Bildungspolitik

Kein Sprachtest – Eltern sollen Bußgeld zahlen

Vierjährige Kinder müssen in Berlin an Sprachtests teilnehmen, wenn sie keine Kita besuchen. Wer sein Kind nicht zum Test schickt, soll künftig ein Bußgeld bezahlen.

Vierjährige Kinder, die keine Kita besuchen, müssen künftig an verpflichtenden Sprachtests teilnehmen. Verstöße dagegen würden ab dem kommenden Schuljahr mit Bußgeldern geahndet, kündigte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) an. Auf eine Höhe der Strafzahlung wollte er sich nicht festlegen. Das Bußgeld werde aber geringer sein, als die im Schulgesetz festgelegten Sanktionen zum Beispiel für das Schwänzen, die bis zu 2500 Euro vorsehen.

Zwar seien die Tests auch bisher schon obligatorisch, dennoch würde eine Reihe von Kindern nicht erreicht, begründete Zöllner seinen Schritt. Von 2000 in diesem Jahr angeschriebenen Familien, deren Kinder in keiner Einrichtung betreut werden, seien nur etwa 600 Mädchen und Jungen zu der Erhebung erschienen. Dabei sei bei jedem zweiten Teilnehmer ein Förderbedarf ermittelt worden.

Bislang mussten Kinder, die den Test nicht bestanden an einer täglichen dreistündigen Sprachförderung teilnehmen, die in einer Kita stattfindet. Künftig, so möchte es der Senator, sollen diese Kinder fünf Stunden am Tag an der Sprachförderung teilnehmen. De facto kommt da einer Kita-Pflicht gleich, doch der Senator wollte es auf keinen Fall so nennen: „Der Weg ist bei mir, dass ich diese Testung als Bestandteil der Schulpflicht sehe“, sagte er.

Noch geprüft werde, ob die Sprachtests um ein halbes oder ein Jahr vorgezogen werden könnten. Bisher würden die Kinder im Alter von viereinhalb Jahren geprüft. Ziel sei, den Förderzeitraum zu verlängern, um insbesondere Kindern aus benachteiligten Familien bessere Bildungschancen zu eröffnen. Alle Maßnahmen sind nach Darstellung Zöllners Teil eines umfangreichen Pakets zur Qualitätsentwicklung in Schulen und Kitas.

Etwa zehn Prozent der Kinder in Berlin gehen Zöllner zufolge nicht in eine Kindertagesstätte. „Ich glaube, dass das Gesamtpaket in diesem Zusammenhang uns einen entscheidenden Schritt in der Förderung dieser jungen Menschen weiterbringen kann“, sagte Zöllner. Ziel der Neuregelung sei es, dass bei Bedarf “praktisch alle eine Förderung erhalten“.