Sprachförderung

Mehr Qualität hat ihren Preis

Bildungssenator Zöllner will die Teilnahme an Deutsch-Tests für Kinder ab vier Jahren zur Pflicht machen. Regina Köhler über die Verbesserungspläne zur Sprachförderung.

Die verpflichtende Einführung des jahrgangsübergreifenden Lernens (Jül) in den ersten beiden Klassen hat an vielen Grundschulen, aber auch bei vielen Eltern in den vergangenen Jahren zu heftigen Debatten geführt. Vor allem Schulen in sozialen Brennpunkten haben immer wieder betont, dass ihre Schüler mit dieser Form des Lernens überfordert sind. Knapp zehn Prozent der Grundschulen haben sich bisher geweigert, Jahrgangsmischung zu machen.

Nun hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) endlich reagiert. Sein Vorschlag: Jül soll künftig freiwillig sein. Lehrer, Schulleitung und Eltern sollen entscheiden können, ob eine Grundschule jahrgangsübergreifendes Lernen anbietet oder nicht.

Eine solche Reglung ist längst überfällig. Schließlich zeigt die Praxis immer wieder, dass Jül nur dort gelingt, wo die Rahmenbedingungen stimmen und alle Beteiligten ganz und gar hinter dem Konzept stehen. Nun bleibt abzuwarten, ob Zöllner sich mit seinem Vorschlag durchsetzt. Gleichzeitig muss aber klar sein, dass Schulen, die sich auf den Weg gemacht haben und an Jül festhalten wollen, gute Rahmenbedingungen brauchen, wozu vor allem ausreichend qualifiziertes Personal gehört.

Gut beraten ist Bildungssenator Jürgen Zöllner auch, wenn er die Qualität der Sprachförderung überprüfen lassen will. In diesem Bereich wird seit Jahren viel Geld ausgegeben. Die Erfolge sind hingegen eher bescheiden. Zöllner fordert die Schulen nun auf, Sprachförderkonzepte zu entwickeln und die Mittel für Sprachförderung nicht anderweitig auszugeben, zum Beispiel für Vertretungsunterricht. Das ist durchaus gerechtfertigt, nur darf nicht vergessen werden, dass es noch immer keine wissenschaftliche Untersuchung darüber gibt, welche Sprachförderkonzepte tatsächlich wirksam sind. Dass diese Forschung sträflich vernachlässig worden ist, darf jetzt nicht den Schulen angelastet werden.

Zöllner muss sich auch fragen lassen, wie Schulen Vertretung anders organisieren sollen, wenn sie Personalmangel haben und zudem kaum Vertretungskräfte zu finden sind. Bleibt also wieder einmal festzustellen, dass Qualität nicht ohne eine auskömmliche Finanzierung zu haben ist. Diesbezüglich blieb Zöllner den Schulen erneut eine Antwort schuldig.