Achäologische Grabungen

Ruinenfund kommt Kanzler-U-Bahn in die Quere

Vor dem Roten Rathaus legen Archäologen gerade die Reste des alten Rathauses aus dem 13. Jahrhundert frei. Allerdings soll dort auch ein neuer Bahnhof für die verlängerte U-Bahn-Linie 5 entstehen. Nun muss neu geplant werden.

Foto: Reto Klar

Die Entdeckung der historischen Rathausruinen Berlins kommt gefährdet die Plänen für die neue Hauptstadt-Mitte. Der Bau der sogenannten Kanzler-U-Bahnlinie zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz könnte sich verzögern, falls sich die archäologischen Grabungen um den einstigen Barockbau bis in das kommende Jahr hinziehen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung im Abgeordnetenhaus bekräftigte nun den Wunsch der Politik, die Ruinen weitgehend für Besucher zu erschließen - auch um den Preis von Mehrkosten und einer Neuplanung der künftigen U-Bahnstation vor dem heutigen Roten Rathaus.

Auch Landeskonservator Jörn Haspel plädierte für eine kompletten Erhalt der Ruinen. Nach dem Schloss und der Nikolaikirche war das Rathaus der solideste Bau im historischen Berlin. Nach der Winterpause sollen die Grabungen im April/Mai fortgesetzt werden. Ursprünglich sollte der Bau der U-Bahnstation Anfang 2011 beginnen. „Wir wollen den kompletten Erhalt des alten Rathauses“, sagte der Ausschussvorsitzende Thomas Flierl (Linke). Mit der Entdeckung der Ruinen sei die Annahme, die einstige preußische Residenzstadt habe eine schwache Kommunalgeschichte gehabt, in Frage gestellt.

Flierl forderte, die Außengrenzen der Ausgrabungsstelle so bald wie möglich festzulegen, um eine zügige Fortsetzung der Planung zu erlauben. Überlegt wird unter anderem, ob der neue U-Bahnhof „Berliner Rathaus“ um 17 Meter verlegt oder auf eine der beiden Ausgänge verzichtet wird. Weniger Sympathien unter den Abgeordneten hat eine komplette Streichung der Station.

BVG soll Varianten ausrechnen

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sagte, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) seien gebeten worden, die Varianten einer Neugestaltung auszurechnen, damit die Rathausruinen und das Haus in der einstigen Königstraße 48/49 erhalten werden können. Geplant sind auch Vitrinen in der Bahnstation mit Fundobjekten. Die Rathausruine sollte auch in die Debatte über die Gestaltung des Geländes zwischen Spree und Alexanderplatz einbezogen werden, dem sogenannten Rathausforum, sagte Junge-Reyer.

BVG-Chefin Sigrid Nikutta sagte, ihr Unternehmen erwarte ein Zeichen der Politik über die nächsten Schritte. „Wir sind nur die Ausführenden“, Auftraggeber sei der Berliner Senat. An der veranschlagten Bauzeit von sieben Jahren werde sich nichts ändern, egal wann der Bau beginne. Anfang des Jahres sollen die Kosten für eine Neuplanung vorgelegt werden.

Die Ruinen sollen in einen archäologischen Rundgang über 21 Stationen durch die Berliner Innenstadt einbezogen werden. Das Rathaus aus dem 13. Jahrhundert war nach der Errichtung des Roten Rathauses 1865 abgerissen worden. Auf dem Gelände wurden Bürgerhäuser gebaut. In den vergangenen Monaten hatten Archäologen in den einstigen Kellerräumern mehrere von den Nazis verfemte Kunstwerke gefunden, die nun im Neuen Museum auf der Museumsinsel zu sehen sind.