Konzept 2020

Berlin verordnet sich ein Energie-Sparpaket

Der Berliner Senat hat sein Energiekonzept beschlossen. Danach soll die Stadt bis zum Jahr 2020 zehn Prozent Energie sparen. Davon müssen den größten Teil neben den Energieerzeugern die privaten Haushalte erbringen.

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Die Stadt Berlin soll bis 2020 insgesamt zehn Prozent weniger Energie verbrauchen und weitere 24 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als im Referenzjahr 2005. Das sieht das Energiekonzept Berlin 2020 vor, das der rot-rote Senat am Dienstag beschlossen hat. Nachdem die Senatsressorts fast ein Jahr intern über das von der halbstaatlichen Berliner Energieagentur (BEA) erstellte Konzept diskutiert haben, liegt nun der politische Leitfaden für die Energiepolitik des Landes in den kommenden Jahren vor.

Insgesamt muss der Energieverbrauch trotz positiver Wirtschaftsentwicklung und leicht steigender Bevölkerungszahl um rund 7000 Gigawattstunden pro Jahr sinken, wie die Gutachter feststellen. Das entspricht in etwa der Halbjahresleistung eines Atomkraftwerks wie des gerade abgeschalteten Meilers in Neckarwestheim. Bei den CO2-Emissionen sei ein Rückgang von gut fünf Millionen Tonnen pro Jahr oder rund ein Viertel erreichbar, heißt es.

Private Haushalte sind gefordert

Den größten Sparanteil müssen neben den Energieerzeugern die privaten Haushalte und der Dienstleistungs- und Bürosektor bringen, die bisher 36 und 31 Prozent der Berliner Energie verbrauchen. Bei der Industrie, als Verbraucher weniger relevant, erkennt das Konzept wenig Spielraum. Ebenso klein dürfte der Beitrag des Verkehrssektors ausfallen. Hier würden Einsparungen im Straßen- und Schienenverkehr durch eine deutliche Zunahme des Flugverkehrs aufgezehrt.

Gutachter messen den erneuerbaren Energien für die Zukunft der Berliner Versorgung eine zentrale Bedeutung zu. 20 Prozent der Berliner Energie aus sauberen Quellen zu gewinnen, wie politisch gewünscht, sei jedoch so schnell nicht möglich. Die Autoren halten 13 Prozent für machbar. Derzeit deckt Berlin 2,1 Prozent seines Energiebedarfs aus Erneuerbaren.

Um künftig größere Möglichkeiten zu haben, rechnet das Energiekonzept auch jene Flächen für Windräder dem Land Berlin zu, die dem Senat über die Berliner Stadtgüter in Brandenburg gehören.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sagte, die Metropole Berlin habe für den Umstieg auf saubere Energie „zwar einige grundsätzliche Herausforderungen“ zu bewältigen. „Gleichwohl zeigt das Energiekonzept, dass ein nennenswerter Ausbau erneuerbarer Energien in Berlin möglich ist“, sagte Wolf. „Ich sehe vor allem bei Biomasse und Wärmepumpen ein hohes Potenzial.“ Die Ausbeute aus Solarstrom soll sich bis 2020 gegenüber heute verzehnfachen.

Wenn auch die Politik angesichts der Atomdebatte den Beitrag von Stromerzeugung aus Sonne, Wind und Erdwärme hervorhebt, bleiben die Experten realistisch. Das weitaus größte Sparpotenzial sehen sie bei der Wärmeerzeugung. Zwei Drittel der Beiträge zum Gelingen des Konzeptes kommen aus dem Wärmesektor. Entscheidend ist hier der angekündigte Kurswechsel von Vattenfall Europe. Der Energieversorger möchte neue Heizkraftwerke bauen, etwa in Lichterfelde und Lichtenberg, und diese zum großen Teil mit Biomasse, also Holz, befeuern.

Als wichtigen Baustein einer modernen Energieversorgung sehen die Gutachter den Ausbau der dezentralen Blockheizkraftwerke. Mehr als 2000 solcher Anlagen müssten Privathaushalte, Gewerbetreibende und Behörden in den nächsten Jahren errichten, um die Ziele zu erreichen. Ob das möglich sei, werde von der weiteren Förderung der Mini-Blockheizkraftwerke abhängen, mahnen die Autoren.

Die Stadt müsse zudem das Tempo der energetischen Sanierung von Altbauten deutlich erhöhen, heißt es im Konzept. 7000 statt derzeit rund 2200 Wohngebäude müssten künftig pro Jahr saniert werden, um das Ziel zu schaffen, bei der Heizenergie in der Stadt insgesamt 7,5 Prozent einzusparen. Zudem sollen die Haushalte bis 2020 13 Prozent weniger Strom verbrauchen.

Wie diese Vorgabe erreicht werden soll, darüber äußern sich die Autoren der Energieagentur eher vage. Von ordnungspolitischen Maßnahmen ist die Rede, also von Vorgaben der Politik. Genau das hatte die rot-rote Koalition mit ihrem Klimaschutzgesetz versucht. Das Projekt wurde aber vertagt, weil sich die Senatsressorts nicht auf ein sinnvolles, für Mieter bezahlbares Modell einigen konnten.

Kritik am Senat

Und so wagen auch die Experten in ihrem Energiekonzept vorsichtig Kritik an ihrem Auftraggeber, dem Senat. Bisher arbeiteten die Akteure „nur lose an einer gemeinsamen energetischen Vision für Berlin“, heißt es im Text. Bessere Koordination wird angemahnt. Berlin brauche eine Geschäftsstelle Energie und Klimaschutz sowie innovative Finanzierungsmodelle, um die Energieziele erreichen zu können. Bis August müsse es einen „klaren Arbeitsplan“ geben, der die Vorschläge umsetzt.

Trotz dieser Kritik fallen die ersten Reaktionen auf das Energiekonzept positiv aus. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) erkennt „richtige Schwerpunkte“ und lobt die „vielen kooperativen Ansätze“. Kritisch sieht die Wohnungslobby jedoch, dass Privathaushalte überproportional belastet würden.