1. Mai in Berlin

Bundespolizist als Steinewerfer verurteilt

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An den heftigen Krawallen am 1. Mai in Berlin war auch ein Bundespolizist beteiligt – als Täter. Er warf Steine auf Polizisten und wurde dafür nun verurteilt. Ein Kollege hatte ihn bei der Tat beobachtet. Reik L. hat sich in der Nacht auch seine Karriere ruiniert.

Der 24 Jahre alte Bundespolizist Reik L. aus Frankfurt am Main ist am Mittwoch als Steinewerfer bei den Berliner Mai-Krawallen zu einem Jahr und vier Monaten Haft mit Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Tiergarten sprach den 24-Jährigen am Mittwoch wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung schuldig. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann bei den Ausschreitungen in Kreuzberg „gezielt und mit erheblicher Wucht“ mindestens drei Pflastersteine in Richtung der Einsatzkräfte geworfen hatte. Zwei davon trafen einen Kollegen an der Hand, ein Beamter wurde am Helm getroffen. Verletzungen wurden nicht festgestellt.

Das Gericht ging davon aus, dass der Angeklagte Verletzungen „zumindest billigend in Kauf genommen hatte“. Dass er von Beruf Polizist ist, sei strafschärfend zu werten. Er habe damit das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei besonders erschüttert.

Reik L. war als Beamter auf Probe bei der Passkontrolle am Flughafen Frankfurt am Main tätig. Er ist seither vom Dienst suspendiert. Im Prozess hatte er zu den Vorwürfen geschwiegen. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, weil sie die Aussage des Hauptbelastungszeugen für „unglaubwürdig“ hielt.

Hauptbelastungszeuge war der ebenfalls aus Hessen stammender, in Berlin tätige Bundespolizist Gundolf S., der privat beim Maifest war. Das Gericht fand keinen Grund, warum der Beamte die „Aussage erfinden sollte“.

S. hatte L. bei der Tat beobachtet. Er gab vor Gericht an, sich genau daran zu erinnern, dass Reik L. mindestens drei Steine geworfen habe. Einer habe einen Beamten am Helm, ein zweiter einen anderen Beamten an der Hand getroffen. Die Täter anzusprechen, hatte Gundolf S., der an dem Abend privat unterwegs war, verständlicherweise vermieden. Einem Uniformierten will er zwar gesagt haben, dass er ihm zwei Steinewerfer zeigen könne, der Beamte habe jedoch nicht reagiert.

Eine halbe Stunde später, gab S. an, habe er Reik L. auf dem U-Bahnhof Gleisdreieck in die Linie U2 in Richtung Pankow steigen sehen. Gundolf S. ließ ihn „nicht mehr aus den Augen“, wählte auf seinem Handy die 110 und informierte die Kollegen. Am U-Bahnhof Alexanderplatz wurde Reik L. aus dem Zug geholt und festgenommen.

Eine als Zeugin geladene Beamtin, die bei der Festnahme dabei war, erinnert sich vor Gericht, dass der Festgenommene im Gespräch mit Kollegen „Reue gezeigt“ und sogar den Namen eines weiteren Beteiligten genannt habe. Er nannte Tobias K., der wohl mit ihm in der Mai-Nacht unterwegs gewesen war. Auch gegen ihn läuft nun ein Strafverfahren. Im Prozess gegen L. schwieg er.

Ein Kriminalpolizist sagte, dass Reik L. am Morgen nach der Festnahme „ein Angebot, vernommen zu werden, ausschlug“. Er habe lediglich Angaben zu seiner Person gemacht. Auf dem Weg zum Telefon im Flur, habe L. dann aber doch auf einmal geredet, gesagt, dass er die Tat bereue.

Entgegen der Anklage wurde Reik L. nicht wegen schweren Landfriedensbruchs bestraft. Dem Gericht zufolge hatte er die Steine „nicht aus einer gewalttätigen Menschenmenge“ heraus, sondern aus einer „schaulustigen Gruppe“ am Straßenrand geworfen. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts. Strafschärfend wurde die berufliche Stellung bewertet.

( dpa/sh )