Brandstiftung

Brände in Neukölln - Polizei vermutet Serientäter

Wieder haben Unbekannte in einem Hausflur eines Neuköllner Wohnhauses einen Kinderwagen angezündet. Zwei Erwachsene und ein Säugling kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Auch nach Kreuzberg musste die Feuerwehr erneut ausrücken.

Foto: Steffen Pletl

Die Polizei schließt nach der neuerlichen Brandstiftung in einem Neuköllner Wohnhaus nicht mehr aus, dass ein Serientäter in dem Bezirk unterwegs ist. Am späten Mittwochabend hatten Unbekannte einen Kinderwagen in einem Treppenhaus in Neukölln angezündet. Verletzt wurde durch das rasche Eingreifen eines Anwohners niemand. Es sei möglich, dass ein Täter mehrere Brandstiftungen begangen habe, sagte ein Sprecher der Polizei am Donnerstag. Damit setzt sich die Serie, die am 12.März in Neukölln begonnen hatte, fort. Bei dem Feuer in einem Treppenhaus eines Wohnhauses an der Sonnenallee, das durch Brandstiftung verursacht wurde, waren damals zwei Erwachsene und ein erst zehn Tage alter Säugling getötet worden. Trotz einer Belohnung von 25000 Euro sind bisher keine Hinweise eingegangen, die zur Festnahme eines Tatverdächtigen geführt hätten.

Am Mittwoch wurde die Feuerwehr gegen 23 Uhr zu einem fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus an die Braunschweiger Straße nach Neukölln gerufen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt klingelte ein Nachbar bei Murat Saglam in der dritten Etage und wollte ihn warnen. „Als ich die Tür aufgemacht habe, stieg mir beißender Qualm ins Gesicht. Ich konnte kaum atmen“, sagte der 34 Jahre alte Familienvater. Sofort schnappte er sich seine fünfjährige Tochter Melek, wickelte sie in eine Decke ein, rannte mit ihr die Treppen hinunter und brachte das Kind über den Hintereingang nach draußen. Der Mann hatte großes Glück, denn entgegen aller Warnungen der Feuerwehr, blieb er nicht in der Wohnung und wartete dort auf die Retter, sondern lief durch das verrauchte Treppenhaus. Das Einatmen des giftigen Qualms hätten ihm und seiner Tochter das Leben kosten können.

Nachdem er das Mädchen in Sicherheit gebracht hatte, gelang es Murat Saglam mithilfe der Decke, den brennenden Kinderwagen anzufassen und hinauszuschieben. Andere Bewohner hatten das Feuer inzwischen auch bemerkt, und gemeinsam löschten die Mieter den Brand. Die Feuerwehr war mit 26 Einsatzkräften vor Ort. Die Rettungskräfte überprüften den Brandherd und die übrigen Wohnungen, mussten jedoch nicht mehr tätig werden. Niemand wurde bei diesem Brand verletzt. Lediglich die Wände im Hausflur wurden durch die Flammen leicht beschädigt. So war der Einsatz für die Feuerwehrmänner nach zehn Minuten bereits wieder beendet.

Die „Ermittlungsgruppe Sonnenallee“ hat die weiteren Ermittlungen zu der Brandstiftung übernommen. Die Gruppe besteht aus 37 Spezialisten der Mordkommission und erfahrenen Brandermittlern und war nach dem verheerenden Feuer an der Sonnenallee gegründet worden. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, ist die „Ermittlungsgruppe Sonnenallee“ inzwischen in 14 Fällen von Brandstiftung an Kinderwagen, die meisten davon in Neukölln, tätig. Rund 80 Hinweise aus der Bevölkerung sind bislang eingegangen.

Bereits gegen 17.30 Uhr war die Feuerwehr zu einem weiteren Brand in einem zehngeschossigen Wohnhaus an der Bergfriedstraße nach Kreuzberg gerufen worden. In der siebenten Etage waren eine Matratze und Schuhe in Brand gesteckt worden. Die Feuerwehr löschte den Brand, bei dem niemand verletzt wurde. Gegen 19.30 Uhr kam es zu einem Wohnungsbrand an der Neuenburger Straße. Mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung kam ein 53 Jahre alter Mieter in eine Klinik.