Verkehrsplanung

Gutachter fordern Stopp für Ausbau der A100

Weder die Verkehrsprognose, noch die vom Senat vorgelegte Kostenrechnung für den Weiterbau der Stadtautobahn stimmten, heißt es einem neuen Gutachten, das die Berliner Grünen in Auftrag gegeben haben. Experten plädieren dafür, dass Bauprojekt endgültig aufzugeben.

Die Grünen haben dem Senat schwere Mängel bei der Planung des Ausbaus der A100 vorgeworfen und die Koalition aufgefordert, den Bau zu stoppen. Das ergebe ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten über den Autobahnausbau. Demnach stimmten weder die zugrunde liegende Verkehrsprognose noch die vom Senat vorgelegte Kostenrechnung, heißt es in dem Gutachten eines Marburger Beratungsinstitutes. "Der 16. Bauabschnitt der Autobahn A100 ist rechtlich angreifbar und kann nicht entsprechend der vorliegenden Planungsunterlagen gebaut werden", sagte die Verkehrsexpertin der Partei, Claudia Hämmerling.

Hämmerling kritisierte, dass dem Planfeststellungsverfahren eine eigens erstellte, nicht nachvollziehbare Verkehrsprognose zugrunde liege. Stattdessen hätte die "Gesamtverkehrsprognose 2025" des Senats berücksichtigt werden müssen. Aus ihr gehe hervor, dass der Verkehr von Lastwagen mit mehr als zwölf Tonnen Gewicht in Berlin bis zum Jahr 2025 um 25 Prozent zunehme, der Autoverkehr jedoch um bis zu 16 Prozent zurückgehe. Der Ausbau der A100 sei deshalb aus verkehrspolitischer Sicht nicht erforderlich. Das Projekt wird nach Ansicht der Grünen dem Schwerlastverkehr eine Transitstrecke durch die Stadt schaffen. So entstünde eine Abkürzung für den Lastwagen-Durchgangsverkehr.

Der derzeit geplante Bauabschnitt, der die Autobahn 100 auf einer Länge von 3,2 Kilometern vom Autobahndreieck Neukölln nach Treptow verlängern soll, sei alleine nicht funktionsfähig, sagte Hämmerling. Am Autobahnende würden bereits bestehende Engpässe am Ostkreuz und am "Elsenknoten" noch zusätzlich belastet. Eine Entlastung für die Innenstadt könne erst mit dem nächsten Bauabschnitt erreicht werden. Die Verlängerung der A 100 weiter nach Norden sei aber angesichts der Widerstände der Bewohner und der Bezirksämter nicht durchsetzbar.

Die Kosten für die Verlängerung der A 100 vom Autobahndreieck Neukölln zum Treptower Park in Höhe von 420 Millionen Euro trägt der Bund. Die Trasse gilt als teuerste Autobahn Deutschlands. Die Parteibasis sowohl von SPD als auch Linkspartei hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßt den Stopp des Ausbaus. "Eine Verlängerung der A100 würde mehr motorisierten Verkehr in die Kieze im Südosten Berlins bringen", sagte VCD-Sprecher Christian Kölling gestern. Der zusätzliche Lärm begünstige aber Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen und Depressionen'.

Die Koalitionsfraktionen hatten sich am Montag darauf verständigt, die im Doppelhaushalt 2010/2011 vorgesehenen Planungsmittel für den Autobahn-Ausbau in Höhe von 3,1 Millionen Euro mit einer "qualifizierten Sperre" zu versehen. Das ist eine herbe Schlappe für Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, die nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sie das Verkehrsprojekt vorbehaltlos unterstützt. Die Verkehrssenatorin räumte zwar ein, dass es "Gesprächsbedarf" auch in der eigenen Partei gebe. Von einer generellen Absage an den Autobahnbau könne jedoch nicht die Rede sein.

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