Kriminalität

Überfall im Luxushotel - so lief der Poker-Raub ab

Sie waren zu viert, bewaffnet und maskiert: Morgenpost Online erklärt im detail, wie bewaffnete Räuber am Wochenende Deutschlands größtes Pokerturnier im Berliner Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz überfielen.

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Nach dem Raubüberfall auf das EPT-Pokerturnier im Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz fahndet die Polizei nach den Tätern. Dabei bittet sie die Bevölkerung um Mithilfe.

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Das Nobelhotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz in Mitte am Sonnabendnachmittag. Seit vier Tagen steht das Fünf-Sterne-Hotel für professionelle Pokerspieler, Amateure und Fans aus aller Welt im Mittelpunkt des Interesses. Der große Saal ist zum ersten Mal Schauplatz für das bestdotierte Pokerturnier des Kontinents im Rahmen der European Poker Tour (EPT). Ein handstreichartiger Überfall von vier bewaffneten Räubern führt im kaum drei Minuten dazu, dass kein Teilnehmer dieses Turnier jemals vergessen wird.

Gegen 14.12 Uhr erreichen vier Männer den Seiteneingang des Hotels, den in diesen Tagen auch die teilnehmenden Pokerspieler benutzen. Bislang ist noch unklar, ob und mit welchem Fahrzeug sie zum Tatort erschienen sind. Mindestens zwei der Männer haben eine Tasche und einen Rucksack bei sich getragen, in denen sich Waffen und schwarze Sturmhauben befinden. Auf dem Weg zum Check-In-Schalter, der sich im Vorraum des großen Saales befindet, setzen die unbekannten Räuber die Kapuzen auf, halten Schusswaffen und eine Machete griffbereit. Bis auf einen der Täter, der den Rückzugsweg sichern soll.

14.15 Uhr: Drei Vermummte stürmen in den Vorraum – Pistole, Revolver und eine Machete drohend erhoben – an die Registratur des Pokerturniers. Sie drängen die Mitarbeiter zur Seite, greifen in die Kasse und stopfen Bargeld in ihre Taschen. Dabei sollen von den Räubern Kommandos wie „Go, go, go“ in englischer Sprache gerufen worden sein. Offensichtlich haben die Männer den Zeitpunkt des Angriffs punktgenau gewählt. In der Kasse hinter dem Tresen sollten die Antrittsgelder der Spieler für den aktuellen Spieltag, zum Teil bis zu 10?000 Euro, nur kurz zwischengelagert werden. Wenige Minuten später wäre das Geld nach Informationen dieser Zeitung im Haupttresor gelandet und für die Räuber unerreichbar gewesen. Daraus nähren sich Spekulationen, dass die Räuber eventuell einen Tippgeber unter den Spielern hatten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost lagen allerdings im gesamten Turnierbereich Flyer herum, auf denen darauf hingewiesen wird, dass der Kassenschluss für das Startgeld um 14 Uhr ist.

14.16 Uhr: Die auf das Geschehen an den Tischen vertieften Pokerspieler traf der Handstreich der Ganoven völlig überraschend. „Ich saß am Spieltisch spürte eine Unruhe, die vom Vorraum her zu kommen schien“, sagte Frank Betsch aus Frankfurt/M. nach dem Überfall. Der 42-Jährige hörte polternde Geräusche, laute Stimmen. „Runter, alles runter. Ich sprang von meinem Stuhl auf und rutschte auf meinen Knien unter den Tisch.“ Mehrere Internet- und Videokameras im Pokersaal nehmen das Geschehen und den entstehenden Tumult auf. Im Hintergrund sind Menschen zu sehen, die panisch aus dem Vorraum fliehen, Tische und Stühle fallen um, Gläser klirren, Karten und Chips wirbeln durch die Luft.

Unterdessen sind drei Sicherheitsbeamte am Check-In-Schalter vor dem Saal eingetroffen, warnen die Hotelgäste und versuchen die Räuber aufzuhalten. Dem 36-jährigen Security-Mann Roman gelingt es, einen der Räuber zu Boden zu bringen, der kurz zuvor Bargeld in einen Rucksack gestopft hatte. Er entwindet dem mit einem roten Blouson bekleideten Ganoven den Revolver und nimmt den Räuber in den Schwitzkasten. Auf dem Marmorboden rechts von ihm liegt der Revolver, zu seiner linken ein Rucksack. Unmittelbar nach dem Überfall sagte der 36-Jährige, er wollte dem Mann die Waffe wegnehmen, damit er nicht schießen könne. „Als er mir den Rücken zuwandte, habe ich ihn gepackt und versucht festzuhalten.“

14.17 Uhr: Unmittelbar darauf kehrt einer der Räuber zurück, bedroht den Sicherheitsbeamten mit einer Machete. Sein Komplize greift sich den Revolver vom Boden und entkommt. Sekunden zuvor hatte sich jedoch nach Angaben eines Augenzeugen ein Hotelmitarbeiter – offenbar unbemerkt – von der Seite herangeschlichen und den Rucksack mit dem Großteil der Beute an sich genommen. Während der große Saal und der Vorraum in Folge der ausgebrochenen Panik unter fast 500 Turnierspielern und Beobachtern einem Schlachtfeld gleichen, gelingt es den vier Räubern, das Hotelgebäude zu verlassen.

14.18 Uhr: Die Angreifer haben das Hyatt verlassen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei ist das Quartett zu Fuß in Richtung Potsdamer Platz Arkaden geflüchtet.

Vermutlich durch einen Seiteneingang auf der westlichen Seite betreten die Täter das Einkaufszentrum und tauchen in der Menschenmenge in dem gut besuchten Shopping Center unter. Eine Minute später verlassen die Ganoven den Einkaufstempel auf der östlichen Seite, fliehen weiter über die Linkstraße und von dort laut Polizei in südlicher Richtung. Im Bereich Linkstraße/Reichpietschufer verliert sich die Spur der Räuber.