Stadtplanung

Leipziger Platz kann bebaut werden

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Gilbert Schomaker

Auf die letzten noch unbebauten Filetgrundstücke am Leipziger Platz in Berlins Mitte können jetzt Investoren zugreifen. Der rot-rote Senat hat rechtliche Vorgaben beschlossen, wie die noch fehlenden Gebäude an diesem prominenten Ort aussehen und wie sie genutzt werden sollen.

Eine der letzten großen Stadtbrachen in Mitte soll bebaut werden. Der Senat hat am Dienstag den Bebauungsplan beschlossen, sprich: die rechtlichen Vorgaben, wie die noch fehlenden Gebäude am Leipziger Platz aussehen und wie sie genutzt werden sollen. Der Plan umfasst das Grundstück des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses (Leipziger Platz 12/13) sowie die angrenzenden Abschnitte der Leipziger Straße und der Voßstraße. Dabei hat die Landesregierung sich abgesichert: Denn den jetzigen Projektentwicklern traut sie offenbar nicht.

„Der Leipziger Platz ist zusammen mit dem Potsdamer Platz als Doppelplatzanlage in den 1920er Jahren gebaut worden und war damals der Mittelpunkt einer lebendigen Hauptstadt“, verwies Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) nach der Senatssitzung auf die städtebauliche Bedeutung. Allerdings gibt es bis heute auf dem nördlichen Areal des Platzes in weiten Teilen nur Häuserattrappen aus Plane und riesige Werbeplakate. Das soll sich mit dem Senatsbeschluss nun ändern. „Wir machen jetzt etwas möglich, zugreifen müssen andere“, sagte Junge-Reyer und spielte damit auf momentan fehlende Investoren an.

Die Planungen umsetzen will der Eigentümer, die Orco Leipziger Platz GmbH, die zur Orco Germany gehört. Der Konzern gilt als finanziell angeschlagenen. Der Senat hat in den Bebauungsplan deswegen offenbar eine Sicherung eingebaut. „Wir haben verfügt, dass die Vorgaben auch bei einem Eigentümerwechsel Bestand haben“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer.

Neue Geschäfte sind keine Bedrohung

Die Planungen des Architekturbüros Kleihues und Kleihues, die der Senat übernommen hat, sehen vor, dass die Neubauten sich an die bestehenden Häuser anlehnen. So sollen die Gebäude nicht wesentlich höher werden. Verbindlich festgeschrieben ist ein Tag und Nacht öffentlich zugänglicher Durchgangsweg, der vom Bundesrat an der Leipziger Straße bis zum Pariser Platz am Hotel Adlon reicht. Möglich sei darüber ein Glasdach. Diese Durchquerung dürfe aber nicht an beiden Seiten mit Glaswänden geschlossen werden.

„Die neuen Einzelhandelsflächen sind keine Bedrohung für den Potsdamer Platz oder die Friedrichstraße“, sagte Junge-Reyer. Der Leipziger Platz solle mit seinen Geschäften und Restaurants eine Verbindung zwischen den angestammten Einkaufsstraßen darstellen – gerade auch für Touristen.

Damit der Anteil der Geschäfte an dem neuen Areal nicht Überhand nimmt, legte der Senat konkret fest, wie das letzte Teil des Oktagons am Leipziger Platz genutzt werden soll. 55 Prozent der geplanten 89.000 Quadratmeter Geschossfläche sind für Shopping und Entertainment wie Kinos geplant. 15 Prozent sind für Büros veranschlagt. Auf 30 Prozent – und damit zehn Prozent mehr als am benachbarten Potsdamer Platz – sollen Wohnungen entstehen. Der Senat rechnet mit einem Investitionsvolumen von 450 Millionen Euro.

Konkrete Investoren gibt es bisher nach Angaben von Junge-Reyer bisher noch nicht. Die Eigentümer hätten jedoch bereits mit der Partnersuche begonnen.

Wann am Leipziger Platz die Werbeplanen den Baggern weichen sollen, ist noch völlig offen. Die Stadtentwicklungssenatorin geht davon aus, dass der nun vom Senat verabschiedete Bebauungsplan bis im Frühjahr auch das Abgeordnetenhaus passiert hat.