Auguste-Viktoria-Klinikum

Senat erwägt Schließung, Vivantes will ausbauen

Ein Laserzentrum sollte her, die Intensivmedizin ausgebaut werden. Doch die Pläne, die Vivantes für das Auguste-Viktoria-Klinikum hatte, liegen wohl auf Eis. Der Senat überlegt, den Campus Benjamin Franklin an den kommunalen Klinikkonzern zu übertragen. Dafür könnte der Schöneberger Standort aufgegeben werden.

Foto: Michael Brunner Foto: Brunner / Brunner

Entgegen den Plänen des Senats, das Schöneberger Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) möglicherweise zu schließen, setzt der Klinikkonzern Vivantes auf eine Stärkung des Standortes an der Rubensstraße. Aus einer internen Mitteilung der Vivantes-Geschäftsführerin Dorothea Dreizehnter, die Morgenpost Online vorliegt, geht hervor, dass das AVK weiter expandieren soll. "Das geplante Wachstum am AVK macht schließlich die Schaffung zusätzlicher Betten- und intensivmedizinischer Kapazitäten notwendig", teilte Dreizehnter den Vivantes-Mitarbeitern am 23. November 2009 im Intranet mit.

30 neue Klinikbetten

Neben den bisherigen Schwerpunkten wie der überregional bekannten HIV-Aids-Klinik, dem zertifizierten Infektionszentrum und der Urologie sollen weitere Bereiche etabliert werden. So sei der Aufbau eines Laserzentrums geplant, zudem die weitere Etablierung der Beckenbodenchirurgie. "Des Weiteren wird zur Unterstützung des Wachstumskurses und zur Stärkung und Profilierung des Standortes in der Region der rasche Aufbau einer Komfortklinik mit etwa 30 zusätzlichen Betten angestrebt", sagt Dreizehnter. Insgesamt ziele das medizinische Konzept auf Wachstum und Stärkung der medizinischen Schwerpunkte.

Dagegen erwägt der Senat derzeit, das AVK zu schließen. Um die Finanzprobleme der Charité zu lösen, diskutiert der Senat, den Charité-Campus Benjamin Franklin an Vivantes zu übergeben. Die Charité würde Forschung und Lehre auf die anderen beiden Charité-Standorte in Mitte und Wedding (Virchow-Klinikum) verteilen. Der Vivantes-Konzern, zu dem neun Kliniken gehören, würde dafür das Auguste-Viktoria-Klinikum (rund 500 Betten) in Schöneberg aufgeben. Die Charité verlöre etwa 1000 Betten, Vivantes bekäme 500 Betten dazu.

Für den Gesamtbetriebsratschef von Vivantes, Moritz Naujack, sind das "unerträgliche Planspiele des Senats". Es sei unverantwortlich, ein Krankenhaus infrage zu stellen und die dort arbeitenden etwa 800 Mitarbeiter zu verunsichern. Naujack betont, dass die Vivantes-Beschäftigten seit dem Jahr 2004 auf Teile ihres Lohns verzichteten und dadurch entscheidend dazu beigetragen hätten, dass der Klinikkonzern nicht in die Pleite rutschte.

Nach Naujacks Berechnungen hätten die Mitarbeiter durch Lohnverzicht dem Unternehmen in den vergangenen Jahren etwa 140 Millionen Euro eingespart. "Das ist mehr Geld, als der Eigentümer bereit war, in der Vergangenheit in seine kommunalen Kliniken zu investieren", sagt Naujack an die Adresse des Senats.

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit sind vom Land in den vergangenen acht Jahren insgesamt 93 Millionen Euro in die Vivantes-Kliniken investiert worden. Naujack moniert, dass es sich bei den jetzigen Planspielen zur gewünschten Zusammenarbeit von Vivantes und der Charité um eine reine "Investitionsdebatte" handele. Mindestens so wichtig sei aber, dass die medizinische Versorgung der Berliner gesichert sein müsse.

Sanierungsfall Benjamin Franklin

Zudem zielten die Überlegungen, den Charité-Campus Benjamin Franklin an Vivantes zu geben, nur darauf ab, "Investitionsmittel auf Vivantes abzuwälzen", meint Naujack. In der Tat muss das Steglitzer Klinikum saniert werden. Etwa 200 Millionen Euro werden benötigt. Während die Kosten für Investitionen an der Charité vom Land getragen werden, muss die ebenfalls landeseigene Vivantes-GmbH dies inzwischen im Wesentlichen aus eigenen Mitteln finanzieren. So stemmt Vivantes einen Klinikneubau und Sanierung in Hellersdorf aus Eigenmitteln (Kosten: 55 Millionen Euro). Für Gesamtbetriebsratschef Naujack steht fest, der Vivantes-Konzern sei der "Leidtragende der Charité-Debatte".

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