Bilanz

Deutlich mehr Einsätze für Berlins Rettungskräfte

Unfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle: Der Rettungsdienst verzeichnete 2010 einen Anstieg der Einsätze um acht Prozent auf 353.724.

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Wie Landesbranddirektor Wilfried Gräfling am Freitag bei der Vorstellung der Bilanz für 2010 mitteilte, erhöhte sich die Gesamtzahl der Einsätze im vergangenen Jahr gegenüber 2009 um etwa acht Prozent auf 353724. Den deutlichsten Anstieg gab es mit 48 Prozent bei technischen Hilfeleistungen, wie etwa der Beseitigung von Sturmschäden. Der Rettungsdienst verzeichnete einen Anstieg um 12,3 Prozent, bei der Brandbekämpfung erhöhte sich das Einsatzaufkommen um 6,6 Prozent.

279599 mal wurden die Rettungskräfte im vergangenen Jahr zu Unfällen, Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Notfällen alarmiert. Die Gründe für den deutlichen Anstieg liegen nach Darstellung des Feuerwehr-Chefs nicht nur in der demografischen Entwicklung der Gesellschaft, in der immer mehr alte Menschen leben. „Die Feuerwehr muss zudem abfangen, was anderswo in der medizinischen Versorgung versäumt wird“, sagte Gräfling. Als Beispiele nannte er Krankenhäuser, die ihre Patienten immer früher entlassen, und niedergelassene Ärzte, die immer weniger Hausbesuche durchführen, da diese Leistungen nur schlecht vergütet würden. „In der Folge greifen Kranke schneller zum Telefon und alarmieren die Feuerwehr“, beschrieb der Landesbranddirektor die Situation.

Defizite in Pflegeheimen

Eine weitere Ursache für das erhöhte Einsatzaufkommen im Rettungsdienst, sind für Gräfling die „offensichtlichen Defizite“ in Pflegeheimen. Weil Ärzte und Pflegepersonal fehlten, werde häufiger die Feuerwehr gerufen. „Natürlich sind wir da, um Menschen zu helfen, aber hier findet eindeutig eine Verschiebung der Lasten statt“, monierte Gräfling.

Eine wichtige Rolle bei der Vorstellung der Jahresstatistik 2010 spielten auch die sogenannten Schutzziele. Die besagen, dass die Rettungs- und Löschkräfte innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein sollen. Bei Löscheinsätzen brauchte die Feuerwehr im vergangenen Jahr im Durchschnitt etwa zehn, bei Rettungseinsätzen etwa achteinhalb Minuten. In 50 Prozent aller Einsätze schaffe die Berliner Feuerwehr die Einhaltung der Schutzziele nicht, hatten Gewerkschaftler und Oppositionspolitiker im Abgeordnetenhaus bemängelt. Die Kritik von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und CDU-Innenexperte Peter Trapp richtete sich allerdings nicht gegen die Feuerwehr sondern gegen das Sparprogramm des Senats, das einen erheblichen Stellenabbau zur Folge hatte.

Dem widersprach der Landesbranddirektor. Sowohl die personelle als auch die technische Ausstattung sei zufriedenstellend, sagte Gräfling. Er verwies dabei auf deutliche Verbesserungen durch Mittel aus dem Konjunkturpaket. Für 22 Millionen Euro seien 16 neue Rettungsfahrzeuge sowie zahlreiche Löschfahrzeuge und dringend benötigte Spezialtechnik angeschafft worden. Dass die Eintreffzeiten der Feuerwehr noch verbessert werden könnten, räumte auch Gräfling ein. Seine Behörde plane zu diesem Zweck, neben den über die Stadt verteilten Feuerwachen weitere Stützpunkte für Rettungs- und Notarztwagen einzurichten, um deren Anfahrtswege zu verkürzen.

Der Feuerwehr-Chef äußerte sich am Freitag auch zu der jüngsten Serie von Hausflur-Bränden. „Angesichts dieser Vorfälle bin ich optimistisch, dass wir auch in Berlin zu einer Rauchmelderpflicht kommen“, sagte Gräfling