Brandstiftung in Lichtenrade

Angezündeter Kinderwagen – Familie verletzt

Im Hausflur eines Wohnhauses am Kirchhainer Damm haben Unbekannte einen Kinderwagen angezündet. Zwei Erwachsene und ein Säugling kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Die Serie von Brandstiftungen in Berlin nimmt kein Ende.

Erneut haben Unbekannte in einem Hausflur Kinderwagen in Brand gesteckt. Betroffen war dieses Mal ein Wohnhaus in Lichtenrade. Zwei Erwachsene und ein Säugling mussten am Sonnabend mit Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Vorfall erinnert in erschreckender Weise an die bislang folgenschwerste Brandstiftung, mit der die Serie von Kinderwagenbränden in diesem Jahr begonnen hatte. Bei dem Feuer an der Sonnenallee 18 in Neukölln starben am 12. März drei Menschen, darunter ein erst zehn Tage alter Säugling.

Am späten Sonnabend zündeten bislang unbekannte Brandstifter gleich mehrere Kinderwagen in einem Mietshaus am Kirchhainer Damm in Lichtenrade an. Ein Anwohner bemerkte gegen 22.30 Uhr starke Rauchentwicklung im Treppenhaus und rief die Rettungskräfte. Nach Angaben des Mieters aus der Parterrewohnung seien im Treppenhaus ständig drei bis vier Kinderwagen abgestellt, genau konnte er es nicht sagen. Polizeibeamte des Abschnitts 47 trafen zuerst an der Einsatzstelle ein – die Polizeiwache am Lichtenrader Damm liegt nur wenige Autominuten entfernt.

Schon von Weitem sahen die Polizisten die Flammen aus dem Wohnhaus lodern. Nach dem Eintreffen versuchten die Beamten sofort, mit Handfeuerlöschern den Brand einzudämmen. Ein brennendes Kinderwagengestell zog ein Polizist hinaus vor die Tür. Verletzungen zogen sich die Beamten dabei nicht zu. Die inzwischen eingetroffene Feuerwehr, rettete einen 26 Jahre alten Mann, seine 24-jährige Freundin sowie ein sieben Monate altes Kleinkind aus dem verqualmten Haus. Die kleine Familie wurde ins Vivantes-Klinikum Neukölln eingeliefert.

Mietshaus weiterhin bewohnbar

Feuerwehrleute kontrollierten alle Wohnungen in dem betroffenen Haus auf eventuell verletzte Mieter. Weitere Anwohner mussten allerdings nicht in Sicherheit gebracht werden. Unterdessen löschten die Einsatzkräfte das Feuer. Erst gegen 1.20 Uhr war der Einsatz für die Feuerwehr beendet. Durch die Flammen wurden Teile des Hausflurs beschädigt. Den Angaben zufolge könne das Mietshaus aber weiterhin bewohnt werden. Nach Polizeiangaben konnte das Paar mit ihrem Kind das Krankenhaus am Sonntag bereits wieder verlassen. Ein Brandkommissariat des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung übernommen.

Die „Ermittlungsgruppe Sonnenallee“, die nach dem verheerenden Brand an der Sonnenallee mit drei Toten gegründet worden war, ermittelt hier bislang nicht. Laut Polizei liegen bisher keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit den Brandstiftungen in Neukölln vor. Sollten sich neue Erkenntnisse ergeben, wird die aus 37 Beamten bestehende Ermittlungsgruppe, gebildet aus Spezialisten der Mordkommission und erfahrenen Brandermittlern, auch in diesem Fall tätig.

Seit Mitte März kam es immer wieder zu Brandstiftungen in Treppenhäusern. Bereits sieben Mal brannte es in Neuköllner Hausfluren. Aber auch in Pankow, Wedding, Moabit hatten Unbekannte mehrfach Kinderwagen in Hausfluren in Brand gesetzt. Durch die breite Streuung der Brandorte geht die Polizei bisher nicht von einem Serienbrandstifter aus, eher vermuten die Ermittler mehrere Täter oder auch Trittbrettfahrer. Eine politische Motivation wird ausgeschlossen.