Bildungsstreik

Studenten versuchen das Adlon zu stürmen

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Mehrere Hundert Mitglieder der linken und linksextremen Szene sowie Teilnehmer der Studentenproteste haben sich am Abend rund um das Hotel Adlon in Berlin versammelt. Dort findet ein Treffen von führenden Wirtschaftsvertretern statt. Es gab 21 Festnahmen.

Etwa 200 Personen aus der linken und linksextremistischen Szene sowie Teilnehmer der seit Tagen anhaltenden Studentenproteste an den Berliner Universitäten sind Freitagabend vor das Hotel Adlon am Pariser Platz gezogen, um gegen das dort stattfindende das „Führungstreffen Wirtschaft“ der "Süddeutschen Zeitung" zu protestieren, zu dem unter anderem Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann erwartet wurde. "Sozialer Einschluss für die Verwalter des sozialen Ausschluss" lautet ein Slogan auf der zentralen Internetseite der streikenden Berliner Studenten .

Bei dem „Ent-Führungstreffen“ solle das Hotel umzingelt und belagert werden, hieß es vorab von Studenten. Doch am Abend versuchten dann mehrere Demonstranten, sich gewaltsam Zutritt zu dem Hotel zu verschaffen. Es flogen Eier. Außerdem hätten rund 50 Demonstranten vergeblich versucht, in die Akademie der Künste zu gelangen. Die Polizei griff ein. Es gab 21 Festnahmen, zwei Beamte und zwei Demonstranten wurden leicht verletzt. Gegen etliche Demonstranten seien Verfahren wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands eingeleitet worden, sagte ein Polizeisprecher.

Der Großteil der vor dem Adlon demonstrierenden Gruppe hatte bereits am Nachmittag in der Humboldt-Universität an einer Protestkundgebung im Rahmen der Studentenproteste teilgenommen. Von dort war die Gruppe dann zum Hotel Adlon gezogen.Dort war die Polizei bereits mit einem größeren Aufgebot präsent.

Bereits im Vorfeld war unter dem Motto „Boss-Napping“ von verschiedenen linken Gruppen im Internet zu Störungen des Wirtschaftstreffens aufgerufen worden. Die Polizei hatte daraufhin entsprechende Vorkehrungen getroffen, so dass die Demonstranten bei ihrer Ankunft vor dem Hotel schon von einem größeren Aufgebot an Einsatzkräften erwartet wurden. Nachdem die Protestierenden sich zunächst mit lautstarken Parolen gegen „Kapitalismus und Globalisierung“ begnügt hatten, versuchten mehrere teilweise vermummte Demonstranten, in das Hotel zu gelangen, scheiterten aber am konsequenten Einschreiten der Beamten. Über Verletzte und die genaue Anzahl der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt.

In den vergangenen Wochen hatten Studenten in ganz Deutschland Hörsäle an mehr als 20 Hochschulstandorten besetzt. Am Dienstag gingen mehrere Tausend Berliner Hochschüler anlässlich eines bundesweiten Bildungsstreiks auf die Straße. Die Besetzungen an der der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Technischen Universität und der Alice-Salomon-Hochschule Berlin laufen seit vergangener Woche. Am Montag schlossen sich Studenten der Beuth-Hochschule für Technik dem Protest an. Ein Hörsaal der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin ist seit Donnerstag besetzt.

Auch rechtsradikale Gruppen hatten für Freitagabend zu einer Protestkundgebung in Oberschöneweide aufgerufen. Anlass waren gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten vor einem Neonazi-Treffpunkt am Abend zuvor. An der Kundgebung nahmen nach Polizeiangaben etwa 100 Personen teil, zu Zwischenfällen kam es zunächst nicht.

( hhn/ddp/sh )