Sehitlik-Moschee

Brandstiftung trifft Moschee zum vierten Mal

An Berlins größter Moschee in Neukölln haben unbekannte Täter Feuer gelegt – nicht zum ersten Mal. Offenbar sollte eine Gasflasche zur Explosion gebracht werden. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz an neuralgischen Punkten.

Drei Tage nach dem muslimischen Opferfest haben Unbekannte am Freitag gegen 6.15 Uhr an der Neuköllner Sehitlik Moschee am Columbiadamm ein Feuer gelegt. Der Brand verursachte Sachschaden an einem Fenster und verrußte die Fassade. Menschen wurden nicht verletzt. Der Staatsschutz ermittelt.

Innensenator Erhart Körting hat die Tat verurteilt. Körting hatte zuvor nach der jüngsten Terrorwarnung die Berliner zur Wachsamkeit aufgerufen, wandte sich aber dagegen, Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Der SPD-Senator bedauerte seine umstrittenen Äußerungen zur Meldung von „seltsam aussehenden oder arabisch sprechenden Nachbarn“ als unglücklich. Es sei kein Aufruf zur Denunziation gewesen.

Kurz nach sechs Uhr hatte ein Bewegungsmelder auf der Rückseite der Moschee angeschlagen. Ein Gemeindemitarbeiter entdeckte eine Rauchwolke und sah Flammen an der rückwärtigen Fassade der Moschee emporsteigen. Der Mann habe den Brand selbst löschen können, sagte Yavuz Selim Akgül, der Vorstandsvorsitzende der Sehitlik-Gemeinde. Es sei bereits die vierte Brandstiftung gegen die Moschee seit Juli dieses Jahres gewesen. Zum Glück halte sich der Schaden diesmal in Grenzen, so Akgül. Er glaubt, die Täter kamen vom benachbarten Friedhofes aus auf das Gelände der Moschee.

Die Kriminalpolizei stellte eine Propangasflasche zur Spurenauswertung sicher, die aber keine Auswirkungen auf das Feuer hatte. Offenbar hatten die Täter die Gasflasche mit einer Sackkarre herangeschafft. Darauf deuten Spuren hin, die Kriminaltechniker am Tatort entdeckten. Nach Informationen von Morgenpost Online waren Druckspuren erkennbar, die von der Umzäunung des Türkischen Friedhofs in Richtung Moschee und entlang des Columbiadamms weiterführten. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass die bauchige Gasflasche ursprünglich in einem schwarzen, rucksackähnlichen Behältnis zum Tatort transportiert wurde. Bereits im Sommer war die von 1999 bis 2005 erweiterte Sehitlik Moschee drei Mal von Brandstiftungen betroffen.

Zuletzt hatten Unbekannte in der Nacht zum 10. August ein Fenster in Brand gesetzt. Zuvor war brennbares Material in der Nacht zum 1. August vor einem vergitterten, ebenerdig gelegen Kellerfenster aufgeschichtet und in Brand gesetzt worden. Dabei war ein Lüfter beschädigt worden, der in dem Fenster eingelassen war. Die Gebäudesubstanz selbst blieb verschont. Das Feuer war von selbst erloschen. Für Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) sei diese „dilettantische Kokelei“ keinem terroristischen oder fremdenfeindlichen Hintergrund zuzuordnen. Personen, die gezielt Anschläge verüben, könnten dies erheblich besser. Offenbar lebe jemand mit einem „Webfehler“ seine Antipathien gegen die Moschee aus, so Buschkowsky.

Die Polizei hat nach der Terrorwarnung die Präsenz an potenziell gefährdeten Objekten im Nahverkehr und auf Weihnachtsmärkten verstärkt, so Polizeipräsident Dieter Glietsch am Freitag auf Anfrage. Trotz erhöhter Arbeitsbelastung gebe es weder Sonderschichten noch Urlaubssperren. Wie Wachsam die Berliner derzeit sind, zeigte sich Freitag früh in Mitte und nachmittags in Charlottenburg. Vor der Niederländischen Botschaft an der Klosterstraße und auf einem Briefkasten an der Goethestraße waren verdächtige Gegenstände – ein Kunststoffbehälter und ein Päckchen – aufgefallen. Sie erwiesen sich nach Prüfung jeweils als harmlos. Polizeisprecher Thomas Neuendorf zufolge gibt es kein erhöhtes Aufkommen von Anrufen, es sei keine Hysterie ausgebrochen.

Die Polizei nimmt Hinweise unter Tel:4664-909040 entgegen.