Schweinegrippe

Junge stirbt in Berlin nach Schutzimpfung

In Berlin ist ein Kleinkind nach einer Impfung gegen die Schweinegrippe gestorben. Der 21 Monate alte Junge soll an einem schweren Herzfehler gelitten haben. Unklar ist, ob es bei dem Todesfall einen ursächlichen Zusammenhang mit dem H1N1-Virus gibt. Ab Mittwoch sollen in der Stadt 40.000 immungeschwächte Kinder geimpft werden.

"Die Welle ist voll da“, so charakterisiert der Spandauer Kinderarzt Ulrich Fegeler die aktuelle Lage in seiner Praxis. Er schätzt, dass 80 Prozent der Kinder, die mit plötzlichem, hohem Fieber und anderen Grippesymptomen in seine Praxis kommen, an der Schweinegrippe erkrankt sind. Um dieses Schicksal und eine eventuelle antivirale Therapie vor allem den chronisch kranken Kindern zu ersparen, bieten die Kinderärzte von heute an in den Berliner Gesundheitsämtern Impftermine gegen die neue Influenza an. Nach internen Hochrechnungen der Ärzte gibt es in der Stadt etwa 40.000 Kinder, die unter chronischen Krankheiten wie etwa Diabetes oder Herzfehlern leiden und die dringend gegen das H1N1-Virus immunisiert werden sollten.

Allerdings: Komplikationen sind nicht ausgeschlossen. So ist ein Kleinkind in Berlin nach einer Impfung gegen Schweinegrippe gestorben. Das bestätigte am Dienstag die Senatsgesundheitsverwaltung. Das 21 Monate alte Kind habe „schwerste Vorerkrankungen“ gehabt, hieß es. Nach Informationen von Morgenpost Online soll das Kind unter einem angeborenen Herzfehler gelitten haben.

Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, warnt indes vor voreiligen Schlüssen. Es gebe zwar einen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Durchführung der Impfung und dem Tod des Kleinkinds. Ob es auch einen ursächlichen Zusammenhang gibt, das müsse erst noch untersucht werden. Zuständig dafür sei das Paul-Ehrlich-Institut in Langen (Hessen), eine Einrichtung des Bundesministeriums für Gesundheit.

Viele Kinderärzte empfehlen weiterhin, Kinder mit chronischen Krankheiten impfen zu lassen. Denn bei ihnen sei das Immunsystem geschwächt, die Schweinegrippe könnte daher zu schlimmeren Krankheitsverläufen führen als bei gesunden Kindern. Auch Kinderarzt Fegeler betont, dass er nicht grundsätzlich jedes Kind gegen die neue Grippe impfen würde, sondern in erster Linie chronisch kranke. Diese könnten ab dem sechsten Lebensmonat immunisiert werden. Zunächst hatten die Kinderärzte erst zu einer Impfung ab dem dritten Lebensjahr geraten.

Diese Meinung haben die Mediziner nun korrigiert. Auch bei den unter dreijährigen Kindern lägen jetzt ausreichend Impferfahrungen vor, die keine höhere Nebenwirkungsrate als bei den Erwachsenen beziehungsweise älteren Kindern zeigten, sagt Klemens Senger, Vorsitzender des Berufsverbandes der Berliner Kinder- und Jugendärzte.

Ab Mittwoch jedenfalls wollen die Kinderärzte jeden Mittwoch in der Zeit von 12 bis 18 Uhr in den Gesundheitsämtern chronisch kranke Kinder impfen. Ob alle zwölf Gesundheitsämter bereits darauf eingerichtet sind, genug Hilfspersonal und Impfstoff parat haben, konnte Kinderarzt Fegeler nicht sagen. Präpariert sei in jedem Fall das Bezirksamt Spandau, wo in den Räumen des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes in der Carl-Schurz-Straße17 die Impfungen am Mittwoch ab 14 Uhr stattfänden.

Kritik am Senat

Derweil üben die Kinderärzte erneut scharfe Kritik an der Senatsverwaltung für Gesundheit. „Aufgrund der bisherigen völlig unzureichenden Impfplanung durch die Gesundheitsverwaltung sind wir in die Phase der explosionsartig ansteigenden Erkrankungsfälle mit dem H1N1-Virus gekommen und müssen jetzt dringlich unsere kranken Risikokinder impfen“, betont Senger. Solche Impfmengen könnten in den Kinderarztpraxen, die zu dieser Jahreszeit ohnehin überlaufen seien, gar nicht bewältigt werden.

Daher hatten die Kinderärzte dem Senat angeboten, auf ihr Honorar zu verzichten und dafür in den Gesundheitsämtern kranke Kinder zu impfen. Mit dem Senat einigten sie sich nun darauf, dort mittwochs auch zu impfen. Außerdem werde es Impfmöglichkeiten an Sonnabendvormittagen beziehungsweise Freitagnachmittagen in Gesundheitsämtern oder in Praxen geben.

Mitarbeit: fü