Verkehrsplan des Senats

Autofahrer sollen Minderheit in Berlin werden

Der Anteil der Autofahrer am Hauptstadtverkehr sinkt - und spätestens 2025 sollen sie nach dem Willen des rot-roten Senats eine Minderheit sein. Sie sollen vor allem aufs Rad umsteigen.

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Der Berliner Senat strebt eine weitere Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf Fahrräder, Busse und Bahnen an. Bis 2025 soll der Autoverkehr nur noch einen Anteil von 25 Prozent in der Hauptstadt haben.

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Der Autoverkehr soll in Berlin bald nur noch einen Anteil von 25 Prozent haben. Fußgänger, Radfahrer und Benutzer von Bussen und Bahnen sollen bis 2025 für die anderen 75 Prozent des Verkehrsaufkommens verantwortlich sein. Das sieht die Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans Verkehr vor. Der Senat beschloss die langfristige Strategieplanung am Dienstag. „Ziel ist es, dass Sie sich in der Stadt ohne Einschränkungen und zu günstigen Preisen bewegen können“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

Derzeit hat der Autoverkehr einen Anteil von etwa 32 Prozent. 1998 lag er noch bei 38 Prozent. Um die vom Senat gewünschte weitere Verlagerung auf Fahrräder, Busse und Bahnen zu erreichen, soll es vielfältige Förderungen geben. Konkrete Maßnahmen werden gesondert beschlossen.

Nach den jüngsten Prognosen dürfte der öffentliche Nahverkehr in den nächsten 15 Jahren seinen Anteil von 27 auf 29 Prozent steigern. Der Radverkehr wird demnach von 13 auf 18 Prozent zulegen. Den Anteil der Fußgänger sehen die Prognostiker konstant bei 28 Prozent.

Junge-Reyer betonte, besonders Elektrofahrzeuge würden künftig als Verkehrsmittel in Städten geeignet sein. Schließlich sollte auch der Autoverkehr flüssig unterwegs sein. Für das gemeinsame Nutzen von Autos sollten tausend Parkplätze bereitgestellt werden.

Im Mai beginnt zudem in Zusammenarbeit mit der Bahn das neue Modell der Stadträder. Leihfahrräder, die von jedem benutzt werden können, stehen an festen Standorten. Zunächst gibt es 50 Stationen mit 1650 Fahrrädern. Für Bus- und Bahnfahrer gibt es Ermäßigungen. Allerdings wird das alte System Call-a-Bike ohne Verleihstationen komplett aufgegeben - und das Leihen von Fahrrädern damit unflexibler.

Das Parken in der Innenstadt, die Festlegung von Gebieten mit Parkgebühren und die Zahl von Abstellplätzen für Fahrräder sollen in der nächsten Legislaturperiode in einem sogenannten Masterplan Parken geregelt werden, kündigte Junge-Reyer an. Neue Strecken für Straßenbahnen, etwa über die Leipziger Straße, könnten erst in Angriff genommen werden, wenn die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 fertig sei. Über den Weiterbau der umstrittenen Autobahn 100 werde erst nach der Wahl im September entschieden.

In der politischen Debatte wurden auch schon Tempo 30 auf Hauptstraßen, Grüne Wellen für Radfahrer oder schärfere Regeln für die Umweltzone genannt. Was davon umgesetzt wird, dürfte auch vom Ausgang der Abgeordnetenhauswahl abhängen.

Die Industrie- und Handelskammer Berlin vertrat die Ansicht, der Autoverkehr dürfe nicht aus der Innenstadt gedrängt werden. Vielmehr müssten neue Straßenverbindungen gebaut werden. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) forderte, benachteiligte Gebiete etwa am Stadtrand müssten noch besser an das Nahverkehrsnetz angeschlossen werden.