Lautsprecher-Aktion

BVG vertreibt Dealer und Bettler mit Mozart

Opernarien und Chopin als "Geheimwaffe" - die BVG hat einen Test im U-Bahnhof Adenauerplatz gestartet. Dauerbeschallung mit klassischer Musik soll unliebsame "Kunden" wie Dealer und Obdachlose enervieren. Diese sollen, so die Hoffnung der Sicherheitsexperten, die Bahnhöfe dann ganz freiwillig verlassen.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben jetzt einen Versuch gestartet, mit klassischer Musik Drogendealer und Bettler aus ihren Bahnhöfen zu vertreiben. Im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Adenauerplatz in Charlottenburg sind seit Freitag Mozartarien oder Klavierstücke von Chopin zu hören. Auch „das eine oder andere Weihnachtslied“ werde dabei sein, so BVG-Sprecher Klaus Wazlak. Verzichtet werden soll dagegen auf Zwölftonmusik und andere schwer verdauliche musikalische Kost.

In dem auf zwei Monate angelegten Test will die BVG in Erfahrung bringen, „wie die Kunden auf zurückhaltende Musikbeschallung reagieren und ob die Beschallung die Atmosphäre im U-Bahnhof positiv beeinflusst“. Hat der Versuch Erfolg, soll auch in anderen Stationen im Berliner U-Bahn-Netz dauerhaft Klassikmusik erklingen.

Die Idee ist nicht neu: Bereits 2007 wollte das landeseigene Unternehmen einen solchen Musiktest in zwei U-Bahnhöfen an der Linie U8 unternehmen. Die Stationen gehören zu den Orten, wo nach Erkenntnissen der Polizei Drogenhändler besonders häufig ihren illegalen Geschäften nachgehen.

Die BVG wollte dabei auf Erfahrungen der Verkehrsbetriebe in München und Hamburg zurückgreifen. Auch in Rom werden die U-Bahnhöfe mit Musik beschallt. Danach würden Dealer, aber auch andere unliebsame Dauergäste schnell genervt auf eine Klassik-Dauerberieselung reagieren und deshalb rascher den Bahnhof wieder verlassen.

Doch die Technische Aufsichtsbehörde stoppte Anfang 2008 den geplanten Pilotversuch in Berlin. Dauermusik auf den Bahnsteigen könnte zur Folge haben, dass Fahrgäste mit Hörbehinderung wichtige Ansagen nicht richtig wahrnehmen, so die Befürchtung der Landesbehörde.

Die BVG hat nun die Versuchsanordnung geändert und begrenzt den Testlauf auf das Zwischengeschoss eines Bahnhofs. Bahnsteige sollen dagegen klassikfrei bleiben. „Die Wahl fiel dabei auf den Bahnhof Adenauerplatz, weil er gute bauliche und technische Gegebenheiten dafür aufweist, so BVG-Sprecher Wazlak. Mit etwa 4000 Euro seien daher auch die Kosten für den Pilotversuch überschaubar. Ein Kriminalitätsschwerpunkt sei der Test-Bahnhof aber nicht, betont die BVG.

Offen lässt die BVG, welche weiteren ihrer 173 Bahnhöfe nach einem positiven Testergebnis ein Klassikmusikprogramm erhalten sollen. Vor zwei Jahren hatte die Ankündigung einer Zwangsbeschallung für heftige Kontroversen unter Verkehrspolitikern und Fahrgastvertretern gesorgt.

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