häuser sind im Gegensatz zu einem Großteil der BBU-Wohngebäude zum Beispiel nicht energetisch saniert“, sagt Wild. „Wenn dann zum Beispiel die Gaskosten steigen, schlägt das stark auf die Heizkosten der Mieter durch.“