Demonstration

Knut-Fans gehen gegen Präparation auf die Straße

Knut soll nicht für das Berliner Naturkundemuseum ausgestopft werden: Dafür wollen einige Fans des toten Eisbären am Sonnabend auf dem Hardenbergplatz sogar demonstrieren. Die Grünen sprechen sich unterdessen für den Tierfriedhof aus.

Knut-Fans haben sich in den letzten Tagen als sehr aktive Trauergemeinde erwiesen. Sie legen Blumen an das Gehege des verstorbenen Eisbären. Sie malen Bilder und schreiben Gedichte. Auf Facebook gründen sie die Gruppe „Wir trauern um Knut, den Eisbär“. Sie schalten Anzeigen in Tagesszeitungen: „Du hattest das Leben eines Polarprinzen verdient…Sie haben Dir bitter Unrecht getan, Knut. Wir haben Dich nicht beschützen können.“

Wenigstens bald zwei Wochen nach seinem Tod wollen die Fans ihren Knut schützen und ihm einen letzten Dienst erweisen. Sie widersetzen sich den Plänen des Zoos, nach denen der Körper des Eisbären präpariert und im Naturkundemuseum ausgestellt werden soll. Deswegen wollen sie am Sonnabendnachmittag ab 15 Uhr auf dem Hardenbergplatz vor dem Löwentor demonstrieren. Die Demonstration wurde unter dem Motto „Stoppt die Ausstopfung von Knut“ angemeldet. Die Polizei erwartet rund 50 Teilnehmer. In einem offenen Brief an Zoo- und Tierpark-Direktor Bernhard Blaszkiewitz und Bärenkurator Heiner Klös heißt es: „Niemand will Knut steif und tot betrachten.“

Claudia Hämmerling kann den Widerspruch der Knut-Fans verstehen. Die Grünen-Politikerin ist tierschutzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Die Proteste gegen die Präparation von Knut zeigen, dass er für viele Menschen ein ganz besonderes Geschöpf war“, sagt Claudia Hämmerling. „Mit ihm kann deshalb nicht so verfahren werden, wie das bei anderen Tieren üblich ist.“ Sie fragt sich, warum Knut nicht einfach auf einem Tierfriedhof beerdigt werden kann. „Muss sich der Zoo mit Tierschützern und den zahlreichen Anhängern von Knut anlegen?“

Der Berliner Zoo hingegen nimmt die Proteste der Knut-Anhänger in Kauf. Die Entscheidung, den Eisbären vom Naturkundemuseum präparieren zu lassen, werde nicht zurückgenommen, heißt es. „Mit der Ausstellung von Knut, verfolgen wir einen wissenschaftlichen und pädagogischen Ansatz“, sagt Zoosprecherin Claudia Bienek. Die Ausstellung von Knut im Naturkundemuseum könne den Besuchern wichtige Erkenntnisse über Eisbären liefern.

Ein Jahr lang wird die Präparation von Knut dauern. Noch liegt sein Körper aber unbearbeitet im Naturkundemuseum. Mit der Präparation wird begonnen, sobald die endgültigen Ergebnisse von der Obduktion des Leichnams vorliegen. Die ersten Untersuchungsergebnisse hatten bei Knut deutliche Veränderungen des Gehirns gezeigt, die als Grund für seinen plötzlichen Tod angesehen wurden. Die endgültigen Untersuchungsergebnisse von Knut werden am Donnerstag vorgestellt.

Im Zoo läuft der Betrieb derweil fast wieder normal. Die drei Eisbären-Damen Tosca, Nancy und Katjuscha wurden am Dienstag wieder in das Gehege gelassen, das zuvor gereinigt worden war. Trotzdem könnten Besucher dort weiterhin Blumen niederlegen, um ihre Trauer zu bekunden, sagt Sprecherin Bienek. Doch die ersten Sträuße seien bereits weggeräumt worden, weil sie verwelken würden. In das Kondolenzbuch, das am Zoo-Eingang ausliegt, können sich die Knut-Fans ebenfalls noch eintragen.