Trabrennbahn Karlshorst

Schießerei bei Boxkampf war blutige Familienfehde

Bei einer Boxveranstaltung auf der Trabrennbahn Karlshorst sind die Profiboxerin Rola El-Halabi und zwei Wachmänner niedergeschossen und schwer verletzt worden. Hintergrund ist offenbar eine Familiendrama. Der 26-jährigen Athletin droht das Karriereaus - durch die Hand ihres Ex-Managers und Stiefvaters.

Eine Boxveranstaltung in Karlshorst ist zum Schauplatz einer blutigen Abrechnung geworden. Drei Menschen, darunter zwei Wachschützer, wurden in der Nacht zu Sonnabend durch Schüsse schwer verletzt. Kurz vor dem letzten Kampf des Abends hatte ein 44 Jahre alter Mann auf die Profiboxerin Rola El-Halabi aus Ulm mehrere Schüsse abgegeben. Die 26-jährige frühere Doppel-Weltmeisterin aus Ulm musste schwer verletzt in das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn gebracht werden. Die Veranstaltung wurde abgebrochen.

Bei dem mutmaßlichen Schützen handelt es sich um den Stiefvater und ehemaligen Manager des Opfers. Hintergrund der Tat dürfte ein Streit sowohl mit familiärem als auch geschäftlichem Hintergrund sein. El-Halabis Stiefvater war bis Januar auch ihr Manager, doch die Boxerin hatte sich im Streit von dem 44-Jährigen getrennt. Der Tatverdächtige Hicham „Roy“ El-Halabi wurde noch am Tatort festgenommen. Alle drei Opfer mussten notoperiert werden; sie befinden sich laut Polizei inzwischen aber außer Lebensgefahr. Die 7. Mordkommission ermittelt nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen versuchter schwerer Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung sowie wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Am späten Sonnabendnachmittag wurde gegen El-Halabi Haftbefehl erlassen.

Feuernd in den Aufwärmraum gestürmt

Etwa 800 Zuschauer verfolgten den international besetzten Boxabend auf dem Gelände der Trabrennbahn Karlshorst an der Treskowallee. Die in Deutschland aufgewachsene Rola El-Halabi sollte gegen 23 Uhr gegen Irma Balijagic-Adler aus Bosnien um den Weltmeistertitel des Boxverbandes IBF im Leichtgewicht (bis 62 Kilogramm) boxen.

Doch dazu kommt es nicht mehr: Gegen 22.40 Uhr dringt Hicham „Roy“ El-Halabi mit einer Pistole im Anschlag in die Aufwärmkabine der Boxerin im VIP-Bereich ein. Sofort feuert der Mann auf Wachmänner, die sich ihm in den Weg stellen wollen. Die zwei 34 und 36 Jahre alten Mitarbeiter werden nach Morgenpost-Informationen in die Beine getroffen.

Roy El-Halabi stürmt weiter in den Aufwärmraum, in dem sich zu diesem Zeitpunkt außer der Profi-Kämpferin ihr Trainer Jürgen Grabosch, der Physiotherapeut Norbert Sekey und der Ringarzt Mark Dorfmüller befinden. Die Pistole auf die Anwesenden gerichtet, schreit der gefeuerte El-Halabi die Betreuer an; sie sollen sofort den Raum verlassen. Die Männer gehorchen, bleiben unverletzt, erleiden jedoch einen Schock. Dann versucht El-Halabi, seine Stieftochter in einen anderen Raum zu zerren. Als die 26-Jährige sich wehrt, fallen erneut Schüsse, laute Schreie ertönen: Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen schießt der 44-Jährige der Boxerin gezielt in eine Hand und in ein Bein.

Unterdessen lassen die ersten am Einsatzort eingetroffenen Polizisten den Saal bereits räumen. Die Live-Übertragung des TV-Senders „Eurosport“ endet abrupt, als Ersatz wird ein Billardturnier gezeigt. Kurz darauf können Polizisten den weiter um sich schießenden Angreifer überwältigen. Die schwer verletzte Boxerin wird sofort und für längere Zeit im Rettungswagen von einem Notarzt versorgt, bevor sie in die Klinik gefahren werden kann.

Die Hintergründe des Anschlags sind derzeit noch ungeklärt. Hicham „Roy“ El-Halabi soll nach dem Ende seiner Managertätigkeit der Boxerin mehrfach gedroht haben, ein Comeback verhindern zu wollen. Medien in ihrer Heimatstadt Ulm berichteten nach der Trennung von einer „Schlammschlacht“ zwischen Stiefvater und -tochter. Seine öffentlichen Drohungen hat der Mann offenkundig nun mit großer Brutalität und Entschlossenheit in die Tat umgesetzt.

Boxkarriere einer Migrantin

Die im März 1985 in Libanons Hauptstadt Beirut geborene Rola El-Halabi kam bereits ein Jahr später mit ihrer Familie nach Deutschland. Mit 16 Jahren errang die heute 1,68 Meter große Frau mit deutschem Pass den ersten Titel – als Landesmeisterin Baden-Württemberg im Kickboxen. Bald folgten deutsche und internationale Meisterehren. Zeitgleich gewann sie zwischen 2002 und 2006 von 22 Amateurboxkämpfen 18, war dreimal Internationale Deutsche Meisterin und nahm 2004 für Deutschland an der Box-Europameisterschaft teil. Ihre Bilanz im Profi-Boxsport seit 2007 ist makellos.

Die 26-jährige Studentin, die mit dem Kampf am Freitag nach fast einjähriger Kampfpause ihr Comeback bestreiten wollte, gewann alle elf Begegnungen, davon sechs vorzeitig. Fachleute sehen eine Fortsetzung der imposanten Karriere Rola El-Halabis nach dem Anschlag als überaus fraglich.